Ich bin eigentlich ein Naturfreund. Wenn die Natur mir allerdings zu nahe rückt, dann ist der Spaß vorbei. Legendär ist mein Verhältnis zu Insekten. Aus meiner Sicht gibt es aber Menschen, die auf die Anwesenheit von Wespen, Bienen und anderem stechenden und saugenden Getier noch panischer reagieren. Ich finde ja, dass man da durch die Kinder etwas entspannter wird. Schließlich will man sie ja auch nicht zu Angsthasen erziehen.

Vielleicht ist da aber doch etwas Genetisches dabei. Der Marc hat sích einen Satz angewöhnt, den ich nicht besser formulieren könnte. Wenn wir mal draußen essen und eine Hummel, Wespe, Biene oder auch nur eine nicht gleich identifizierbare Fliege in unsere Nähe kommt, setzt Marc ein ernstes Gesicht auf und sagt: „Kommt, wir essen drinnen weiter.“

Sehr lustig ist es auch, wenn eine Amsel mit Nestbaumaterial oder einem Wurm im Schnabel durch unseren Garten hüpft. Nicht ganz so beschwingt sieht es dann aus, wenn Tom jammernd und winselnd sowie mit dem Finger auf das Tier zeigend durch die Gegend springt. Ich versuche es dann mit dem Spruch, dass die Amsel mehr Angst vor ihm hat als anders herum. In der entscheidenden Gehirnzelle ist dieser Einwurf noch nicht bei ihm angekommen.

Auch Pflanzen nötigen mir Respekt ab. Vor allem wenn ihre Anwesenheit mit Arbeit verbunden ist. Am Wochenende war ich als eine Art männliche Bordsteinschwalbe unterwegs. Zuerst bin ich dem wucherden Efeu zu Ast und Blatt gerückt. Ich komme mir dann immer vor wie ein Naturfrisör, wenn ich mit einer Pflanzenschere bewaffnet zigmal hin und her gehe, um die störenden Ableger abzuscheiden.

Diesmal wurde mein Aufenthalt am Bürgersteig vom wuchernden Unkraut, auf das der abgeschnittene Efeu den Blick freigegeben hat, verlängert. Wie sagte eine mich für meinen Einsatz bewundernde etwas betagtere Passantin: „Wenn man nicht aufpasst, wird man zugewuchert.“ Recht hat sie. Also ran an das Unkraut. Nach fast zwei Stunden war das Werk getan. Und ich war um die Erkenntnis reicher, dass man nach so einer Arbeit ein Ergebnis sieht. Vielleicht ist die Arbeit an Haus und Hof doch nicht so verkehrt.

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