Ich hatte dazu schon ein kurze Notiz gelesen – wahrscheinlich genauso wie die Brigitte. Nur hat der Frauentitel nun auch ein Interview mit der niederländischen Soziologin Renske Keizer geführt . Das Institut NIDI, für das die Soziologin tätig ist, hat 1452 Männer – Väter und Kinderlose – befragt, wie glücklich sie sind. Hauptergebnis: Väter sind unglücklicher als die übrigen Männer.

Okay, die Untersuchung fand in den Niederlanden statt. Enttäuschend ist das Ergebnis allemal – der Unterschied zu Deutschland dürfte marginal sein. Die von der Soziologin angeführten Gründe sind vielfältig und zum großen Teil sicher auch richtig.

Unterm Strich hat das mit der gesellschaftlichen Rolle zu tun, die im Bezug auf den Mann in der Breite immer noch ganz traditionell ist. Der Mann geht arbeiten – aber die Frau ist auch nicht mehr nur zu Hause. und deshalb soll der moderne Mann am Feierabend die Kinder übernehmen. Das Wochenende steht unter einem ähnlichen Vorzeichen.

Ich glaube, dass die Männer erst noch lernen müssen, wirklich modern zu werden. Sicher müssen sie sich zum Job und der Familie eine Gegenwelt schaffen. Unsere Hebamme hat im Geburtsvorbereitungskurs für Mehrfachgebährende und ihre Partner die Mütter ermahnt, den Männern ihren Drang nach Beschäftigung (Sport oder andere Hobbys) weiter zu gestatten – ganz ohne Studie.

Männer sind halt immer noch zu bequem. Das Bild vom Mann, der aus der Arbeit kommt, sich ein Bier holt und der Frau sagt: „Bring‘ doch endlich die Kinder ins Bett!“ hat jeder vor seinem geistigen Auge. Offenbar wird der Mann unglücklich, wenn er sich solchen Klischees nicht mehr hingeben kann. Männer müssen eben nicht nur im Job sondern auch zu Hause Verantwortung übernehmen. Ich bin überzeugt, dass das funktionieren kann. Also: Einfach weniger oft kneifen, weniger jammern und dafür machen. Manchmal fällt es einem auch schwer – aber dann kann mann sich ja mit seiner Frau unterhalten. Wirklich moderne Frauen haben dafür sicher auch Verständnis.

Nebenergebnis: Väter sind gesünder als Nichtväter. Frau Keizer sagt, dass die Mütter sich nicht nur um das Wohlergehen der Kinder kümmern, sondern auch um das der Männer. Das klingt ein bisschen komisch. Jeder Vater weiß, dass er vor der Geburt des Nachwuchses seltener krank war. Das Männer zu Weicheiern mutieren, wenn sie krank sind und eine Frau in der Nähe ist, ist wieder ein anderer Fakt. Vielleicht sind Väter mittel- und langfristig dann doch gesünder, weil sie viel glücklicher sind und eine sinnvolle Lebensaufgabe haben. Das wäre doch ganz gut. Andererseits spielt sicher auch eine Rolle, dass Väter von waghalsigen Abenteuern eher Abstand nehmen als Nichtväter. Stichwort: Verantwortungsbewusstsein. Vielleicht sind sie einfach nur deshalb gesünder.

Flattr this!