MonthJuli 2009

Mit zwei Sausern bei Feininger

Ich bin ja ein großer Freund der Fotografie – aktiv wie passiv. Für beide Spielarten habe ich natürlich zu wenig Zeit. Das sagt man so. In echt muss man sich sie eben nehmen. Für die Kinder ist da auch Platz.

So waren wir am Wochenende in der Andreas Feininger Ausstellung in der Kunsthalle am Steubenplatz in Darmstadt. Feininger ist der Sohn des Malers Lyonel Feininger. Der Architekt und Fotograf lebte von 1906 bis 1999. Die Ausbildung zum Architekten genoss er an den staatlichen Bauschulen in Weimar und Zerbst. Danach arbeitete er in Hamburg und bei Le Corbusier in Paris. Mit Ausbruch des Krieges emigrierte er in die USA.

Dort entstand auch ein Großteil der gut 150 Fotos der Ausstellung. Ansichten von New York und Chicago bilden den Schwerpunkt. Besonders faszinierend finde ich die Aufnahmen, die er aus einiger Entfernung von New York gemacht hat. Diese nicht ganz alltäglichen Motive haben einen ganz besonderen Reiz. Ansonsten spürt man, dass Feininger vor allem von dem Gewusel der Großstadt gepackt wurde. Menschenaufläufe, quirlige Stadtaufnahmen, Verkehrschaos: Alles findet sich auf den Bildern wieder.

Einen Kontrast bilden die Aufnahmen von Insekten und Fischknochen, die sein Interesse an Details dokumentieren. Diese Bilder gehören allerdings nicht zu meinen Favoriten. Dass er auch für das Magazin Life tätig war und dort mit Reportagefotografie in Kontakt kam, sieht man schön an den Aufnahmen von Läden, wie einem „Wurstgeschäft“ in New York. Alles in allem ist ein Hochgenuss diese Werke in Schwarzweiß zu betrachten. Die Jungs nutzten die Zeit zum Herumsausen. Aber das Leben in einem Hafen und die Bedeutung des Wortes Wolkenkratzer kann man ihnen bei dieser Gelegenheit auch ganz gut nahe bringen.

Die Ausstellung „Andreas Feininger: between black and white“ ist noch bis zum 30. August in der Kunsthalle am Steubenplatz in Darmstadt zu sehen. Der Katalog kostet 28 Euro. Für weniger Geld ist das Fotografie-Lehrbuch Feiningers „Die hohe Schule der Fotografie“ für 8,95 Euro erhältlich. Es geht ausschließlich um analoge Fotografie. Man bekommt aber viel über Technik und Bildgestaltung mit. Eine gewisse Arroganz zeichnet das Buch aus. Feininger war sicherlich kein ganz einfacher Typ.

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Von Löwen und Seelöwen

Es war mit wieder an der Zeit, einen Zoo zu besuchen. Wir waren am Sonntag früh dran. Die Jungs und ich machten uns auf den Weg nach Heidelberg. Für Leute, die eher in Richtung Rhein-Main-Gebiet orientiert sind, ist das ein Geheimtipp. Für alle aus dem nordbadischen Bereich und der Pfalz nicht. Entsprechend ist der Andrang. Spätestens ab 11 Uhr wird es an schönen Tagen voll.

Von tiere

11 Uhr ist eine magische Zeit für den Zoo-Besuch. Dann werden nämlich die Seelöwen gefüttert. Das heißt eigentlich: Sie werden beschäftigt und die Zoo-Besucher dürfen sich daran erfreuen. Knapp 45 Minuten hat die Show gestern gedauert. Schatten gibt es nicht gerade reichlich. So ist das immer eine recht harte Prüfung für große und kleine Menschen. Im Moment hat das Seelöwen-Becken noch ein anderes Highlight parat. Es gibt Nachwuchs.

Von tiere

Diesem Thema haben sich auch die Riesen-Schildkröten gewidmet. Tom, Marc und ich wurden Zeugen eines Geschlechtaktes. Herr Schildkröte hat ordentlich gestöhnt. Die Panzer haben geknirscht, Frau Schildkröte hat den Kopf eingezogen. Marc wollte wissen, warum und wann die untere Schildkröte platt gemacht wird. Er hat ein wenig gebohrt. Dann habe ich ihm rudimentär erklärt, dass die Zwei kleine Schildkröten machen wollen und sich dafür ein wenig anstrengen müssen. Das sei bei den meisten Lebewesen so. Das hat er dann auch akzeptiert – und wir konnten zu den Löwen weitergehen.

Von tiere

Dort erwartete uns der Chef mit starrem Blick. Im Raubtierhaus befindet sich übrigens auch der Wickelraum – interessanter Zusammenhang. Dann beobachteten wir die Flamingos, bevor es zu den Elefanten weiterging, die gerade ein neues Zuhause bekommen. Das Vogelhaus mit eingebettetem Faultierreich ist nur über einen Zugang zu erreichen.

Von tiere

Tom war es besonders wichtig, bei den Affen vorbeizuschauen. Das hängt wahrscheinlich mit dem Spielen von SOS Affenalarm zusammen. Allerdings war es dort auch sehr unterhaltsam. Bei keinem anderen Tier hat man im Zoo das Gefühl, dass auch die Besucher eine Art Studienobjekt für die Tiere sind. So hat ein Gorilla interessiert zugesehen, wie ein Besucher ihm den Inhalt seines Rucksacks präsentierte.

Von tiere

Den stärksten Eindruck hat Tom vom Streichelzoo mitgenommen. Eine Ziege ist in die Schleuse geschossen, als ich das Tor zum inneren Bereich öffnete. Tom hatte Angst, ich schnappte und tröstete ihn – aber auf Ziegenstreicheln hatte er dann keine Lust mehr.

Nach der Fütterung der Seelöwen hatten wir keine Zeit mehr für die Spielplätze im Zoo. Sie sind aber sehr empfehlenswert – sowohl für kleine als auch größere Kinder. Im Auto dürfte Tom dann von Ziegen geträumt haben.

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Chickenfoot

Die Begriffe Hardrock und Heavy Metal sowie die sich dahinter befindende Musik sind sehr stark mit den 70er, 80er und 90er Jahren verbunden. Die Stile haben sich weiterentwickelt, neue Begriffe wurden gefunden. Hardrock und Heavy Metal sind Worte aus der alten Welt. Aber auch sie können mit neuem Leben gefüllt werden – ob sie allerdings Digital Natives ansprechen, bleibt fraglich. Etwas ältere Semester können von guten Produkten noch immer gepackt werden. Die wirklich guten Ergebnisse bringe ich auch meinen Jungs näher.

Ein überraschend gutes Album haben ein paar alte Haudegen aus den USA hervorgebracht. Chickenfoot heißt die Band. Mit von der Partie sind Sammy Hagar, Michael Anthony, Joe Satriani und Chad Smith. Die ersten beiden waren einmal eine Hälfte von Van Halen. Sammy Hagar hatte auch schon vor der Van Halen-Zeit eine Stimme mit großem Wiedererkennungswert. Tatsächlich steht sie aber für Van Halen 2, also die Zeit nach David Lee Roth. Entsprechend schwer fällt es dem Quartett, nicht an die guten alten Zeiten zu erinnern.

Dieses Problem ist unter dem Strich wahrscheinlich aber gar nicht so groß. Musikalisch haben wir es hier nämlich wirklich mit dem Feinsten zu tun, was im Genre Hardrock gerade so möglich ist. Wesentlich trägt dazu natürlich Gitarren-Held Joe Satriani bei, der einst als Autodidakt eine solche Klasse erreichte, dass er Gitarristen wie Steve Vai und Kirk Hammett das Schrammeln beibringen durfte. Über die perfekte Rockröhre von Hagar muss man eigentlich auch kein Wort verlieren. Red Hot Chili Peppers-Drummer Chad Smith wirkt im Hintergrund extrem unaufgeregt und klar. Dasselbe gilt für die solide Rhythmus-Arbeit von Michael Anthony am Bass.

Bis auf zwei Titel handelt es sich bei diesem Album um einen rechten Rockhammer. Als Appetizer würde ich „Oh Yeah“, „Get it up“ und „Down The Drain“ empfehlen. Diese Songs zeigen sehr schön, worauf es bei gradlinigen Rock-Hammern ankommt. Die Songs My Kinda Girl und Learning to Fall (die Nummern 8 und 9) fallen etwas ab, finde ich.

Nachdem Marc mittlerweile ein großer Fan von Bon Jovi geworden ist, werde ich ihm künftig beim Autofahren auch mit Chickenfoot beglücken. Mal sehen, ob er diese Songs auch gesanglich interpretieren wird.

Chickenfoot von Chickenfoot bekommt von mir 7 von 10 möglichen Punkten.

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Powerbabys reloaded

Der Viral-Spot von Evian hat eine Fortsetzung. Jetzt werden die Babys gefragt, wie sie die Dreharbieten empfunden haben. Hier die Version mit deutschen Untertiteln:

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Der Spanier in meinem Bett

Ich bin wieder einmal nicht in meinem eigenen Bett aufgewacht. Schon gegen 1 Uhr kam Marc in unser Schlafzimmer. In der Regel verlasse ich dann das Bett und suche Asyl im Kinderzimmer auf der Matratze, die zwischen den Betten der Kinder liegt. Da Tom besonders lange geschlafen hat und zum Glück keine Milch einforderte – das endet nämlich immer im Streit -, war die Nachtruhe sehr passabel. (Wenn man den Tom fragt, warum er eigentlich eine Milch braucht, da er dafür doch schon viel zu alt sei antwortet er immer: „So halt.“)

So gegen 7 Uhr war es dann, als aus unserem Schlafzimmer ein „Olè!“ (man beachte die falsche Akzentuierung) zu hören war. Kurze Zeit später nochmal: „Olè!“ Das war der Spanier in meinem Bett. So etwas passiert eben, wenn man das Kind zu früh an die Lektüre (Marc kann natürlich noch nicht lesen, weiß aber wie die Spanier in dem Comic aussehen) von Asterix und Obelix heranführt. Im Moment ist eben Asterix in Spanien an der Reihe. Und das mit dem richtigen Olé bekommen wir auch noch hin.

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Fehlstart

Es wird Leute geben, die der Ansicht sind: „So schlimm ist das nun auch nicht.“ Mag sein, aber solche Gefühle sind ja auch individuell und tagesabhängig. Für mich war das ein Fehlstart.

Noch deutete wenig darauf hin am frühen Morgen – nur in dem Arzttermin steckte ein wenig Fehlstart-Potenzial. Und das wurde denn auch weidlich genutzt. Termin: 9 Uhr, erster Kontakt zum Arzt 10.30 Uhr. Vor 12 Uhr würde ich nicht zur Arbeit kommen. Das nervt mich dann immer total. Schon beim Warten kann ich nicht entspannen. Selbst Lesen funktioniert dann nicht mehr. Schließlich war die Konsultation beim Doktor wenigstens nicht ganz unerfreulich.

So richtig übel wurde es dann beim Warten am Bahnhof. Da spricht mich doch so eine Fertige an, ob Zug Darmstadt Bauhof fährt. Darmstadt Hauptbahnhof, ja, da fährt er hin. Ich löse mich rasch aus der Umklammerung. Plötzlich verfolgt mich diese Person. Sie hat übrigens ein rosa Tasche mit der Aufschrift Schönheits-Rituale dabei. Sehr passend, denke ich. Sie tritt zu mir: „Du mit mir sprechen!“ Dazu habe ich nun wirklich keine Lust. „Darmstadt Bauhof!“ Ja,ja. „Und Du fahren?“ Dann schlägt die Höflichkeit bei mir durch und ich höre mich antworten: „Frankfurt!“ So das soll es aber mit der aufgezwungenen Konversation gewesen sein.

Der Zug fährt ein. Ich gehe nach oben. Am besten wäre es, sich zu jemandem dazu zu setzen. Hab ich dann aber auch keine Lust. Ich setze mich auf einen Gangplatz. Sie geht nach oben, setzt sich in meine Nähe. Ich packe mein Handy, Kopfhörer rein, Dream Theater an. So lässt sich die Katastrophe vielleicht doch noch abwenden. Ein weiterer Konversationsversuch ihrerseits scheitert. Darmstadt Bauhof ist erreicht. Jetzt kann der Tag nur noch besser werden.

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