Zwischendurch habe ich immer wieder einmal das Bedürfnis, mich passiv-musikalisch weiterzubilden. Da ich im Moment wieder einige neue – wie sagt man so schön traditionell – Heavy Metal-/Hardrock-Alben höre, habe ich mich bei den entsprechenden Magazinen umgeschaut. Mike Portnoy von meiner Lieblingsband Dream Theater war auf der aktuellen Rockhard-Ausgabe am besten in Szene gesetzt. Also her damit.

Das Durchblättern war wie ein Wandeln in der Vergangenheit. Da blicken einem reihenweise Jungs von den Fotos entgegen, die vor 15 bis 20 Jahren schon genauso aussahen. Ich würde sagen, dass das auf 80% der Buben zutrifft. Ein bisschen Weiterentwicklung gibt es allerdings schon (richtig: 20%).

Die Interviews mit Mike Portnoy und James Labrie habe ich sofort gelesen. Und ich muss sagen: Respekt. Es sind wirklich hochwertige, informative, von Sachkenntnis nur so strotzende journalistische Texte. Ich würde sagen, der Kaufpreis ist allein damit zu 50% gut angelegt.

Dazu kommt der Spaß an häufig gewählten Sprache. Vor allem bei den CD-Reviews zeigen die Wortakrobaten der Redaktion, dass sie neben Phrasen und Floskeln auch zu netten neuen Wortschöpfungen und lustigen Formulierungen in der Lage sind.

Standard ist ja auch eine beigeheftete CD bei solchen Publikationen. Frohen Mutes habe ich sie in den Player geworfen. Ich dachte noch, vielleicht ist ja etwas dabei, wo es sich lohnt, einmal ein ganzes Album zu erwerben. Der Anfang war gut, aber schon bekannt (A Rite of Passage von Dream Theater). Aber dann wurde es mit wenigen Ausnahmen unterirdisch. Ich bin nun wirklich ein Metal-Fan erster Stunde, wenn mich auch schon früher Trash- und Death-Metal nur teilweise zufriedenstellen konnten. Die Titel auf der CD gehören meist zu Alben, die auch im Heft vorgestellt wurden. Ich war etwas schockiert, das sogar der uninspirierte Müll vergleichsweise wohlwollend besprochen wurde. Zu den besseren Acts gehören sicher noch die alten dänischen Haudegen von Artillery. Auch Devildriver mosht noch ganz ordentlich. Von da an wird es eher schwierig. Echt Grütze ist Jorn (Hardrock für einfachste Gemüter), Onheil (der Name ist Programm), Blood Red Throne (Death Metal aus Norwegen) und Ex Deo (pathetischer Death Metal über das Römische Reich).

Wenn man dann in den Kritiken noch lesen muss, dass es auch Leute gibt, die an diesen Bands Spaß haben, will man sich gar nicht vorstellen sie die Mucke der noch schlechter bewerteten Bands ist. Zufrieden bin ich jedoch mit der Erkenntnis, dass in meinem liebsten Musik-Genre die Interpreten, die mir wirklich zusagen, ein überschaubares Grüppchen bilden. Das verhindert blinden Konsum.

Ich werde sicher wieder einmal zu einem solchen Heft greifen. nach der Lektüre denke ich aber auch meine Mutter, schließlich gehörte ich schon mit 14 Jahren zu den Abonnenten des Metal Hammer. Dafür, dass sie das verstanden hat, muss ich heute den Hut ziehen.

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