Ich bin ja ein großer Freund der Fotografie – aktiv wie passiv. Für beide Spielarten habe ich natürlich zu wenig Zeit. Das sagt man so. In echt muss man sich sie eben nehmen. Für die Kinder ist da auch Platz.

So waren wir am Wochenende in der Andreas Feininger Ausstellung in der Kunsthalle am Steubenplatz in Darmstadt. Feininger ist der Sohn des Malers Lyonel Feininger. Der Architekt und Fotograf lebte von 1906 bis 1999. Die Ausbildung zum Architekten genoss er an den staatlichen Bauschulen in Weimar und Zerbst. Danach arbeitete er in Hamburg und bei Le Corbusier in Paris. Mit Ausbruch des Krieges emigrierte er in die USA.

Dort entstand auch ein Großteil der gut 150 Fotos der Ausstellung. Ansichten von New York und Chicago bilden den Schwerpunkt. Besonders faszinierend finde ich die Aufnahmen, die er aus einiger Entfernung von New York gemacht hat. Diese nicht ganz alltäglichen Motive haben einen ganz besonderen Reiz. Ansonsten spürt man, dass Feininger vor allem von dem Gewusel der Großstadt gepackt wurde. Menschenaufläufe, quirlige Stadtaufnahmen, Verkehrschaos: Alles findet sich auf den Bildern wieder.

Einen Kontrast bilden die Aufnahmen von Insekten und Fischknochen, die sein Interesse an Details dokumentieren. Diese Bilder gehören allerdings nicht zu meinen Favoriten. Dass er auch für das Magazin Life tätig war und dort mit Reportagefotografie in Kontakt kam, sieht man schön an den Aufnahmen von Läden, wie einem „Wurstgeschäft“ in New York. Alles in allem ist ein Hochgenuss diese Werke in Schwarzweiß zu betrachten. Die Jungs nutzten die Zeit zum Herumsausen. Aber das Leben in einem Hafen und die Bedeutung des Wortes Wolkenkratzer kann man ihnen bei dieser Gelegenheit auch ganz gut nahe bringen.

Die Ausstellung „Andreas Feininger: between black and white“ ist noch bis zum 30. August in der Kunsthalle am Steubenplatz in Darmstadt zu sehen. Der Katalog kostet 28 Euro. Für weniger Geld ist das Fotografie-Lehrbuch Feiningers „Die hohe Schule der Fotografie“ für 8,95 Euro erhältlich. Es geht ausschließlich um analoge Fotografie. Man bekommt aber viel über Technik und Bildgestaltung mit. Eine gewisse Arroganz zeichnet das Buch aus. Feininger war sicherlich kein ganz einfacher Typ.

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