Neulich waren wir das erste Mal zu fünft aus dem Haus. Wir haben uns mit Kinderwagen direkt ins Getümmel gestürzt. Kindertag im Nachbarort Seeheim. Viele Angebote für Kinder, viele Kinder.

Neu an der Situation zu fünft ist vor allem, dass man nicht mehr zu viert ist. Klingt banal, ist es nicht. Vorher waren es zwei Große, die sich die Aufsicht der zwei Kleinen geteilt haben. Jetzt sind es eben drei Kleine.

Wir schlendern also durch die Gegend. Marc hat zu einem Vortrag ausgeholt und mich verbal schwer in Beschlag genommen. Verantwortungsdiffusion. Nadja schiebt ja nur den Kinderwagen, sie wird schon auf Tom aufpassen. Aber auch ein Kinderwagen und vor allem das darin liegende Kind bindet Aufmerksamkeit. Ausgerechnet der kleine Wilde und Eigenen-Weg-Geher verschwindet aus unserem Bewusstseins- und schließlich auch Blickfeld.

Tom war einfach weg, wie vom Erdboden verschluckt. Marc rief schon ganz panisch: „Mein Bruder ist verschwunden“, Nadja war auch mehr als unruhig und ich flitzte wie aufgezogen erstmal in die Richtungen, in denen die Hauptstraßen nicht weit waren. Hoher Puls.

Ein Jugendlicher sagte schließlich, er habe einen herrenlosen Jungen gesehen. Und zwar ganz in der Nähe des Punktes, an dem sich unsere Wege unbeabsichtigt getrennt hatten. Herzschlag beruhigt sich.

Zwei Erkenntnisse haben wir gewonnen. Erstens: Wahrscheinlich bewegen sich Kinder gar nicht so weit von einem weg – und schon gar nicht so schnell – wie man es vermutet. Zweitens: Es ist eine ganz neue Situation, zu fünft unterwegs zu sein. Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Und die Aufmerksamkeitsverteilung muss in der nächsten Zeit sicher noch lauten: 75% Tom, 20% Marc und 5% Nora.

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