MonthNovember 2009

Freies Spiel

Tom ist 3 Jahre alt geworden – Wahnsinn. Das ist das Schicksal von Eltern. Sie bekommen ganz direkt und täglich vor Augen geführt, dass sie unaufhaltsam älter werden. Und irgendwie hat das Älterwerden etwas von Exponentialfunktion.

Eigentlich geht es hier aber um Toms Geburtstag. Das zweite Kind hat es irgendwie nicht so einfach. Noch schlimmer wird es wohl, wenn es auch noch ein drittes Kind gibt – und das trifft auf uns ja nun zu. Das zweite Kind also profitiert zwar vom ersten Kind. So dürfen zweite Kinder schon viel früher viel mehr als die ersten Kinder. Auch Spielsachen sind in Regel schon im Überfluss vorhanden. Und Kontakt zu anderen, größeren Kindern haben sie auch schon früher.

Allerdings fällt es den zweiten Kindern schwer, einen eigenen Kleinkinder-Freundeskreis aufzubauen. Da – in unserem Fall – der große Bruder irgendwie immer mitmischt. Auch das Spielzeug gehört ja eigentlich dem Großen. Das mündet oft in ziemlichem Ärger.

Also haben wir uns jetzt so zum dritten Geburtstag gedacht, Tom braucht eine eigene Spielewelt. Irgendwie hat sich herausgestellt, dass Tom sehr an Tieren interessiert ist. So hat er ein kleines Auge auf die Safari-Wildtierpflegestation von Playmobil geworfen. Jetzt hat er also insgesamt drei Teile davon bekommen. Weitere Teile halten wir noch zurück – für Weihnachten -, um ihn nicht zu überfordern.

Ein Haufen Tiere ist dabei. Und da es mehr als drei Schenker gibt, haben wir noch eine Mikrowelle für die Spielküche in Auftrag gegeben. Auch die gab es als Geschenk. Die Freude über alles war recht groß. Tom hat alles gut angenommen und – natürlich – mit Marc drauf los gespielt.

Dass die Spielzeuge nichts miteinander zu tun haben, kann nur Erwachsenengehirnen entspringen. Hauptbeschäftigung von Tom war es nämlich, ein Tier nach dem anderen in der Mikrowelle auf dem Drehteller zu garen. Das war dann auch der Mikrowelle zu viel: Sie hat angefangen zu spinnen und musste leider vorübergehend aus dem Verkehr gezogen werden.

Es gab übrigens Zebra, Nashorn und Pelikan.

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Herdprämien-Fail

Diese CDU hat Probleme: Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in eine Kita schicken, sollen ein Betreuungsgeld (Herdprämie)erhalten, weil die Abschiebe-Eltern einen totalen Vorteil haben, da sie die Betreuungskosten steuerlich geltend machen können.

Der Koalitionspartner FDP hat dazu keine Lust – und agiert damit ausnahmsweise einmal korrekt. Da man nicht schon wieder die frische Koalition belasten möchte, zeigen sich die Christdemokraten kompromissbereit. Die Zuwendungen sollen in schweren Fällen – Familie ist beim Jugendamt einschlägig bekannt – in Form von Gutscheinen erfolgen. In unbedenklichen Fällen soll das Geld direkt ausbezahlt werden. So einen Schwachsinn, der politisch denkenden Hirnen entspringt, muss man erstmal verdauen – da kann einem schon schwindlig werden.

Auf der einen Seite hat man erkannt, dass es durchaus Sinn macht, die Kinder früh in ein integriertes Bildungssystem einzuschleusen. Auf der anderen Seite will man den vermeintlich bestraften Eltern eine Belohnung dafür geben, dass sie ihre Kinder diesem Bildungssystem vorenthalten.

Wie löst man dieses Dilemma? Man schafft ein bürokratisches Konstrukt, das in jedem Fall mehr kostet als es bringt. Liebe Politiker in Berlin: Steckt die Kohle lieber in das Bildungswesen. Die Schulen brauchen mehr Geld, der Lehrerberuf muss wieder attraktiver werden, die Klassen müssen kleiner werden, mehr Männer müssen als Erzieher in die Kitas und als Lehrer in die Grundschulen. Das sind die drängenden Probleme. Hohles Gelderverschieben bringt da gar nichts. Nachhaltigkeit gibt es in der Politik in der Regel nur in Sonntagsreden -schade. Vielleicht sollten die Partner der verantwortlichen Politiker ein Betreuungsgeld dafür erhalten, dass sie letztere nicht auf die politische Bühne lassen und in der Küche einsperren.

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Impfstimmung

Heute waren wir zur familiären Massenimpfung in Sachen Neue Grippe bzw. Schweinegrippe bei unserer Kinderärztin. Eines vorweg: Nebenwirkungen, außer einem leichten Schmerz an der Einstichstelle, spüre ich noch nicht.

Ich persönlich glaube ja, dass die Schweinegrippe in ihrer existierenden Form nicht gefährlicher ist als die saisonale Grippe, die jährlich in Deutschland 8000 bis 11000 Opfer fordert. Opfer sind in der Regel geschwächte Personen bzw. Personen mit erheblichen Vorerkrankungen. Dennoch haben wir uns impfen lassen.

Hauptgrund: Wir wollen eine Art Schutzschirm um Nora aufbauen. Babys unter sieben Monaten dürfen nicht geimpft werden. Es scheint aber tatsächlich so zu sein, dass Kinder eher an der Neuen Grippe erkranken als Erwachsene – wenn auch in der Regel der Verlauf leicht sein dürfte. Wenn Nora erkrankt, könnte es aber auch ein schlimmerer Verlauf sein. Zudem wird wohl in den Krankenhäusern im Akutfall Tamiflu verabreicht, was für kleine Kinder auch nicht geeignet ist. Da wollen wir alles tun, um dies zu verhindern. Die Impfung ist unser Beitrag.

Lächerlich ist die emotionale Diskussion, für die vor allem Impfgegner verantwortlich sind. Ihre Argumente halten fast nie wissenschaftlichen Kriterien stand. Sie zitieren Studien, die ihnen in den Kram passen. Die anderen werden verschwiegen. Tatsache dürfte sein, dass in der Regel kein direkter Zusammenhang zwischen einer Impfung und einer vermeintlichen Folgeerscheinung – von schweren Krankheiten bis hin zum Tod – hergestellt werden kann. Das dürfte bei aller Unerforschtheit der Schweingrippe-Impfstoffe auch für diese gelten.

Gleichwohl muss man die Risiken abwägen, keine Frage. Eine Impfung ist ein Eingriff in die Prozesse des Körpers, wie eine Medikation. Aber sind es nicht die gleichen Leute, die die Zähne voller Quecksilber haben, die dem Laster Rauchen frönen, die sich mit Nahrungsergänzungsmitteln vollstopfen, die beim 1-Euro-Shop um die Ecke Kinderspielzeug kaufen und und und, die mit ihrem Halbwissen vor den Nebenwirkungen einer Impfung – und in diesem Fall der Impfung gegen die Neue Grippe – warnen?

Die Medien spielen in einer solchen Situation eine wichtige Rolle – ihrer Verantwortung werden sie leider systemimmanent nicht gerecht. Die Bild titelte heute halbseitig: Kind (1) stirbt nach Impfung. Im Kleingedruckten und im Internet kann man lesen, dass es an einem angeborenen Herz-Lungen-Fehler litt. In einer emotional aufgeladenen Gesellschaft kann eine solche Berichterstattung Hysterie auslösen.

Leider wird mit der steigenden Zahl der Geimpften auch die Zahl der Gestorbenen steigen, deren Ableben in Zusammenhang mit der Impfung gebracht werden. Klar, ließen sich alle Deutschen impfen, könnte theoretisch jeder Tote in Zusammenhang mit der Impfung gebracht werden. Das ist natürlich Schwachsinn – aber es laufen eben nicht nur Statistiker durch die Gegend, die von solchen Effekten wissen.

Außer unserem sehr persönlichen Motiv spricht noch etwas anderes für eine Impfung, selbst wenn man bei ihr von einem gewissen Risiko ausgeht. Dem Virus muss der Gar ausgemacht werden. Nur wenn wir als Wirt das Virus weitergeben, geraten Risikogruppen wirklich in Gefahr. Das hat etwas von sozialem Denken – dafür sind wir aber vielleicht zu individualisiert. Zudem würde eine rasche Ausrottung des Virus sein Mutieren zu einem vielleicht viel gefährlicheren Erreger verhindern helfen. Kann man ja einmal drüber nachdenken.

Unterm Strich bleibt es natürlich aber eine persönliche Entscheidung. Jene, die bislang nicht gar nicht wussten, dass sie Impfgegner sind, nun aber andere maßregeln und am Impfenlassen hindern wollen, sollten dies aber auch in angemessener Weise beherzigen.

PS: Eine Rundmail bezüglich des Golfkriegssyndroms als Folge der Impfung hat übrigens ihren Ursprung in der Praxis einer Privatärztin in Frankfurt. Ich will hier niemanden denunzieren. Auf der Website dieser Frau kann man auf jeden Fall lesen, dass die richtige Ernährung hilft, Aids zu bekämpfen.

Ach ja: Natürlich hoffe ich, dass dieser Beitrag zur Versachlichung des Ganzen beiträgt. Die herkömmlichen Medien sind in vielen Fällen nicht in der Lage dazu, glaube ich.

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Von Ziegen und Ziegen

In unserer Familie fließt auch oberschlesisches Blut. Wenn man unterwegs ist und auf der Straße Leute reden hört, die zwischen einem „Ü“ und einem langen „IE“ nicht so recht unterscheiden können, dann könnte es sich um polnische Aussiedler handeln.

Meine Frau war mal wieder zu Fuß in Begleitung von acht Rädern in Bickenbach unterwegs. Wir haben da so unsere Runden. Sie hat sich für eine große Runde entschieden, um vor allem den Jungs ausreichend Bewegung zu verschaffen. Höhepunkte gibt es viele auf diesen Runden.

Ein Highlight ist der Bahnhof mit den meist durchfahrenden Zügen. Dort waren sie ganz zu Anfang. Wieder auf dem Weg Richtung Ortsmitte, sagte Tom: „Ich will zu die Ziegen!“ Da dachte meine Frau: „Bei den Zügen waren wir doch gerade!“ Kurz darauf fiel ihr ein, das Tom vielleicht oberschlesisches Blut in den Adern hat – aber noch lange nicht so reden muss. Er meinte natürlich echte Ziegen beim echten Bauern.

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Der erste Abend zu viert

Nach gut zehn Wochen war es nun endlich so weit: Der Papa war wenige Stunden abends allein mit den drei Kindern. Tagsüber ist das viel weniger ein Problem. Aber abends…

Der Knackpunkt ist das Ins-Bett-Bringen. Da muss alles stimmen. Und irgendwie merken die Kinder dann auch, dass es auf ihre Kooperationsbereitschaft ankommt. Die Phase mit Ausziehen, Zähneputzen und ins Bett gehen hat Nora denn auch still gehalten. Sie war zwar nach einem kurzen Schlaf – auch das hat gepasst – wach, hat sich aber nicht lautstark in den Vordergrund gespielt.

Während sie schlief haben wir übrigens Videospiele gedaddelt. „Mario Cart Double Dash“ und „Der verrückte Bauernhof“ auf dem Gamecube. Tom ist größtenteils noch passiv, Marc kann schon recht gut mit den kleinen Rennwagen auf dem Bildschirm umgehen. Ich finde es wichtig, dass die Kinder Medienkompetenz erwerben. Das ist die Aufgabe der Eltern. Entsprechend ermöglichen wir ihnen den Umgang damit. Das hilft ihnen auch, sich gegenüber den Freunden zu behaupten, die noch viel tiefer in der Videospiel- und Fernsehwelt feststecken. Das nur am Rande (wird sicher noch intensiver zum Thema werden).

Während ich also mit der Kuh über den Bauernhof lief, lag Nora auf meinen Armen und spürte die Bewegungen, die auch auf dem Controller mit meinen Fingern vollführte. Das scheint ihr gefallen zu haben.

Als die Jungs jedoch im Bett waren, gab es kein Halten mehr. Geschrei pur. Ich befürchtete schon, dass sie wieder heiser werden würde. Als dann die Mama wieder kam, aber eigentlich auch schon kurz vorher, hat sie sich kurzzeitig wieder beruhigt. Aber auch bei Mama zeigte sie dann nochmals, was in ihr steckt. Die Nacht war dann übrigens einigermaßen in Ordnung. Ich bin um 22 Uhr fertig in mein Bett gesunken.

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Vom Schwächling zum Liebenden

Gerald Hüther ist ein herausragendes Buch gelungen. Der Neurobiologe beschreibt in dem Buch „Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“ den Transformationsprozesse zum Mann. er macht deutlich, dass es nicht das Geschlechtsteil ist, was den Mann zum Mann macht. Vielmehr ist es das Gehirn, das wesentlich zum Mannsein führt.

Er räumt mit dem Mythos auf, das genetisch festgelegt ist, was für ein Mann ein Mann wird. Genetisch festgelegt ist das Geschlecht – und dann fängt die Arbeit des Umfeldes und des Subjektes selbst an. Wichtig ist der letzte Punkt. An einer Stelle im Buch heißt es: „Als Mann wird man nicht geboren und zum Mann wird man auch nicht gemacht.“ Die Mannwerdung ist eine Selbstkonstruktion, so wie eine Stufe vorher auch das Hirn sich selbst konstruiert.

Das Buch ist eine lohnende Lektüre für alle. Besonders interessant ist es aber vor allem für Väter von Jungen. Sie verstehen nach und nach, wie wichtig es ist, ein authentischer, liebender Vater zu sein, damit aus dem schwachen Geschlecht – aus Hüthers Sicht ist dieser Tatbestand auf das ungleiche 23 Chromosomenpaar zurückzuführen (Dem Mann fehlt hier ein Ersatzrad, wie Hüther schreibt) – ein genauso authentischer und liebender Mann werden kann. Nach dem Lesen dieses Buches kann niemand mehr sagen: „Es ist eben wie es ist.“ Für Frauen ist es ebenso interessant, versucht es doch das Herauszuarbeiten, was einen Mann ausmacht.

Im ersten Teil des Werkes geht es um die Natur des Männlichen. Erfrischend lakonisch wird Hüther gelegentlich, wenn er seine Beispiele aus der Welt der Einzeller und Tiere ausführt. Hier geht es sehr biologisch zu. Selten aber habe ich ein wissenschaftliches Buch gelesen, das derart lesbar ist. Das gibt es sonst leider nur im anglo-amerikanische Raum. Im Logbuch der männlichen Kursbestimmung hält er die Merksätze fest, die den unauthentischen Mann auf den Boden der Tatsachen zurück befördern.

Im zweiten Teil schildert den Prozess der Mannwerdung in zwölf Stationen. Er schreitet den Weg von der Zeugung bis zum Tod ab. Der Mann hat aus Sicht von Hüther mehr Antrieb und weniger Stabilität als die Frau. Das macht ihn anfällig für die Wahl falscher Vorbilder. Er bewegt sich auf einem schmalen Grad. Schon das Kleinkind braucht Orientierung, die ihm als Vorbild ein authentischer Mann als Vater gibt, der den kleinen Mann so annimmt wie er ist und ihm Freiräume lässt. Die beiden letzten Punkte sollten idealerweise auch die Mütter beherzigen.

Hüther schreibt in seinen Nachbemerkungen, das Verliebtheit ein Gefühl, Liebe jedoch eine aus der Verliebtheit geformte Haltung ist. Diese gilt es, der Partnerin und seinen Kindern entgegenzubringen. Dann findet der Mann sich in der Rolle, in der er völlig ausgeglichen sein sollte. Eine Verdrängung durch übertriebenes Engagement im Job beispielsweise steht dem entgegen. Wer also will, dass seine Kinder die Chance haben, auf den richtigen Lebensweg einzuschwenken, sollte hier ganz genau sein Verhalten abwägen.

Gerald Hüthers „Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“, Vandenhoeck & Rupprecht erhält von mir 10 von 10 Punkten. Um die Erkenntnisse zu verankern und ein noch authentischerer Mann zu werden, werde ich das Buch auch sicher noch einmal und noch einmal lesen.

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