Date02/11/2009

Neue Vorbilder für Jungs

Hirnforscher Gerald Hüther hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview gegeben, in dem er wunderbar unemotional fordert, das Jungs wieder bessere Vorbilder brauchen, um endlich den Nimbus ablegen zu können, prinzipiell aggressiver und gewaltbereiter zu sein als Mädchen.

Er schildert ganz klar, wie die unzweifelhaft vorhandene Disposition durch gesellschaftliche Faktoren verstärkt wird. Auch er ist der Meinung, dass das Land neue Väter braucht. Väter, die in der Familie präsent sind und nicht durch unter anderem Job bedingte Abwesenheit glänzen.

Es ist ja tatsächlich so, dass zahlreiche Gewaltexzesse von Heranwachsenden aus so genannt „gutem Hause“ stammen. Das Staunen ist immer wieder groß: „Ausgerechnte diese Familie!“ In einem all zu guten Hause hat der Papa irgendeinen Karrierejob und ist oftmals in den eigenen vier Wänden abwesend. Unter dem Strich kann das der Psyche des Nachwuchses ziemlich schaden – und schließlich auch der Gesellschaft.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Jungs brauchen auch Vorbilder in Kindergärten und Grundschulen. Mehr Männer müssten auch hier präsent sein. Mit einem Quäntchen Glück findet man im Sportverein einen Übungsleiter oder Trainer, der eine solche Funktion übernimmt. Daher ist es – bei aller Skepsis, die die Eltern vielleicht haben – gar nicht so schlecht, wenn Jungs früh beginnen Fußball zu spielen oder eben eine andere (Mannschafts-)Sportart ausüben.

Hüther sagt, Jungs „brauchen stabile Bindungen und Aufgaben, an denen sie wachsen können“. Männer sind für ihn das genetisch bedingte schwache Geschlecht. Daher ist die Gefahr bei ihnen größer, sich falsche Vorbilder für ihr eigenes Tun zu suchen und diese Verhaltensmuster tief in ihrem Gehirn zu verankern.

Es mangelt aus Hüthers Sicht an authentischen Männern, für die Denken, Fühlen und Handeln eine Einheit sind. Selbstreflexion und die Beschäftigung mit sich selbst sind die Schlüssel, um das Ziel zu erreichen. Er sagt, dass Jungs Männer um sich herum brauchen, die selbst gerne Mann sind. Da ist ganz besonders der Vater gefragt.

Am Ende des Textes steht noch der Hinweis für das neue Buch von Hüther. „Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“, erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht, 16,90 Euro. Sicher eine lohnende Lektüre.

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Aldi-Dialog 1

Samstag ist natürlich immer großer Einkauf-Tag. Zu einer unmöglichen Zeit – gegen Mittag, es war die Hölle los – waren Marc und ich dann auch Schlangensteher in einem Aldi-Markt.

Als wie die Kasse passiert hatten, stellte sich Marc kurz vor das Display mit den Prospekten. Zielsicher griff er eines davon heraus und warf es, ohne es irgendwie weiter zu betrachten, in den Einkaufswagen. Wenige Sekunden später fragte er ganz ernst: „Du, Papa, warum sind die Zeitschriften hier immer so billig?“

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