MonthFebruar 2010

Mit Nora bei Xynthia

Der erste Frühjahrsspaziergang in Noras Leben hatte es gleich in sich. Xynthia hat sich während unserer kleinen Wanderung in der Bickenbacher Gemarkung immer stärker bemerkbar gemacht. Nach zwei Stunden war ich froh, dass ich wieder zu Hause war – und der Kinderwagen noch immer bei mir.

Als ich gegen 11 Uhr den Marsch begonnen hatte, war noch alles in Ordnung. Ich dachte mir, dass die große Runde rund um den Bickenbacher Erlensee gerade richtig sein sollte. Auf dem Weg begegnet man nicht gerade großen Naturschönheiten – am See selbst wirkt die Natur gerade so früh im Jahr sehr wild und eigensinnig.

Bevor man allerdings zu Fuß in der Wildnis ankommt, führt der Weg am Bahnhof von Bickenbach vorbei in das Gewerbegebiet westlich der Bahn. Das ist dann eher eine ätzende Gegend. Der dramatisch anmutende Himmel ist hier heute mit großem Abstand das attraktivste Element gewesen. Schon auf dem Fußgängerweg neben der Bickenbacher Umgehungsstraße zeigte sich, dass der Kinderwagen nur wenig meiner Schubkraft brauchte. Ein kleines Segel – und er wäre automatisch in die korrekte Richtung bewegt worden.

Von bickenbach

Den Höhepunkt der Hässlichkeit erreicht man an derAutobahnunterführung. Das Geläuf war dort zudem besonders tief. Dahinter dann öffnet sich der Weg über die Felder. Linkerhand wird Rasen gezüchtet, der beispielsweise auch als Rollrasen schon den Weg in die Commerzbank-Arena in Frankfurt schaffte.

Von bickenbach

Hinter eine Schranke geht es dann auf den Erlensee zu, einen ehmaligen Baggersee, der vom hiesigen Angelsportverein genutzt wird. Es gibt auch einen Familienstrand – Baden wird geduldet. Im Sommer räkeln sich FKK-Anhänger auf den übrigen Uferabschnitten.

Von bickenbach

Der Wind hat zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich zugelegt, was die Wildheit der Gegend vor allem akustisch unterstützte. Die Geräusche in den Baumwipfeln waren infernalisch. Wenn sich der Wind legte, hörte man das nervöse Schreien der Wildgänse. Auf der Insel im See hat sich eine erkleckliche Population angesiedelt. Deren Kot ist dafür mitverantwortlich, dass das Algenwachstum in warmen Sommern dramatisch steigt. Dann wird regelmäßig empfohlen, das Baden besser zu lassen.

Vom Badestrand aus hat man einen schönen Blick auf den ersten Kamm des Odenwalds. Am Angelufer haben sich Fischfänger zum Arbeitseinsatz verabredet. Ob sie allerdings weit gekommen sind, wage ich zu bezweifeln. Einige spazierengehende Pärchen habe ich zudem getroffen.

Von bickenbach

Als meine Runde um den See beendet war, habe ich mich für einen alternativen Rückweg über das Feld entschieden. Dort ist der Wind dann schon so stark gewesen, dass Nora wach wurde und mich mit großen Augen angeschaut hat. Zum Glück konnte ich den Kinderwagen stabil am Boden halten.

Von bickenbach

Wieder im Dorf, wurde es wirklich langsam unangenehm. Meine Augen waren klein und rot – Haselpollen-Frontalangriff. Den Rest des Tages haben wir dann zu Hause verbracht. Den Nachbarn gingen Ziegel flöten. Ein Auto wurde von herabfallenden Ziegeln demoliert. Die Ortsdurchfaht von Bickenbach war gesperrt.

Das war ein wilder Tag mit Nora bei Xynthia. Das vergesse ich nicht.

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Die Zeit erzieht

Im Zeit-Magazin dieser Woche wird ein interessantes Projekt versucht. Autoren der Zeit, die auch Eltern sind, beantworten Erziehungsfragen. Sie „antworten auf 55 Fragen der Erziehung“. Untertitel: „Unser Elternknigge in diesem Heft“. Flankiert wird das Ganze von einem Interview mit dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, dessen Buch „Das kompetente Kind“ auch bei uns als Erziehungsratgeber bekannt und auch ganz beliebt ist.

Tatsächlich ist Juul ein Provokateur, der ganz genau weiß, dass seine Ansichten und Meinungen nicht nur auf vorbehaltlose Zustimmung treffen. Bei manch einer Aussage muss „modernen“ Eltern der Atem stocken. Man hat das gefühl, er setzt seine Nadelstiche ganz gezielt. So beobachtet man sich bei der Lektüre dabei, wie sich heftigste Ablehnung in einem aufbaut. Wenn der erste Schock verdaut ist, fängt man dann doch mit dem Denken an. Man hinterfragt sein Tun und seine Einstellungen.

Ein paar interessante Zitate und Aussagen diesmal:

Auf die Frage: „Was ist daran so schlimm, ein Kind in die Krippe zu geben?“ sagt Juul:“Dänische Forschungen haben ergeben, dass es bis zum Alter von zwei Jahren tatsächlich bei 15 bis 20% der Kinder schädlich für das Gehirn der Kinder ist – der Stress der Trennungsangst greift es an.“

„Auch Belohnung, die postmoderne Version von Bestrafung, sollte man verbannen.“

„Lob schüttet Lusthormone aus, und danach werden Kinder süchtig.“

„Wenn man ein Kind will, das einfach nur funktioniert, ohne nachzudenken, ist Lob eine praktische Sache.“

„Seid nicht so perfektionistisch. Bis man wirklich gut ist im Erziehen, muss man mindestens vier Kinder haben.“

Auch bei der Lektüre des Buches „Das kompetente Kind“ ging es mir so ähnlich wie nach dem Lesen dieses Interviews. Mir fehlten die Handlungsanweisungen, wie ich es denn nun besser oder richtig machen kann. Juul laviert sich ein wenig um Konkretes herum. Allerdings könnte auch das zu seiner Masche gehören. Unter dem Strich ist klar, dass Juul authentische Eltern will, die den Kindern Vorbild sind. Und: Man darf Fehler machen, nur sollten diese nicht zum System werden. Wenn man das irgendwie umsetzt, dann sollte auch die richtige Bahn erreichbar sein.

Die 55 Fragen auf Erziehungsfragen lesen sich übrigens sehr unterhaltsam. Das Ganze erinnert mich ein wenig an das großartige US-Magazin Wired und die Rubrik „Mr. Know it all“. Das Zeit-Magazin ist (bis auf die Würdigung Johannes B. Kerners mit einem langen Interview) mit seinem Schwerpunktthema rundum gelungen. Danke dafür.

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Nicht ganz appetitlich

Heute hätte ich einmal etwas nicht ganz so Appetitliches. Wer etwas empfindlich ist, sollte vielleicht besser nicht weiterlesen.

Neulich ist Marc ein kleines Missgeschick passiert. Er war konzentriert mit Fernsehen beschäftigt. Das ist genau wie beim konzenrierten Spielen: Die körperlichen Bedürfnisse rücken da schon einmal in den Hintergrund. Also ist er nicht schnell genug zur Toilette gekommen. Hose runter – und schon geht es los. Nicht in die Keramik hinein, sondern schön davor, auf die Fliesen. Das ist ärgerlich, kann aber passieren.

Das Besondere und Delikate: Einige Tage davor habe ich meine Sachen wie Zahnbürste und Rasierer in eine Kunststoffkiste gepackt, weil ein Handwerker im Gästebad war, um dort etwas zu reparieren. Natürlich stand die Kiste am Boden, ohne Deckel und natürlich ganz in der Nähe der Toilette. Die Box ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, war erstmal Reinigen angesagt. Das ging auch ganz gut. Es musste eigentlich nichts vernichtet werden. Passiert halt.

Heute morgen allerdings habe ich den Fön in die Hand genommen. Auch er war betroffen. Durch die Hitzeentwicklung hat sich denn doch noch einmal ein sehr unangenehmer Geruch im halben Haus verbreitet. Meine Frau war sich nicht ganz sicher, ob es Auswirkungen auf meine Haare gab. Zumindest haben die Menschen  keinen Bogen um mich herum gemacht

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Fastnacht, eine ernste Sache

Kinder diskutieren in der Zeit vor Fastnacht gern darüber, in welcher Verkleidung sie an den tollen Tagen durch die Gegend marschieren wollen. Als Folge solcher Diskussionen sollen schon Freundschaften im Kindergartenalter auf immer und ewig aufgekündigt worden sein.

Marc hat sich diesmal als Sohn eines Videospielefans für den Klempner Mario entschieden. Eigentlich eine ganz lustige Wahl. Einer seiner besseren Kumpel hat diesen Plan mit der besserwisserischen Aussage „So eine Verkleidung gibt es doch gar nicht.“ Marc war verzweifelt. Wir konnten ihm zigmal sagen, dass es natürlich jede Verkleidung gibt – manche gibt es eben nicht zu kaufen, dann muss man sie eben selber machen.

Und tatsächlich: Einige Kinder denken, nur weil es entsprechende Masken nicht im Kaufhaus gibt, existieren auch die entsprechenden Verkleidungen nicht. In Wirklichkeit ist eben manchmal Kreativität und Einsatz gefragt.

Selbst heute, als Mario verkleidet, hat Marc noch befürchtet, dass man ihm sagen werde, eine solche Verkleidung gebe es doch gar nicht. Die Unbeschwertheit ist wie weggeblasen. Der ach so lustige Karneval, eine ernste Sache.

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Technik für den Spielzeugladen

Das ist eine wirklich interessante Anwendung von Augmented Reality für einen Spielwareladen. Mir gefällt so etwas ja immer recht gut. Ich bin aber auch ein Geek (andere sagen Nerd).

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Auf dem Hexenbesen nach Speyer

Endlich waren wir wieder einmal unterwegs. Ich konnte mir gestern nicht verkneifen, die Frage zu stellen, wann wir eigentlich das letzte Mal zu fünft im Auto unterwegs gewesen sind. Niemand konnte sich mehr so recht erinnern.

Wir sind vor dem Grau draußen in die Düsternis und Mythenwelt hinabgestiegen. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wir haben uns gestern nämlich die Familien-Mitmach-Ausstellung „Hexen – Krötenschleim und Spinnenbein“ im Historischen Museum der Pfalz Speyer angeschaut. Und: Es war großartig.

Wir sind am Nachmittag kurz vor 15 Uhr angekommen und mussten uns tatsächlich in eine Schlange stellen, die erst 15 Meter vor der Eingangstür endete. So war für den Ansteher – mich – erstmal Frieren angesagt. Die Wartezeit war aber insgesamt erträglich.

Das Museum in Speyer ist wirklich für seine herausragenden Ausstellung bekannt – trotzdem waren wir erstmals dort. Neben festen Abteilungen finden häufig mehrere zeitlich begrenzte Ausstellung nebeneinander statt. Wir haben uns rein auf das Kinderprogramm beschränkt.

Das ist auch absolut ausreichend – für allem für die Kids. Tom ist mit großen Augen in den Ausstellungsbereich gegangen. Alles so düster und gleich zu Anfang eine coole Spinnen-Projektion. Warum Kinder nur immer alles kriechende Getier mit ihrer Fußsohle zur Strecken bringen wollen?

Zwei Ecken weiter eröffnet sich dem Besucher dann die wunderbare Welt der Hexenkunst und Zauberei. Die Kinder dürfen alles anfassen. Es gibt wahnsinnig viel zu sehen und zu entdecken. So kommuniziert das mit einer leuchtenden Glaskugel symbolisierten Orakel direkt mit den Kindern. Mit dem Reiben der Wunderlampe erscheint der Geist als Projektion an der Wand und sagt „Wünsch dir was!“

Einiges ist unheimlich – richtig schockierend ist nichts. Empfohlen wird die Ausstellung für Kinder von 4 bis 10 Jahren. Neben dem Begreifen und Erfahren kommt auch das Bewegen und oben nicht zu kurz. In einem authentisch eingerichteten Hexenhaus mit furchtbar knarrender Tür bleibt genug Raum zum Spielen. Davor befindet sich eine Malstation. Highlight sind zwei Minitrampolins, vor denen Kameras installiert sind. Die Kinder sehen sich hüpfend auf einer Leinwand. Die Bilder werden aber nicht original sondern verlangsamt oder beschleunigt abgespielt, was für viel Spaß bei allen Beteiligten und Zuschauer sorgt.

Die Ausstellung ist uneingeschränkt empfehlenswert. Bis zum 2. Mai können die Besucher noch in die Welt von Hexen und Zauberern eintauchen. Kinder unter sechs Jahren kommen kostenlos rein. Erwachsene müssen 8 Euro, Kinder ab sechs Jahren 6 Euro bezahlen.

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