Der erste Frühjahrsspaziergang in Noras Leben hatte es gleich in sich. Xynthia hat sich während unserer kleinen Wanderung in der Bickenbacher Gemarkung immer stärker bemerkbar gemacht. Nach zwei Stunden war ich froh, dass ich wieder zu Hause war – und der Kinderwagen noch immer bei mir.

Als ich gegen 11 Uhr den Marsch begonnen hatte, war noch alles in Ordnung. Ich dachte mir, dass die große Runde rund um den Bickenbacher Erlensee gerade richtig sein sollte. Auf dem Weg begegnet man nicht gerade großen Naturschönheiten – am See selbst wirkt die Natur gerade so früh im Jahr sehr wild und eigensinnig.

Bevor man allerdings zu Fuß in der Wildnis ankommt, führt der Weg am Bahnhof von Bickenbach vorbei in das Gewerbegebiet westlich der Bahn. Das ist dann eher eine ätzende Gegend. Der dramatisch anmutende Himmel ist hier heute mit großem Abstand das attraktivste Element gewesen. Schon auf dem Fußgängerweg neben der Bickenbacher Umgehungsstraße zeigte sich, dass der Kinderwagen nur wenig meiner Schubkraft brauchte. Ein kleines Segel – und er wäre automatisch in die korrekte Richtung bewegt worden.

Von bickenbach

Den Höhepunkt der Hässlichkeit erreicht man an derAutobahnunterführung. Das Geläuf war dort zudem besonders tief. Dahinter dann öffnet sich der Weg über die Felder. Linkerhand wird Rasen gezüchtet, der beispielsweise auch als Rollrasen schon den Weg in die Commerzbank-Arena in Frankfurt schaffte.

Von bickenbach

Hinter eine Schranke geht es dann auf den Erlensee zu, einen ehmaligen Baggersee, der vom hiesigen Angelsportverein genutzt wird. Es gibt auch einen Familienstrand – Baden wird geduldet. Im Sommer räkeln sich FKK-Anhänger auf den übrigen Uferabschnitten.

Von bickenbach

Der Wind hat zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich zugelegt, was die Wildheit der Gegend vor allem akustisch unterstützte. Die Geräusche in den Baumwipfeln waren infernalisch. Wenn sich der Wind legte, hörte man das nervöse Schreien der Wildgänse. Auf der Insel im See hat sich eine erkleckliche Population angesiedelt. Deren Kot ist dafür mitverantwortlich, dass das Algenwachstum in warmen Sommern dramatisch steigt. Dann wird regelmäßig empfohlen, das Baden besser zu lassen.

Vom Badestrand aus hat man einen schönen Blick auf den ersten Kamm des Odenwalds. Am Angelufer haben sich Fischfänger zum Arbeitseinsatz verabredet. Ob sie allerdings weit gekommen sind, wage ich zu bezweifeln. Einige spazierengehende Pärchen habe ich zudem getroffen.

Von bickenbach

Als meine Runde um den See beendet war, habe ich mich für einen alternativen Rückweg über das Feld entschieden. Dort ist der Wind dann schon so stark gewesen, dass Nora wach wurde und mich mit großen Augen angeschaut hat. Zum Glück konnte ich den Kinderwagen stabil am Boden halten.

Von bickenbach

Wieder im Dorf, wurde es wirklich langsam unangenehm. Meine Augen waren klein und rot – Haselpollen-Frontalangriff. Den Rest des Tages haben wir dann zu Hause verbracht. Den Nachbarn gingen Ziegel flöten. Ein Auto wurde von herabfallenden Ziegeln demoliert. Die Ortsdurchfaht von Bickenbach war gesperrt.

Das war ein wilder Tag mit Nora bei Xynthia. Das vergesse ich nicht.

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