MonthApril 2010

Musik-Telegramm

Diesmal hat mir Marc ein Telegramm geschickt. Es ist schon sehr interessant, seine Kinder beim Großwerden zu begleiten. Um harte musikalische Töne kommt keines der Kinder herum, wenn es bei mir im Haushalt lebt oder mit mir Auto fährt. Meistens gefällt ihnen das Vorgesetzte, so lange sie klein genug sind. Intuitiver Geschmack hat etwas mit Gewohnheiten zu tun. Neulich aber manifestierte sich Marcs musikalische Emanzipation erstmals ganz deutlich – in einer völlig unvermittelt über mich hereinbrechende Aussage.

„Du Papa, ich höre jetzt nicht mehr so gerne Hardrock!“

Das ist schade, aber natürlich auch in Ordnung.

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Zahnlos am Fußballplatz

Die Überschrift deutet auf brutales Geschehen auf dem grünen Rasen hin. Keine Sorge: Darum geht es nicht. Die Ereignisse, die hier geschildert werden, haben mit Körperkontakt nichts zu tun.

Es geht um Zähne. Ich merke im Moment ganz besonders, dass Zähne ein Symbol für Vergänglichkeit sind. Es heißt ja, wer von Zähnen träumt, muss irgendwie in Kontakt mit Tod und Verderben kommen. So langsam verstehe ich, warum es wohl tatsächlich einen Zusammenhang gibt.

Da ist zum einen Nora, die immerhin schon zwei Zähne hat und mit einer Reihe weiterer kämpft. Bekommt ein Baby Zähne, ist es irgendwie kein richtiges Baby mehr. Die Eltern realisieren: Die Babyzeit ist vorbei, passé. Das kommt so nicht wieder (außer man bekommt noch ein Baby). Wenn dann beim größeren Kleinkind die Milchzähne ausfallen, ist die nächste Stufe erreicht. Die Lücke führt es einem vor Augen: Hier ist jemand, der ist auf dem besten Weg, sein eigenes Leben zu führen. Nicht umsonst wird ein Zusammenhang zwischen dem Verlust der Milchzähne und der Schulreife hergestellt.

Marc hat schon zwei zweite Zähne, seit gut einem Jahr. Er war noch kein 5 Jahre alt, als er seine ersten Zähne verlor. Er ist ein Frühzahner. Ich habe mich an dieser Stelle diesem Thema schon einmal gewidmet. Seit einigen Wochen hat nun auch der erste Schneidezahn oben Anstalten gemacht, seinen angestammten Platz verlassen zu wollen. Das Gewackel wurde stärker, am Mittwoch nun hat dann auch Marc seine vielleicht erste Vergänglichkeitserfahrung gemacht.

Die heiße Phase begann damit, dass Marc nicht mehr wirklich im Stande war, Nudeln mit Hackfleischsoße zu essen. Das Zahnfleisch hat schon leicht geblutet. Da hat es ihn umgehauen. Er musste sich erstmal hinlegen. Meine Frau hat Joghurt organisiert – nach einer kurzen Ruhepause hat er sich dann sich an die Tomatensoße getraut.

Später am Tag stand dann Fußballtraining auf dem Plan. Als ich nach Hause kam, hat er mir die Geschichte persönlich erzählt, wie sein Zahn ausfiel.

Er hat gesagt. „Mein Zahn ist beim Fußball ausgefallen.“ Er wirkte bereits sehr gefasst, als er auf seine Zahnlücke zeigte. Ich: „Hast Du den?“ Marc: „Der Zahn ist auf den Rasen gefallen.“ Ich: „Hast Du den Zahn?“ Marc: „Der Zahn hat ganz doll gewackelt, dann ist er auf den Rasen gefallen.“ Ich: „Hast Du den Zahn?“ Marc: „Ja. Er lag auf dem Boden.“ Ich: „Du hast ihn also aufgehoben?“ Marc: „Nein, als der Zahn ausgefallen ist, habe ich erstmal geweint.“ Ich: „Und wo ist der Zahn.“ Marc. „Den hat die Mama.“ Ich: „Hat der Wolfgang (Anm: der Trainer) den Zahn aufgehoben?“. Marc: „Ja.“

Also das mit dem Weinen kann ich echt gut verstehen. Trotzdem ganz schön tapfer.

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Ohne Fremdeinwirkung

Am Sonntag sah der Boden in unserem Wohnzimmer ganz kurz aus wie ein Boxring. Zugegeben, die Menge war gering – aber es war Blut.

Nora ist jetzt gut sieben Monate alt und wird langsam etwas mobiler. Das heißt nun, dass sie sich gerade einmal vom Rücken auf den Bauch drehen kann. In die andere Richtung klappt es noch nicht wirklich.

Nun hatte sie sich also in Bauchlage gebracht. Die Stützhaltung klappt schon ganz gut – aber irgendwann ist die Kraft verbraucht. Schwierig wird es auch, wenn sie mit einer Hand nach etwas greifen möchte.

Manchmal merkt man, dass sie gern mehr möchte, robben beispielsweise. Dann zappelt sie wild herum und die Kraft schwindet noch schneller. So rauschte also der vergleichsweise schwere Kopf mit der Nase voran, nachdem die Arme eingeknickt waren, mit hoher Geschwindigkeit zu Boden. Und unser Baby hat sich dabei doch tatsächlich die Nase blutig gehauen. Das ist den Jungs nie passiert.

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Namensfindung für’s Baby in spe: Arbeitstitel Spiderman

Parents Room. Fathers Welcome. Foto (c) S.Thomas / Pixelio

Parents Room. Fathers Welcome. Foto (c) S. Thomas / Pixelio

Mit dem Namen für ein Kind, das man erwartet, ist es ja so eine Sache. Auf keinen Fall, so lautet es im Volksmund, erzählt man vor der Geburt, wie das Kind heißen soll. Das bringe Unglück. (Ich muss mich dringend mal informieren, wie das mit den Konventionen ist und was alles Glück oder Unglück bringt…) Nichtsdestotrotz braucht man ja zumindest eines: Einen Arbeitstitel. Und dieser lautet bei uns Spiderman oder kurz als Kosename Spidy.

Warum wir unseren Erdenbürger in spe so nennen? Wir können ihn ja schlecht als „das Embryo“ oder „das Kind“ bezeichnen. Spidy braucht Vorbereitung, ist bei Ultraschall-Untersuchungen zu sehen und hat eine Identität – nur noch keine finale Benamung. Außerdem ist der aus Film und Fernsehen bekannte Spiderman cool, berühmt, angesehen und die Arbeitstitel unserer Freunde gefielen uns nicht: Wotan zum Beispiel.

Was aktuell „in“ ist: Das findet man superschnell im Netz unter der URL beliebte-vornamen.de. Schrecklich. Alle mega-kurz, fast alle beginnen mit „L“. Leon, Lucas, Jonas, Luca.

Die schönsten Vorschläge aus dem Bekanntenkreis, der unseren neuen Lebensabschnitt mit Schmunzeln begleitet: Luzifer, Horst, Manni, Johannes und Rabanus. Danke sehr.

Wir nähern uns derweil langsam und tapsend einem unserer Favoriten an. Wer weiß, vielleicht nennen wir Spiderman intern bald schon neu – nach außen wird er weiter Spidy heißen. Derweil plage ich mich mit der nächsten Frage: Man will ja vorbereitet sein. Aber wann fängt man damit an? Wir haben uns im ersten Step zwei schicke Kinderwägelchen aus dem Bekanntenkreis gesichert. Wann kümmert man sich denn um ein Bettchen, Klamotten, was braucht man sonst noch? Und wie schnell bekommt man das Equipment zusammen? Ich bin verunsichert. Hoffe auf Hilfe und habe mir daher gerade das Buch Wickelpedia bestellt. Der Untertitel verspricht: „Alles, was man(n) über’s Vater werden wissen muss. Ich bin gespannt.

Meine Vorfreude ist derweil gestiegen. Ich habe zwar in den vergangenen 14 Tagen so viele Storys über die Zeit nach der Geburt wie noch nie in meinem Leben gehört – und da waren vor allem Warnungen dabei – aber das schockt mich noch nicht. Dafür wird’s zwar realer aber immer noch nicht konkret vorstellbar. „Wir“ sind schwanger, wir sind in der 18. Woche, wir sind auf Namenssuche. Leo wird es nicht werden. Spidy nur temporär. Aber es gibt Fortschritte. Die sehen unsere Bekannten naturgegeben von außen am Babybauch – und die sehen auch wir. Wir lesen, führen Gespräche und diskutieren über ungelegte Eier: Die Erziehung zum Beispiel. Uneins sind wir uns übrigens noch über einen möglichen zweiten Namen. Und Vorschläge sind an dieser Stelle herzlich willkommen. Aber bitte nicht Luzifer, oder so’n Kappes 🙂

Foto (c) S. Thomas / Pixelio

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Raus ins Grüne

Von den Folgen der Winterstarre hatte ich bereits berichtet – an Karfreitag haben wir nun unsere Outdoor-Saison eröffnet. Wir haben uns ein Ziel im Odenwald ausgesucht. Eigentlich wollten wir eine kleinere Wanderung mit dem Ziel Burg Breuberg angehen. Es braucht ja immer eine gewisse Motivationsdosis, um die Buben zum Laufen zu bewegen.

Von landschaften und leben

Ich habe schließlich einen Naturpark-Parkplatz (in Odenwaldkarten wird er als Kellergrund bezeichnet) hinter Heubach (Ortsteil von Wiebelsbach-Heubach) ausgesucht. Dort habe ich festgestellt, dass wir die Burg Breuberg wahrscheinlich nicht erreichen werden. Marc ist ein guter Läufer, Tom schafft noch nicht so viele Kilometer. Also haben wir uns den Rundweg 11 ausgesucht. Fast 5 Kilometer bis zur Saustiege und Brunneneiche. Eine Quelle befindet sich an dieser Stelle auch. Zum Start gab ich die Parole aus:  „Heute suchen wir einmal ein Quelle, genauso wie  Piggeldy und Frederick.“ Das sollte es dann bezüglich der Motivation gewesen sein – hat aber ganz gut  funktioniert.

Von landschaften und leben

Vor allem aber auch deshalb, weil der Wald an sich einfach so viel zu bieten hat.  Auf Baumstämmen wird balanciert, unter alter Rinde kann man dem geschäftigen Treiben der Ameisen zusehen. Die Ringe der Baumstümpfe verraten, wie alt der gefällte Baum gewesen ist. Wenn man will, kann man auch Lieder singen und zwischendrin immer wieder die Aussicht auf Wald und Felder genießen.

Von landschaften und leben

Der Rundweg 11 führt den Wanderer um den Bachgrund des Pferdsbachs  herum. Auf der Westseite, unserem Rückweg, geht es am Waldrand entlang – das lässt es sich prima ein wenige Sonne tanken. Ebenfalls auf der Westseite kommt man einem kleinen flachen Weiher vorbei, auf dem man im Sommer sicher auch einiges Getier beobachten kann.

Höhepunkt ist aber die Brunneneiche an der Sausteige. Eine Bundsandsteinsäule erinnert daran, dass die Dorfbewohner ihre Schweine dort an Futterplätze getrieben haben (laut: Paul Ehrig, Wanderungen im Odenwald, Reba-Verlag, Darmstadt, 1979/1987, 2. Auflage). Die Brunneneiche soll zwischen 300 und 400 Jahren alt sein. So ähnlich steht es auch auf einem Informationsschild, das bei dem Naturdenkmal aufgestellt wurde. Dort, ungefähr auf halbem Weg, kann man auch eine ausgiebige Rast einlegen – falls nötig.

Von landschaften und leben

Insgesamt waren wir rund 90 Minuten unterwegs, reine Laufzeit. Auch mit dem Kinderwagen kommt man ganz gut durch. Es gibt nur kleinere Steigungen, die aber für niemanden ein größeres Problem darstellen sollten. Für einen Vormittagsausflug ist diese kleine Wanderung bestens geeignet. Auch für den Start in die Wandersaison ist die Tour optimal.

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Dialog am Mittag

Marc spielt mit ein Freundin auf der Straße. Ich stehe dabei, gebe ein paar Kommentare ab und Nora schläft im Kinderwagen.
Marc: „Papa, warum gehst Du nicht rein?“
Papa: „Die Nora schläft gerade so schön ruhig. Sie soll noch ein bisschen die frische Luft genießen. Ich sage auch nichts mehr.“
Marc: „Das ist auch besser so.“

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