Spätestens, wenn der Nachwuchs sich ankündigt, wird aus jedem Papa ein Fotograf und/oder Videofilmer (es macht Sinn, sich nicht erst nach dem ersten Schrei des Babys mit Fotoapparat und Videokamera auseinanderzusetzen). Die eigenen Kinder halten als Models her, ob sie wollen oder nicht. Es ist großartig, wenn man später die Bilder betrachten kann, die jeden Entwicklungsschritt festgehalten haben. Die Eltern verbinden mit dem fotografisch Fixierten ganz bestimmte Emotionen. Entsprechend kommt es gar nicht so sehr auf eine objektivierbare Qualität der Fotos an. Und das ist unter dem Strich auch völlig in Ordnung so.

Cover: Babys und Kinder fotografieren

Cover: Babys und Kinder fotografieren

Manch einem mag das „Knipsen“ irgendwann nicht mehr reichen. Meistens ergänzt man seine selbst fabrizierten Werke durch die von professionellen Fotografen. Allerdings packt gerade in der Zeit digitaler Fotografie immer mehr Papas und Mamas der Ehrgeiz, selber schön gestaltete und perfekt umgesetzte Fotos zu machen. Anregungen finden sich im Fotozeitschriften – und natürlich schier unendlich im Netz. Aber auch das gute, alte Buch kommt zu seinem Recht. Bei mitp ist jetzt ein Buch erschienen, das ambitionierten Hobby-Fotografen zahlreiche Tipps mit auf den Weg gibt. Jens Brüggemann und Leonie Ebbert haben mit „Babys und Kinder fotografieren – Tipps und Tricks für bezaubernde Fotos“ ein sehr schön gestaltetes und gut strukturiertes Werk auf den Markt gebracht.

Recht schnell wird deutlich, dass die Autoren sehr großen Wert auf herausragendes Equipment legen. Insofern wird der Kompaktkamerafan nicht mit allen Anregungen glücklich werden. Teure Bodys, hochwertige und lichtstarke Original-Objektive, die teuersten Reflektoren auf dem Markt, Studioblitzanlage nicht unter 1000 Euro: Das gehört offensichtlich dazu, wenn man Fotos der Qualität erzeugen will, wie sie in dem Buch großteils abgebildet sind. Die Fotos sind wirklich von herausragender Qualität. Da lässt sich einiges Abschauen – und doch wird man enttäuscht sein, wenn man die selben Ergebnisse mit seiner Einsteiger-Spiegelreflex mit Kit-Objektiv erzielen will.

Großes Augenmerk legen die Autoren auf das Thema Beleuchtung. Das ist natürlich der richtige Ansatz. Man lernt viel über Blitztechnik und den Einsatz von Reflektoren und Studioblitzanlage. Die Bildbeschreibung lässt in der Regel keine Frage offen. Die wesentlichen Einstellungen (Brennweite, Blende, Belichtungszeit und ISO) fehlen so gut wie nie. Skizzen, auf denen zu sehen ist, welche Hilfsmittel wie positioniert wurden und woher das vorhandene Licht kam, helfen, die Settings nachzubauen bzw. nachzustellen. Sehr vorbildlich.

Unter dem Strich lässt sich sagen, dass das Buch sehr gelungen ist. In die Hand nehmen darf und kann es wirklich jeder, der Spaß an Kinderfotos hat. Manch einem wird es allerdings eher als Bildband denn als Anleitung für die eigene Praxis dienen. Angesprochen ist der sehr ambitionierte Hobbyfotograf. Auch Profis, die über ein Studio verfügen, allerdings erst noch in das Geschäftsfeld der Kinderfotografie eindringen möchten, werden hier auch glücklich. Mir persönlich sind einige Passagen – vor allem in dem Kapitel 2.1. zu den Entwicklungsstadien des Kindes – zu laienhaft-entwicklungspsychologisch. Das mag daran liegen, dass ich ein bisschen Psychologie studiert und mittlerweile drei Kinder habe. Wem es jedoch ähnlich wie mir bei der Lektüre geht, blättert einfach drüber und schaut sich die Bilder an.

Auf einer Skala von 1 bis 10 bekommt das Buch „Babys und Kinder fotografieren“ von mir 8 Punkte.

Jens Brüggemann und Leonie Ebbert, Babys und Kinder fotografieren: Tipps und Tricks für bezaubernde Fotos, 2010, mitp, 204 Seiten, 29,95 Euro

Das Buch hat mir übrigens der Fotograf Michael Kirchner, Studio Omori, @omori_de im Rahmen einer Blogger-Aktion zur Verfügung gestellt.

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