Lieber Einzelhandel, leider kann ich Deine Umsätze mit Feuerwerkskörpern zu Silvester nicht steigern. Ich finde nichts sinnloser, als Kohle für diesen Zweck aus dem Fenster und auf die Straße zu werfen.

Böller sind ja etwas zutiefst Männliches, um das Ganze mal auf eine geschlechtsspezifische Ebene zu heben. Dennoch geht diese ganze Ballerei und das Abschießen zweifelhafter Raketen mit noch zweifelhafteren Effekten total an mir vorbei.

Zudem: Für kleine Kinder ist das Gebombe für Arme nicht wirklich ein Spaß. Wir handhaben Silvester wie jeden anderen Tag. Die Kinder gehen um 20 Uhr, vielleicht euch ein wenig später (es sind ja Ferien), ins Bett. Und dann hoffen wir, dass das Geballer nicht allzu heftig ausfällt und die Kinder so tief schlummern, dass sie die ersten Minuten und vielleicht Stunden des Neuen Jahres verschlafen. Die Kinder haben ganz natürlich Angst vor dem nächtlichen Schießen. Sind sie schon etwas größer, kann man es in seinen Erklärungen mit Vernunft probieren. Sind sie noch kleiner, dann hilft nur Trösten – und wenn man Glück hat, dauert es keine Stunden. Wenn man dann die nächtliche Arbeit hinter sich hat, beginnt die nächste Hoffnungsphase: Hoffentlich sind die Kinder nicht schon wieder um 6 Uhr wach. Dann ist der Start ins Neue Jahr nämlich ordentlich verkorkst – und zwar für alle Beteiligten.

Natürlich sehe ich den Tag kommen, an dem unsere Kinder Böller toll finden. Und natürlich werde ich ihnen den korrekten Umgang damit beibringen. Aber ich bin um jedes Jahr froh, in dem mir dieser Teil von Know-how-Transfer erspart bleibt.

Lieber Einzelhandel, hab‘ jedoch keine Angst. Ich werde das gesparte Geld anderweitig zum Konsumieren nutzen.

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