Nora ist jetzt 16 Monate alt, und sie liebt Bücher. Sie kann natürlich nicht lesen, und auch das Zuhören funktioniert noch nicht so gut. In Bilderbüchern blättern geht schon ganz gut. Allerdings passiert das in einer Geschwindigkeit, in der die Aufnahme der Inhalte schier unmöglich erscheint. Ein Interesse dafür hat sie allerdings, das lässt sich nicht absprechen.

Sehr gut gefällt es ihr auch, in Büchern mit Klappen zu schmökern und diese Klappen dann herauszureißen, womit das Geklappe für alle dann auch ein Ende hat. Zum Glück hat der kleine Beserker erst in einigen wenigen Büchern seine Spuren hinterlassen.

Ihre wahre Liebe zu gedruckten Werken offenbart sich, wenn sie vor dem Regal mit dem harten historischen Stoff steht. In schöner Regelmäßigkeit zerrt sie die Bücher von den Brettern. Die damit einhergehende Haufenbildung ist möglicherweise ihr eigentliches Ziel. Am stärksten ramponiert ist eine alte Auflage des dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Längst hat sich der Umschlag vom Rest des Buches gelöst. Allerdings weiß ich gar nicht mehr genau, ob dafür das intensive Studium des Buches durch mich und meine Frau der Auslöser dafür war oder doch das Treiben des kleinsten Familienmitglieds.

Es ist schön, dass Nora Bücher so gern hat, wenn ich auch diese Art der Liebe zum Buch nicht ganz teile. Immer und immer wieder räume ich das Regal ein. Und das wird wohl noch ein paar Wochen so bleiben. Die Bücher aus der Kleinkindhöhe zu entfernen, ist auch keine Lösung. Der Umgang mit dem Buch ist am Anfang eben etwas ruppig. Aber nur wer den Kontakt zum Buch hat, kann es auch irgendwann so verwenden, wie es eigentlich gedacht ist. Und das kommt, das ist sicher. So sicher wie die Neuauflage des dtv-Atlas zur Weltgeschichte.

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