Zurückblickend habe ich sehr viele Magazine gekauft – und einige davon auch gelesen. Schon als angehender Papa will man ja vorbereitet sein. Daher griff ich immer wieder im Supermarkt zu Baby-Zeitschriften, Sonderheften mit 111 Fragen und Antworten für Schwangerschaft und Geburt und den Klassikern wie der Zeitschrift „Eltern„.

Inzwischen hat sich das Leseverhalten sehr geändert. Eltern und andere Magazine kaufe ich gar nicht mehr, die Infos und Fragen löse ich mit dem Bekanntenkreis oder direkt online und wenn es ein Magazin gibt, in das ich doch hereinschaue, dann ist es entweder die kostenlose Libelle, in der man auch kostenlos gedruckte Anzeigen schalten kann, wenn man eine Kita oder eine Tagesmutter sucht oder KidsGo – wegen der guten Übersicht über Veranstaltungen, Elterncafes oder Flohmärkte. Mein Kaufverhalten ist also deutlich zurückgegangen. Es ist schwierig, dass mich ein Magazin in gedruckter Form aktuell hinter dem Ofen hervorlockt.

Kids Life: Elternratgeber als Magazin

Kids Life: Elternratgeber als Magazin

Um so mehr war ich überrascht, als mir das Magazin „KidsLife“ in die Hände fiel. Das Magazin erscheint in einem Turnus von drei Monaten, was ich bei meinem Informationsbedarf für gut und angemessen finde. Begleitend gibt es eine umfangreiche Online-Präsenz als Elternratgeber rund um Babys und Kinder. Dort zu finden: Themen etwa wie „Wie geht man bei der Nutzung sozialer Online-Netzwerke mit Kindern um“ oder Steuertipps.

Die Zeitschrift hat einen Umfang von rund 100 Seiten und ein relativ gutes Inhaltsverzeichnis, bei dem sich zwar die Überschriften nicht immer sofort erschließen (Ansichten & Aktionen), die Themen aber allesamt sorgsam ausgewählt wirken. Ein Auszug: Es geht um Hautpflege im Winter, Tipps zum Thema Lernen und Lesen, was Kindern im TV begegnet und was diese im Fernsehen sehen dürfen oder Städtetripps mit Kindern, zum Beispiel nach Rom.

Dem Layout täte ein etwas strengerer Art Director gut. Es wird mit sehr vielen verschiedenen Elemente, Überschriften und Elementen gearbeitet, was das Heft beim ersten Durchblättern ein bisschen unübersichtlich erscheinen lässt.

Die Texte sind überraschend gut formuliert und geschrieben – und was ich an vielen Magazinen heute vermisse sind nutzwertige Kästen oder Adressen und Tipps. Dies ist eine Stärke von Kids Life. Die Reportage „Rom entdecken mit Kindern“ habe ich verschlungen. Authentisch werden die Sehenswürdigkeiten mit den Augen der Kinder beschrieben. „Kinder mögen Brunnen – und auf beinahe jeder Piazza in Rom sieht man sprudelndes Wasser aus riesigen Skulpturen fließen“,  heißt es etwa.

Auch der Titel-Text „Hat mein Kind mich verändert?“ ist exzellent geschrieben und gibt die Herausforderungen, Ängste und Nöte wieder, wenn man sich für ein Kind entscheidet und Verantwortung übernimmt. Es wird gut dargestellt, wie Kinder das Leben umkrempeln, was ich aus eigener Erfahrung so bestätigen kann 🙂

Die gehighlighteten Zitate sind gut gewählt und verraten, worum es in den nächsten Passagen geht. „Das eigene Selbst steht nicht mehr so im Mittelpunkt“ – „Die Kinder bestimmen den Alltag stärker als die Arbeit“ – „Man ist nie mehr allein“.

Überrascht war ich von dem guten Bericht „Kampfsport für Kinder“, in dem es um kleine Karateprofis geht oder eben um solche, die es werden wollen. Die Sportarten werden in einem Kasten gut und prägnant beschrieben – Judo, Karate, Taekwondo, Aikido, Ju-Jutsu. Spätestens hier fällt bei Kids Life auch auf, dass das Magazin mit exzellenter Bebilderung der Geschichten arbeitet. Für ein Magazin, das keinem der großen Verlage angeschlossen ist, ist dies eine Seltenheit.

Überhaupt merkt der mediengeübte Leser schnell, dass Kids Life etwas gelingt, was ich bei vielen der großen konkurrierenden Magazine vermisse: Die Trennung von Texten und Anzeigen. Normalerweise hat man ja schon keine Lust mehr auf’s Lesen, wenn man die Reportage über Beautytipps für Mütter und dann noch auf der direkt gegenüberliegenden Seite die entsprechend passende Werbung findet. Vielleicht ist das etwas, was nur mich stört, aber in Kids Life kommen die Anzeigen daher auch glaubwürdiger heraus. Hier werben Lego mit einem Einlegebooklet, Hörspielanbieter oder Fissan (Marke für Babybadeshampoo). Das Heft hat eine ordentliche Auflage von 90.000 Exemplaren, von denen 30.000 in den Einzelhandel gehen und der Rest über Kooperationspartner wie zum Beispiel Krankenkassen, Kindergärten oder Arztpraxen vertrieben wird.

Die insgesamt geringe Anzeigenauslastung lässt darauf schließen, dass das Magazin noch ein paar weitere Kunden vertragen könnte. Und diese täten gut daran, im Heft zu werben, denn die Zielgruppe wird hier hochkarätig angesprochen. Die Anzeigen habe ich allesamt wahrgenommen und angeschaut.

Der Verkaufspreis von 3,90 Euro erscheint teuer, ist aber den Inhalten des Hefts sehr angemessen. Ein Abo kostet 15 Euro im Jahr für 4 Hefte und ich bin heute Abonnent geworden 🙂 Das Bestellformular im Internet ist nicht ideal gestaltet, ich gehe aber davon aus, dass mein Heft alsbald in meinem Briefkasten eintrudelt.

Fazit: Eltern stehen vor der Herausforderung, ihre Zeit besser zu managen und Arbeit und Familie in einen Einklang zu bringen. Magazine landen schnell ungelesen im Altpapier, weil man einfach genug damit zu tun hat, die Tages- und Wochenpresse zu bewältigen. Ein monatliches Magazin ist mir zu viel. Wenn ich ein Magazin lese, dann lege ich höchsten Wert darauf, was ich dort geboten bekomme: Versteckte Werbebotschaften oder hochkarätige Inhalte. Letztere bietet Kids Life in einem für mich optimalen Erscheinungsrhythmus von drei Monaten. Ich kann das Magazin uneingeschränkt empfehlen.

PS: Und am Wochenende backe ich den Käsekuchen aus dem Rezept von von Seite 70…

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