Als ich seinerzeit in der Bank meine Lehre gemacht habe, wurde mir schnell klar, wie weit es mit der Emanzipation her ist: „Ich bin jetzt 25 Jahre alt, ich bekomme keine Seminare mehr, ich könnte ja schwanger werden“, sagte mir – damals 18-jährigem – eine Kollegin.

Seither beobachte ich Storys kritisch, die nach einer Frauenquote in Unternehmen rufen. Aus meiner Sicht sind diese Geschichten, die immer wieder aufploppen gleich von mehreren Seiten verlogen. Vor allem aber von den klassischen „Medien“, die gern eine Geschichte bringen wie „xy fordert Frauenquote in Unternehmen“ und dies dann mit einem schmissigen Kommentar versehen – selbst aber als Unternehmen ganz anders agieren und in Wirklichkeit auf der Suche nach weiblichen Abonnenten sind. Dieser „Dreh“ geht mir schon eine ganze Weile ziemlich auf den Zeiger.

Da ich ja selbst ein Unternehmen – allerdings ein recht überschaubares < 10 Mitarbeiter betreibe, bekomme ich immer wieder Bewerbungen von gestandenen Frauen, die relativ hilflos in ihrer Bewerbung signalisieren: Ich habe ein Kind – aber keine Angst – die Betreuung ist gewährleistet.

Dass der Staat ja seit einiger Zeit Elterngeld zahlt und die Kinderproduktion incentiviert – das ist ja schon fast als Luxusauswuchs einer Gesellschaft zu charakterisieren. Aber mit der dann folgenden Kultur, wie sie in der Gesellschaft und Politik gelebt wird, ist es dann nicht weit her. Kindertagesstättenplätze? Mangelware. Tagesmütter? Kaum vorhanden. Hilfe bei der Rückkehr in den Job für Frauen? Eine Pharse.

Ein böser Gedanke dabei könnte lauten, dass Kinder zwar gewünscht ist, es von der Politik aber nicht so weit mit dem Wiedereinstieg in den Beruf ist. Denn: Dann würden die Frauen ja in der Arbeitslosenstatistik bzw. bei den Arbeits-Suchenden auftauchen. Also Kinder ja gern – und Frauen danach bitte an den Herd?

Die Dame, die sich heute bei uns beworben hat, hätte ich bei passender Eignung sehr gern eingeladen und ihr gesagt, dass ein Kind etwas Normales ist und man sich dafür in der Bewerbung nicht schämen muss und dies auch keine Rechtfertigung erfordert. Allein: Diesmal passte es fachlich nicht.

Sie wird es mir nicht glauben. Sie wird denken: Mit Kind habe ich keine Chance. Schade das.

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