MonthMärz 2011

Wer hat an der Uhr gedreht?

Im Oktober habe ich mich schon einmal mit der Zeitumstellung und den Auswirkungen auf das Familienleben auseinandergesetzt. Das hindert mich nicht, das Thema ein weiteres Mal aufzugreifen.

Jeder merkt es an sich selbst, dass die Zeitumstellung nicht spurlos an einem vorübergeht. Einerseits findet man es ganz schön, dass es abends länger hell ist. Andererseits fehlt einem die frühe Morgensonne, um frohen Mutes und beizeiten aus den Federn zu hüpfen. Für die Kinder ist es auch schwierig. Sie finden abends nicht so leicht in den Schlaf. Und bei Nora ist es eher so, dass sie morgens früher wach ist. Absurd, aber das System ist durcheinander und sucht nach Ausgleich. Der Rhythmus ist gestört. Und alle hoffen, dass sich das ganze rasch wieder einpendelt.

Interessant ist, dass diese Zeitumstellung für Marc nun auch ein erkenntnistheoretisches Thema ist. Er macht sich Gedanken darüber. Und es wird deutlich, dass Zeit und Uhr dasselbe für ihn bedeuten, weil wir wohl selbst nicht ganz trennscharf mit den Begriffen umgehen. Die Helligkeit am Abend verwirrt ihn, und auch Tom sagt, dass es beim Zubettgehen ja noch ganz hell draußen ist. Marc aber grübelt weiter. er hat gesagt, dass doch nur Gott die Zeit umgestellt haben könne. Das könne ein Mensch doch gar nicht leisten. Zu wenig Macht eben.

Und er hat irgendwie recht: Natürlich haben wir nicht die Zeit umgestellt, sondern nur die Uhren. Der Weltenlauf ist durch eine Entscheidung von Menschen zum Glück noch nicht verändert worden – noch nicht.

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Zick-Zack, die Entwicklung

Wer Zeit hat bzw. sich die Zeit nimmt, seine Kinder intensiv in ihrer Entwicklung zu beobachten, wird mit vielen Erkenntnissen belohnt.

Nora arbeitet im Moment massiv am Spracherwerb. Seit einiger Zeit versucht sie es mit ihrer eigenen Sprache. Wir wiederum versuchen so gut wie möglich darauf einzugehen. Aber eine echte Unterhaltung wird nie daraus. Für rudimentäre Kommunikation reicht es aus. Tierstimmen kann sie auch einige nachahmen. Für ein Mädchen ist sie insgesamt etwas spät dran. Doch das macht gar nichts.

Das Bellen des Hundes kommt treffsicher, beim Miauen hat sie eine besondere, sehr authentisch klingende Technik entwickelt. Fragt man sie nach einem Vogel, zaubert sie ein Geraune und Gebrüll mit ihren Stimmbändern hervor, das einem Löwen zur Ehre gereichen würde.

Holzpuzzle sind wunderbares Spielzeug.

Holzpuzzle sind wunderbares Spielzeug.

Stehen größere Entwicklungsschübe an, dann gerät so ein Kind mit seinen Emotionen leicht auf einen Zick-Zack-Kurs. Der ganze kleine Mensch ist in Bewegung. Das System sucht den Ausgleich. Die Nächte sind im Moment wieder deutlich unruhiger. Das Kind ist leicht reizbar. Sie schimpft lautstark, wenn ihr etwas nicht passt. Der Biorhythmus ist aus dem Takt. Da gilt es für Eltern und Geschwister Ruhe zu bewahren.

Und häufig entwickeln sich auch noch mehrere Dinge parallel. Neben dem Spracherwerb feilt Nora auch an ihren Puzzlefähigkeiten. Ein einfaches Holzsteckpuzzle ist genau das Richtige, um die Fähigkeiten zu testen und zu schärfen. Es geht um das Erkennen von Formen und um Feinmotorik. Aber auch das Erinnerungsvermögen wird geschult. Wenn ich mit Nora puzzel, dann benenne ich auch immer das Puzzleteil, in der Hoffnung, dass sie bald die Blockade durchbricht und sich ihr Wortschatz erweitert. Wir merken deutlich, wie es in Nora arbeitet. Wir spüren auch, dass das Sprechen und vor allem das Erlernen unserer Sprache richtig Arbeit für einen solch kleinen Menschen ist. Da ist auch Verständnis gefragt.

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Auf dem Weg zum Väterbegleiter

„Ich hab‘ ein bisschen die Befürchtung, dass es hier zugeht wie in einem Männerseminar, bei dem man in den Wald geht und sich mit Dreck beschmiert.“ Zum Glück hat sich diese in der Auftaktrunde von einem Teilnehmer geäußerte Befürchtung nicht bestätigt. Hinter einer Gruppe von acht Männern zwischen Mitte 30 und Ende 40 liegt das erste Ausbildungswochenende zum GfG-Väterbegleiter. Und ich mittendrin.

Acht Männer mit unterschiedlichen Biographien auf dem Weg zu einem Zertifikat, das ihnen die Fähigkeit bescheinigt, Männer auf ihre Vaterschaft vorzubereiten und zu begleiten – bis über den Geburtstermin hinaus. Die Gruppe ist eine Pilotgruppe. Eine solche Ausbildung hat es bisher nicht gegeben.

Anfangs war ich auch hin und hergerissen. Sollte ich mich in ein solches Abenteuer stürzen? Die Familie wird drei Wochenenden ohne mich auskommen. Qualitätszeit mit Frau und Kindern müssen geopfert werden, um die Ausbildung abzuschließen. Das Verständnis der Kinder dafür muss ich nicht erwarten. Meine Frau jedoch trägt das Ganze mit – und hat mich sogar darin bestärkt, diese Ausbildung zu beginnen. Großartig.

Nach dem ersten Wochenende ist mir klar, dass ich davon profitieren werde – und meine Familie auch. Es ist etwas ganz anderes, sich theoretisch mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen oder es in einer Gruppe zu tun. Das ist einfach so.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vor allem die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Rolle in der Familie oder eben auch während der Schwangerschaften und Geburten aber auch mit der Bedeutung, die der eigene Vater für einen Vater hat, war sehr lehrreich, beeindruckend und Augen öffnend.

Mir ist klar geworden, dass ich einige Gespräche mit meinem Vater führen sollte, wenn ich einige Dinge, die mich angehen, besser verstehen möchte. Bei der Reflexion der eigenen Erfahrungen ist mir klar geworden, dass ich mich nicht mehr ausreichend an alle Details der Schwangerschaften erinnern kann. Da ist einiger Austausch mit meiner Frau nötig. Und den Kindern will ich bewusster Zeit widmen. Die spärliche Zeit mit den Kindern vor allem unter der Woche muss noch mehr Qualitätszeit werden als bisher. Das heißt: Die volle Aufmerksamkeit gehört im direkten Kontakt dem Kind. Da dürfen Smartphones, Bücher und Zeitungen keinen Raum mehr haben. Wenn die Kinder auch mit anderem beschäftigt sind, vielleicht. Wenn sie aber die Aufmerksamkeit brauchen, dann bekommen sie diese auch. Punkt.

Die GfG-Väterbegleiter-Ausbildung ist ein Angebot der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) in Zusammenarbeit mit der Väter gGmbH. Melanie Schön und Volker Baisch haben an dem ersten Wochenende sehr gute Arbeit geleistet. Die Gruppe ist super. Ich bin immer noch beeindruckt. Und gespannt auf die weiteren Termine.

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Erweitertes Spielfeld

Seit dem späten Herbst ist Nora meistens aufrecht unterwegs. Das ist eine Zeit, in der man die Aufenthalte im Freien deutlich herunterfährt. Vor allem erwartet man von dem kleinen Kind nicht gerade, dass es seine ersten Gehversuche in unwirtlicher Kälte macht. Der häufige Kontakt mit kalten, harten und schmutzigen Böden wird dann doch lieber gemieden.

Ihre ersten Winterstiefel hat Nora dann auch erst kurz vor Weihnachten bekommen. Der eine oder andere Schritt wurde dann auch schon mal recht wackelig auf verschneitem Grund gemacht. Obwohl sie noch nicht seht lange läuft, hat sie doch schon eine ordentliche Entfernung zweibeinig zurückgelegt. Meistens sind es dann doch Wege von A nach B. Kleinere Erkundungstouren haben sich dann in den vergangenen Wochen auch schon mal im Garten ergeben.

Und am Wochenende war es dann soweit: Die ganze Familie ergänzt um eine weitere Familie machte sich von milden Temperaturen gelockt auf den Weg zum Spielplatz. Freies Erkunden einer neuen Welt. Großartig. Für Nora aber auch die Beobachter.

Sand, Kieselsteine, Erde – erstmal alles ganz genau unter die Lupe nehmen. Ein zielloses herumirren war nie angezeigt. Besonderes Interesse hatte sie allerdings am Fußballspielen von Papa und Bruder. Ständig versuchte sie den Ball zu erobern. Den Regeln des Spiels nicht mächtig, schimpfte sie ordentlich, wenn man ihr den Ball nicht freiwillig übergeben wollte. Lustigerweise ist ihr das Treten gegen den Ball ganz wichtig. Das Ritual ist immer das gleiche: Zuerst wird der Ball in beide Hände genommen und gesichert. Dann fällt er vor die Füße und wird getreten. Anschließend wird hinterhergelaufen – und nicht selten über den viel zu großen Ball gestolpert. Kommt dann auch noch der Bruder, um den Ball zurückzuerobern, wird wieder maßlos geschimpft.

Die Eroberung der Welt wird bei uns das große Thema der kommenden Wochen und Monate sein. Irgendwie machen wir das alle bis ins hohe Alter – aber das Beobachten der Kleinen auf ihrem Weg bereitet dann doch einen ganz speziellen Spaß.

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„Wertvolle Väter“ an die Fragen

Väter haben heute ein anderes Selbstverständnis als noch vor einigen Jahren. Das Bild des Vaters in der Gesellschaft wandelt sich. Aber: Welche Vorstellungen von Kindererziehung haben Väter eigentlich heute? Welche Maßstäbe setzen sie an? Richten sich Väter nach den Erziehungsmaßstäben der Mütter oder entwickeln sie eigene?

Unter anderem diese Fragen wollen die „Hessenstiftung – Familie hat Zukunft“ und die IGS Organisationsberatung GmbH beantworten. Dazu haben sie eine Online-Befragung mit dem Titel „Wertvolle Väter“ entwickelt, an der natürlich möglichst viele Väter teilnehmen sollen.

Meiner Ansicht nach ist es immer sinnvoll, sich und sein Tun regelmäßig zu hinterfragen. Auch eine solche Befragung kann ein Anlass dazu sein. Daher möchte ich Teilnahme allen Vätern empfehlen.

Die Ergebnisse der Befragung sollen laut einer Pressemitteilung der Initiatoren so zur Verfügung gestellt werden, dass sie auch in der Familienbildung und Erziehungsberatung eingesetzt werden können. Die Ergebnisse der Umfrage sollen im Juni in einer Expertenrunde von Väterforschern diskutiert werden. Die Veröffentlichung ist für Herbst geplant – und wird sicher auch hier zu einer Berichterstattung führen.

Die Hessenstiftung fördert übrigens seit 2003 Projekte im Bereich „Väter in Familie und Beruf“. Weitere Informationen dazu befinden sich auf der Website der Hessenstiftung.

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Süßes Nachahmen

Das ganze Leben ist ein einziges Nachahmen. Nein, ich schreibe hier nicht über das Plagiieren. Es geht vielmehr um die Beobachtungsgabe von ganz kleinen Menschen und deren unbeirrbare und unermessliche Neugier. Es geht aber auch um die Suche und das Finden von Sicherheit.

Es sind beide Seiten der Medaille, die das Kind vom Säuglingsalter an treiben, Dinge, Bewegungen, Aktionen auszuprobieren, die sie bei anderen beobachten. Wie fühlt sich das an, wenn ich ein Glas durch die Gegend werfe, wo doch mein großer Bruder das gleiche mit einem Luftballon macht? Was geschieht, wenn ich rumbrülle, wenn mir etwas nicht passt, wenn das doch auch irgendwelche Effekte bewirkt, wenn es Papa tut.

Man kann allen Eltern nur empfehlen, ganz genau zu beobachten, was die kleinen Kinder so treiben und warum sie es tun. Der Erkenntnisgewinn ist immens. Mama und Papa können das Gelernte in jedem Fall zum Vorteil einsetzen, beispielsweise als „gutes Vorbild“ gefährliche und ungute Aktionen der Kleinen verhindern.

Nora ist jetzt 18 Monate alt. Im Verlauf der ersten Lebensmonate wird schon eine große Zeit damit verbracht, die Großen und die ganz Großen nachzuahmen. Seit einigen Monaten schreitet die kleine Frau beispielsweise umgehend zu ihrem Anorak, wenn sich irgendjemand auf den Gang in die Kälte vorbereitet. Nicht immer ist ihre Aktivität natürlich erwünscht. Es fällt dann schwer, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten.

Ein ganz süßes und wertvolles Nachahmen ist seit einigen Wochen hinzugekommen. Zum Bettgeh-Ritual gehört bei uns, dass ich abschließend die Kinder noch kurz umarme und herze, während ich ihnen eine gute Nacht wünsche. Vor Kurzem noch hat das Nora nicht weiter interessiert. Sie lag zu diesem Zeitpunkt schon in irgendeiner Ecke ihres Bettes. Vorschlaf-Phase, kein Interesse mehr an dem Geschehen um sie herum. Jetzt steht sie immer geduldig in ihrem Gitterbettchen und sackt erst in sich zusammen, wenn ich auch sie umarmt und geküsst habe. Wenn das für die Jungs gut ist, dann muss es doch auch für mich gut sein. Und sie weiß noch gar nicht, wie gut das für Papa ist.

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