Das ganze Leben ist ein einziges Nachahmen. Nein, ich schreibe hier nicht über das Plagiieren. Es geht vielmehr um die Beobachtungsgabe von ganz kleinen Menschen und deren unbeirrbare und unermessliche Neugier. Es geht aber auch um die Suche und das Finden von Sicherheit.

Es sind beide Seiten der Medaille, die das Kind vom Säuglingsalter an treiben, Dinge, Bewegungen, Aktionen auszuprobieren, die sie bei anderen beobachten. Wie fühlt sich das an, wenn ich ein Glas durch die Gegend werfe, wo doch mein großer Bruder das gleiche mit einem Luftballon macht? Was geschieht, wenn ich rumbrülle, wenn mir etwas nicht passt, wenn das doch auch irgendwelche Effekte bewirkt, wenn es Papa tut.

Man kann allen Eltern nur empfehlen, ganz genau zu beobachten, was die kleinen Kinder so treiben und warum sie es tun. Der Erkenntnisgewinn ist immens. Mama und Papa können das Gelernte in jedem Fall zum Vorteil einsetzen, beispielsweise als „gutes Vorbild“ gefährliche und ungute Aktionen der Kleinen verhindern.

Nora ist jetzt 18 Monate alt. Im Verlauf der ersten Lebensmonate wird schon eine große Zeit damit verbracht, die Großen und die ganz Großen nachzuahmen. Seit einigen Monaten schreitet die kleine Frau beispielsweise umgehend zu ihrem Anorak, wenn sich irgendjemand auf den Gang in die Kälte vorbereitet. Nicht immer ist ihre Aktivität natürlich erwünscht. Es fällt dann schwer, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten.

Ein ganz süßes und wertvolles Nachahmen ist seit einigen Wochen hinzugekommen. Zum Bettgeh-Ritual gehört bei uns, dass ich abschließend die Kinder noch kurz umarme und herze, während ich ihnen eine gute Nacht wünsche. Vor Kurzem noch hat das Nora nicht weiter interessiert. Sie lag zu diesem Zeitpunkt schon in irgendeiner Ecke ihres Bettes. Vorschlaf-Phase, kein Interesse mehr an dem Geschehen um sie herum. Jetzt steht sie immer geduldig in ihrem Gitterbettchen und sackt erst in sich zusammen, wenn ich auch sie umarmt und geküsst habe. Wenn das für die Jungs gut ist, dann muss es doch auch für mich gut sein. Und sie weiß noch gar nicht, wie gut das für Papa ist.

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