„Beim nächsten Mal beschmeißen wir uns dann doch noch mit Dreck.“ Natürlich war diese Aussage beim zweiten Ausbildungswochende GfG-Väterbegleiter ironisch gemeint. Wenn man zwei Tage intensiv reflektiert, zuhört, diskutiert, ist der Einsatz von Bewegungselementen und Rollenspielen unbedingt notwendig. So haben wir uns an den beiden vergangenen Tagen zweimal am Boden liegend wiedergefunden. Säuglingssimulation.

Mein Papa hieß Markus. Er hat versucht, mir, sagen wir einmal neun Monate alt, die Jacke anzuziehen. Erster Versuch: Hektisch, keine Kontaktaufnahme zum Kind, den Kommunikationsversuchen ausweichend, ruppig. Irgendwie hat es nicht so recht funktioniert. Einer der Kollegen hat im Anschluss berichtet, er sei als gespieltes Baby regelrecht aggressiv geworden. Anmerkung: Trotz Testosteronanwesenheit kam es zu keinen Handgreiflichkeiten. Zweiter Versuch: Der Vater sucht den Blickkontakt, sagt, was er als nächstes macht, er lobt und motiviert. Tatsächlich: Es funktioniert reibungsloser. Der Säugling, also ich, fühlt sich deutlich besser, angenommen, verstanden, integriert. Faszinierend: Obwohl es deutlich eine Rollenspielsituation von sehr kurzer Dauer ist, merkt man den Unterschied, selbst wenn man nur ganz kurz und gar nicht so wahnsinnig intensiv in sich hineinschaut.

Die zwei Tage waren sehr intensiv. Am Samstag wäre ich fast im Zug eingeschlafen. Diesmal ging es mehr um Wissensvermittlung, denn um Reflexion. Aber wieder waren alle Elemente vertreten. Methodisch war es äußerst abwechslungsreich. Die Teilnehmer haben sich mit Vorträgen eingebracht. In der kleinen Gruppe sind wahnsinnig viele Kompetenzen gebündelt.

Inhaltlich ging es um Elternzeit und Elterngeld, die Zeit im direkten Anschluss an die Geburt (Babyblues und Wochenbett), Babyhandling, die Entwicklung des neuen Erdenbürgers im ersten Lebensjahr – und ganz wichtig das Thema Bindung. Die Bedeutung der Bindung von Eltern und Kind für die weitere Entwicklung des Menschen bis hin in das Erwachsenenalter ist immens. Hier gibt es noch viel zu lernen, umzusetzen und vermitteln. Ich glaube, dass dieser Bereich wirklich sehr wichtig für unsere spätere Arbeit mit den Vätern ist. Reflexion hatte vor allem ihren Raum beim Thema Übergang vom Paarsein zum Elternsein. Auch hier muss ich, wie im ersten Modul bei anderen Themen, noch ein bisschen bei mir forschen.

Nach den ersten beiden Modulen wird sich nun langsam herauskristallisieren, wie sich unsere Angebote ausgestalten lassen. Jetzt geht es ans Strukturieren und die Konzeptentwicklung. Die Angebote wollen am Markt platziert werden. Die Berufung, werdenden und jungen Vätern den Einstieg in die neue Phase des Lebens zu erleichtern, will sich im wahren Leben manifestieren. Mein Ziel unter vielen anderen (was übrigens auch für diesen Blog gilt): Ich will das Positive an der Vater- und Elternschaft hervorheben. Es ist einfach unglaublich erfüllend, diesen Wandel in seinem Leben zuzulassen.

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