MonthMai 2011

Bootsbau für Anfänger

Es kündigt sich über Wochen, ja fast schon Monate an. Das Bickenbacher Volksfest, vulgo Bachgassenfest, findet Jahr für Jahr etwa zur gleichen Zeit statt. Zur Tradition des Festes gehört die Landbachregatta. Kinder unterschiedlichen Alters bauen mit mehr oder weniger Hilfe der Eltern oder Großeltern kleine Boote oder Flöße, die sich dann auf dem heimischen Gewässer bewähren müssen. Allerdings geht es nicht um Geschwindigkeit, allenfalls um bachtauglichkeit – und am Schluss bewertet eine Jury das Aussehen des Bootes. Kleine Preise werden auch ausgelobt.

Irgendwie haben wir den Termin immer im Hinterkopf – und doch denken allesamt zu spät daran. Jetzt ist mal wieder soweit. Was ist zu tun? Marc hat ziemlich schnell seine Entscheidung bekannt gegeben: „Ich mache da nicht mit!“ Kurze Zeit später, nach einem sehr kurzen Intervenieren meinerseits, hat er die Teilnahme noch offen gelassen. Wir unsererseits haben ihm aber auch gesagt, dass er nicht mitmachen muss. Wir sind nun gespannt.

Eine Idee schwirrt in unserer Köpfen herum. Es könnte eine überdimensionierte Nusschale werden. Welches Material wir verwenden sei hier noch verschwiegen – die Konkurrenz liest mit.

Eigentlich brauchen wir zwei Ideen – zum Glück ist Nora noch nicht so weit, dass sie ein eigenes Schiff benötigt. Ich schwanke noch zwischen Styropor und Holz. Einfallslos eigentlich. Die kreativen Ideen hat da doch eher meine Frau auf der Pfanne – und eigentlich auch das bessere Schaffenshändchen.

Jetzt bleiben uns noch wenige Tage Zeit. Gut, dass die Woche kurz ist. Ich merke: So langsam wird der Ehrgeiz größer – ob das den Kindern auch so geht? Ich glaube nicht. Vielleicht sollte auch einmal offiziell eine Regatta für „große Kinder“ stattfinden.

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Der Kummer mit dem Schlafbedarf

Immer wieder hören wir Geschichten von Kleinkindern (2+), die unbedingt abends um 19 Uhr ins Bett gebracht werden müssen, damit sie am nächsten Morgen nicht länger als bis 8 Uhr im Bett bleiben.

Das sind für uns Geschichten aus einer anderen Welt. Mit großen Augen und weit geöffnetem Mund stehen wir dann da, werden neidisch und versinken in Selbstmitleid.

Das letzte ist natürlich Quatsch. Allerdings ist es wohl so, dass Kinder tatsächlich mit sehr unterschiedlichem Schlafbedarf gesegnet sind – und das ist dann einfach so.

Bei unseren Dreien können wir schon heute sagen, dass sie in ihrer Kleinkindzeit mit wenig Schlaf auskommen. Das ist nicht immer ganz leicht.

Gerade bei Nora (20 Monate) stehen wir im Moment an einem entscheidenden Punkt. Macht sie ihren normalen Mittagsschlaf (90 Minuten) ist sie abends noch zu munter und wacht am nächsten Morgen zwischen 5.15 Uhr und 6.15 Uhr auf. 6.15 Uhr ist ja noch okay – aber alles davor eigentlich unerträglich auf Dauer. Macht sie keinen Mittagsschlaf, klappt es mit dem Einschlafen besser – und morgens sind dann auch alle ein bisschen länger im Bett – was ja auch mal gut tut.

Allerdings: Die Zeit des Mittagsschlafs können meist Mama und manchmal auch Papa ebenfalls für eine kleine Pause nutzen. Legen wir Nora mittags hin, um sie dann nach einer halben Stunde wieder zu wecken, wird sie zur Furie. Da ist Fingerspitzengefühl und wieder mal ein wenig Geduld gefragt. Dann klappt es auch bald mit der richtigen Schlafdosierung.

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Der Reiz des frühen Urteils

Gestern habe ich wieder eine Lektion gelernt. Mein kleiner Sohn hat mich überrascht – und zwar gehörig.

Mit dem Start des Frühjahrs haben wir uns in den Kopf gesetzt: Jetzt könnte Tom langsam Fahrrad fahren lernen. Marc (Foto unten) war diesbezüglich ein echter Frühstarter. Er war schon als Bobbycar-Pilot ein Heizer, deutlich kamikazeartiger ging es auf dem Laufrad zu. Mit knapp drei Jahren ist er schon Rad gefahren. Nach fünf Übungseinheiten war es soweit. Stützräder waren absolut nicht notwendig – ich glaube sogar, dass sie es verhindern, rasch selbstständig mit dem Zweirad klar zu kommen.

Tom wird im Herbst fünf. Die eine oder andere gemeinsamen Fahrradtour im Sommer wäre eine ganz nette Sache. Also rauf auf den Drahtesel. Die ersten Tests vor wenigen Wochen waren ernüchternd. Pedale vor oder zurück?, Bremsen?, Wo ist der Fahrweg? – Fragen über Fragen. Und wir waren nicht in der Lage, die richtigen Antworten zu liefern. Ungeduld, Verzweiflung, Vorverurteilung.

„Oh Mann, dass wird noch ewig dauern, bis Tom das lernt!“ höre ich mich jetzt noch sagen. Sollten wir vielleicht doch die Stützräder montieren? Nein, so weit wollten wir nicht gehen. Sein Wille war da, er hätte weiter getestet. Wir haben gebremst. Das war und ist dumm.

Gestern ereilte mich bei der Heimkehr die frohe Botschaft. „Tom kann Radfahren!“ sagt meine Frau. Ich bin baff. Tatsächlich. Es klappt. Beim Bremsen hapert es noch – aber das schafft er nun sicher auch schnell drauf. Fünf Mal hat er mich gefragt: „Mach ich das gut mit dem Radfahren?“ Er hat unsere völlig unberechtigte Ungeduld und Unzufriedenheit gespürt. Und er hat sich durchgebissen. Er hat es geschafft. Im Prinzip ganz alleine – an seine skeptischen Eltern vorbei. Es ist eben doch sehr reizvoll, sein Urteil früh zu fällen. Nach dieser Lektion sollte es mir schwerer fallen.

Einen zweiten Höhepunkt des gestrigen Tages möchte ich noch kurz erwähnen. Ich habe es geschafft, einmal eine Stunde früher von der Arbeit zu Hause zu sein. So konnte ich noch eine Viertelstunde beim Fußball-Training der G-Jugend zuschauen. Dazu nur so viel: Das war echte Qualitätszeit mit Marc.

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Ein Leben als intellektuelles Dreieck

Ich bin echt nicht der große Danksager. Aber gerade jetzt habe ich ganz intensiv das Bedürfnis, Dank zu sagen – und zwar in ganz unterschiedliche Richtungen.

An aller erster Stelle steht meine Frau, die mich darin bestärkt hat, die Ausbildung zum GfG-Väterbegleiter in Angriff zu nehmen. Zudem hat sie drei Wochenenden innerhalb von gut zwei Monaten auf meine Anwesenheit verzichtet. Das ist wirklich ganz großartig – und das macht sie auch zu jemand ganz Besonderem.

Dann danke ich natürlich auch meinen Kindern, die es nicht immer gut fanden, wenn ich am Samstagmorgen mit den Worten aus dem Haus gegangen bin: „Ich wünsche Euch einen schönen Tag. Ich komme heute spät nach Hause.“ (Das macht er doch schon an den anderen Tagen der Woche.)

Und jetzt kommt das Trainer-/Leitungsteam. Melanie Schön, Volker Baisch und Ralf Haake haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass nun acht Männer in der Republik mit großer Motivation unterwegs sind, um andere, in der Regel sicher jüngere Männer als sie selbst, auf ihre Rolle als Vater vorzubereiten und sie auch im weiteren Verlauf (also nach der Geburt) zu begleiten.

Schließlich will ich auch den anderen sieben Männern der Pilotgruppe dafür danken, dass eine solch intensive Gruppenerfahrung möglich war. Also: Danke Ismail, Markus, Marc, Thomas, Jürgen, Richard und Heiko. Das war großes Kino. Von uns wird man sicher in Zukunft noch einiges in der Welt draußen spüren.

Das Wochenende war wieder dicht mit verschiedenen Themen gespickt. Ein Großteil der Kollegen hat sich mit Vorträgen und Einheiten eingebracht. Interessant: Es war wirklich jede Einheit authentisch. Jeder der Kollegen war genauso wie er ist.

Ich bin mit dem Thema Paar-Kommunikation in die Bütt gezogen. Schulz von Thun, Transaktionsanalyse, EPL – kein ganz leichter Stoff. Was für echte Kopftypen. Also offensichtlich ein gutes Thema für mich.

Bestätigt wurde das am Sonntag mit einem Test zum Akquisestil. Sechs Kategorien gibt es, ich bin natürlich der intellektuelle Typ, der durch Argumente überzeugen will. Rang zwei in meinem persönlichen Ranking: Das Verkaufen mit Hilfe von Geschichten – eigenen wie fremden. Und auf Platz drei kommt der konfrontative Stil. Auch das kann mich nicht wundern.

Dass dieser Aspekt bei mir und für mich eine Rolle spielen muss, zeigte schließlich eine Übung zu den Konflikttypen nach Crum. Als einziges Dreieck in der Runde stellte ich mich der Kreis-Übermacht. Das Dreieck sucht den Konflikt und will in seinem Ärger verstanden werden – und kann im ungünstigen Fall impulsiv, verletzend und aggressiv sein. Ich führe also ein Leben als intellektuelles Dreieck. Das ist ein wichtiger Erkenntnisgewinn – eine gute Basis zur Veränderung zum Besseren.

Die große Expertise in der Gruppe wurde am Samstagnachmittag evident. Markus hat uns mit seiner ungeheuren Erfahrung als Therapeut Übungen zur Achtsamkeit, Aufstellungen und Genogrammen näher gebracht. Das sind wichtige Impulse, um sich noch intensiver mit sich und seinen Beziehungen zu anderen zu beschäftigen. Überhaupt war diese Ausbildung ganz wichtig für mich selbst. Das gehört zum Reifen dazu – und ist tatsächlich eine wichtige Voraussetzung, um mit anderen Menschen arbeiten zu können.

Jenseits allgemeinerer Themen, ging es aber auch wieder stark um Väter-, Kinder-, Familienthemen. In der Einheit zum Stillen machte Thomas deutlich, welch wichtige Rolle der Vater beim Stillen einnehmen kann und zum Wohle aller Beteiligten einnehmen sollte. Mir wurde aber auch wieder einmal klar, dass es bestimmte Themen rund um die Geburt und die Kindesentwicklung gibt, die sehr sensibel sind und zum Teil zu ideologisch betrachtet und behandelt werden.

Eine ganz besondere Erfahrung war es, Jürgen zum Thema Babymassage zu hören. Er lebt dieses Thema. Er ist intensiv, überzeugend, authentisch. Väter in und um Düsseldorf herum: Wer von Euch ein Baby hat, muss zu diesem Mann. Ein Babymassagekurs bei ihm dürfte Eure Beziehung zum Kind nachhaltig positiv beeinflussen. Und das ist keine platte Werbung, wirklich nicht.

Jetzt gehen wir also in die Welt hinaus und werden alle möglichen Leute davon überzeugen, dass Väterarbeit im Sinne der Väterbegleitung wertvoll ist und weitreichende positive Auswirkungen hat. Wir sind bereit. Und: Es ist tatsächlich möglich, dass Männer zu sich finden und sich persönlich weiter entwickeln können, ohne sich mit Dreck einzuschmieren.

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Harte Telegramme

Wenn ich hier über Reaktionen der Kinder auf unser elterliches Verhalten berichte, birgt das natürlich auch immer Gefahren. Wer sich öffnet, muss sich auch mit Fragen wie „Wie gehen die eigentlich mit ihren Kindern um?“ stellen. Trotzdem will ich es tun, da jeder Leser dieses Blogs auch sehr viele Informationen aus entsprechenden Berichten ziehen kann. Überdies ist es auch unterhaltsam – und viele Leser werden denken: „Gut, dass das nicht nur uns so geht!“

Im Moment herrscht bei uns eine etwas krawallige Stimmung. Marc emanzipiert sich gerade. Er ist jetzt knapp ein Jahr in der Schule. Er befindet sich meiner Meinung nach in einer ersten massiven Ablösungsphase. Das betrifft uns, die Eltern – und da vor allem die Mutter. Aber auch gegenüber seinem kleineren Bruder will er sich mehr und mehr angrenzen. Dadurch gibt es etwas häufiger Ärger zwischen den beiden, als vor einem halben Jahr. Es hält sich aber alles im Rahmen. Die Geschwisterliebe und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist immer noch recht ausgeprägt.

In jedem Fall bekommen wir von Marc recht häufig negatives Feedback auf Dinge, die wir sagen, machen oder tun. So hat der kleine Mann nun meiner Frau ein eindrucksvolles Telegramm geschickt. Die kleine Tochter musste etwas deutlicher darauf hingewiesen werden, dass es nun Zeit wird ins Bett zu gehen und auch dort zu bleiben. Der Ton war noch ruhig aber bestimmt. Allerdings scheint sich bei Marc im Tagesverlauf einiges aufgestaut zu haben. Was ihn schließlich zu der Aussage verleitete: „Wenn Du uns weiter so behandelst, bringst Du uns noch um.“

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Keine Zombies, bitte!

Das Familienleben hat ja wirklich viele schöne Seiten – aber es gibt auch die hässlichen Seiten. Und auch davon muss in gelegentlich berichten.

Heute Abend musste ich mir von einem sechsjährigen Sohn die Frage stellen lassen, ob es richtig sei, dass Zombies anderen, die noch keine Zombies sind, den Kopf aufschneiden und das Blut herauslassen, damit diese auch Zombies werden.

Ehrlich gesagt finde ich das ziemlich harten Tobak. Und es unglaublich, dass es Kinder gibt, die nichts besseres zu tun haben, als dieses dem Alter völlig unangemessene Wissen an ihre Kumpels weiter zu geben.

Jetzt steh ich also da, bin sauer und ratlos. Ich will nicht, dass Marc diesen Wahnsinn weiter verbreitet. Anderen scheint das bei ihren Kindern egal zu sein – oder sie sind mit ihren Bemühungen gescheitert. In einigen Fällen erscheint mir letzterer Fall allerdings unwahrscheinlich.

Hat einer der geneigten Leser eine Lösung – oder seid Ihr beim Thema Zombies entspannt?

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