MonthAugust 2011

Nächtliche Unterredungen

Sprache ist eine komplexe Sache. Wir gehen zwar täglich damit um – und doch hat sie so ihre Tücken. Auch Erwachsenen geht es manchmal so, dass ihnen die richtigen Worte fehlen. Das passende Wort zu finden, ist nicht immer leicht. Da bringt es uns auch nichts, wenn das Wort einem auf der Zunge liegt.

Wie komplex Sprechen und Spracherwerb ist, führen einem natürlich die Kinder eindrucksvoll vor. Von Noras Versuchen habe ich bereits berichtet. Sie ist immer noch auf dem Weg. So richtig ist der Knoten noch nicht geplatzt. Aber es arbeitet wahnsinnig in ihr – und treibt uns so manchmal an den Rand des Wahnsinns.

Die Nächte sind immer noch sehr anstrengend. Das erste Mal beschwert sie sich in der Regel zwischen 0 und 1 Uhr. Eine längere Wachphase legt sie dann zwischen 2 und 4 Uhr ein. In dieser Zeit überfällt sie ein ausgeprägtes Redebedürfnis. Ehrlich gesagt mangelt es ihr zu dieser Uhrzeit an aufmerksamen Zuhörern. Geduldig sagt sie dann aber all die Worte auf, die sie schon einigermaßen beherrscht – eine echte Geschichte wird aber trotzdem nicht draus. „Auto, Oma, Lu, Jaja, Anna, Opa, Mama, Papa, Haus, heiß, Auto, Lu, Jaja, Anna, Butter, Haus…“ So geht es dann in einer Tour.

Irgendwie spürt man, dass ihr das Üben des Sprechens zu dieser Uhrzeit wichtig ist. Sie ist auch gar nicht aus der Ruhe zu bringen. Irgendwann, wenn wir schon lange nicht mehr mitzählen können, wie oft sie einzelne Worte wiederholt hat, dann schläft sie vielleicht auch wieder ein – ohne größere Unruhe zu erzeugen. Und morgens schläft sie sich dann richtig aus. Und wir hoffen weiter, dass sie bald mit sich und ihrer Sprache im Reinen ist und wieder selig durchschlummern kann – und wir mit ihr.

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Schulstart erfolgt

Marc und sein Papa sind wieder in der Schule angekommen. Ich hatte ja von meinen Ängsten im Hinblick auf das Ende der Sommerferien berichtet. Mittlerweile hat die erste Vorstandssitzung des Förderverins der Hans-Quick-Schule in Bickenbach stattgefunden. Es war recht interessant. Wir haben in neuer Besetzung einige Dinge vor, von der Schule und Kinder profitieren sollten. Ich werde mich natürlich ganz stark beim Thema Öffentlichkeitsarbeit einbringen. Das heißt auch eine Facebook-Seite wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Heute Abend gehen wir in den Elternabenden der ersten Klassen auf Mitgliederwerbung. Hoffentlich finden wir wieder ein paar Mitstreiter. Falls jemand der Leser zum Thema Förderverein einer Schule etwas wissen möchte, kann er mich gern kontaktieren.

Auch Marc ist langsam wieder in der Schule angekommen. Die erste Woche war wirklich ziemlich schräg. Man hat gespürt, dass er mit der Umstellung zu kämpfen hat. er war deutlich zerstreuter als sonst. Er redete gelegentlich wirres Zeug. Auch seine Gedankenwelt war stark erschüttert. In solche einer Situation ist es ganz besonders wichtig empathisch zu sein. Wir haben uns bemüht, nicht alles auf die Goldwaage zu legen, um seine Verunsicherung nicht noch zu verstärken. Jetzt ist die zweite Woche bald rum. Und es ist alles viel klarer. Die Zerstreutheit ist quasi verschwunden. Der Alltag ist da.

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Der Papa mit dem Schwimm-Trauma

Ich habe es sicher schon erwähnt: Ich hasse Schwimmen und Schwimmbäder. Wasser mag ich beim Duschen und zum Trinken.

Das sind harte und absolute Aussagen. Und wenn ich drüber nachdenke. Ich weiß nicht einmal mehr, ob sie in dieser Form noch stimmen.

Am Wochenende hat mich Marc genötigt, mit ihm ins Schwimmbad zu gehen. Er liebt es, ins Schwimmbecken zu steigen. Ich würde nicht davon sprechen, dass er eine Wasserratte ist. Er hat ziemlichen Respekt vor dem Wasser – das ist gar nicht schlecht, eigentlich.

Das Schwimmen hat ihm meine Frau beigebracht. Sie wollte es so. Alle um uns herum schicken ihre Kinder frühest möglich in einen Schwimmkurs. Meine Frau sagt, es muss doch auch Dinge geben, die die Kinder von uns lernen. Man muss die Verantwortung doch nicht für alles abgeben.

Marc kann schwimmen. Es wirkt alles ein wenig hektisch. Er kommt nicht recht ins Schweben. Der Po ist zu schwer – obwohl er alles andere als das ist. Es mangelt irgendwie an der richtigen Technik. Runde um Runde sind wir im Bensheimer Basinus-Bad geschwommen. Unterbrochen haben wir die sportliche Betätigung mit einigen Rutscheinlagen auf der großartigen Tunnelrutsche.

Ich selbst habe spät Schwimmen gelernt – in einem Schwimmkurs. Es ist mir nie leicht gefallen. Und dann hatte ich insgesamt vier Jahre Schwimmen in der Schule. Das hat mich traumatisiert. Wenn ich heute höre, dass jemand mehr als zehn Bahnen Schwimmen kann, ohne in Schwierigkeiten zu geraten nötigt mir das gehörigen Respekt ab. Freistil habe ich nie gelernt, obwohl ich es in der Schule wohl gemacht habe, weil ich es musste.

Und doch sucht der Traumatisierte immer wieder Kontakt zum Wasser.

Und doch sucht der Traumatisierte immer wieder Kontakt zum Wasser.

Mein Verhältnis zum Wasser wäre ohne die Qualen in der Schule ein anderes, glaube ich. Doch jetzt habe ich die große Chance, dieses Trauma zu überwinden, mit den Kindern.

Die zwei Stunden in der Schwimmhalle mit Marc waren schlicht großartig. Wir hatten gemeinsam Spaß, haben uns aufeinander konzentriert. Wir haben viel geredet. Das war echte Qualitätszeit. Tom ist auch ein Wasserfreund. Paukenröhrchenbelastet ist Schwimmbad aber tabu. Wir hoffen, dass er bald ohne die Röhrchen auskommt. Dann wird auch er Schwimmenlernen. Und wieder werden wir es versuchen, wenn wir auch immer wieder daran denken, dass es Schwimmer besser vermitteln können – und auch die Inhalte über Dritte besser bei den Kindern ankommen. Und Nora ist aus dem Wasser gar nicht heraus zu bekommen, wenn sie im Schwimmbad, am See oder am Meer ist. Da kommen noch einige Stunden in Schwimmbädern aller Art auf uns zu, denke ich. Aber warum eigentlich nicht. Der Papa mit dem Schwimm-Trauma sieht Land.

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Handwerken leicht gemacht

Manche werden sich jetzt über diese Überschrift lustig machen, das weiß ich genau. Christoph und Handwerken – das geht nun gar nicht zusammen. Ehrlich gesagt, so schlimm sehe ich das nicht. Richtig ist, dass ich mich zum handwerklichem Tun nur sehr schwer aufraffen kann. Und das ist sicher nicht immer ganz schlau.

Schließlich kann man auch mit den Kindern rudimentäre handwerkliche Basteleien in kurzer Zeit recht effektvoll umsetzen. Um diese Erkenntnis zu gewinnen, mussten wir wieder erstmal einen kleinen Ausflug machen. Beim Pfungstädter Naturfreundehaus „Moorhaus“ gab es gestern ein Kinderfest. Die Vereinsmitglieder haben zahlreiche Stationen aufgebaut. Ganz hoch im Kurs war bei unseren Kindern bis hinunter zur Nora der Geschicklichkeitsparcours. Balancieren und das erschwert mit Dingen in der Hand und auf dem Kopf kam sehr gut an.

Aber auch die Waldwerkstatt übte auf Marc und Tom eine erhebliche Anziehungskraft aus. Ytong-Steine und Holz waren dort für kleinere Basteleien vorbereitet. Tom wollte etwas auf Ytong-Stein schnitzen. Mit der entsprechenden Säge haben wir uns also ein Stück Stein zurecht geschnitten. Mit großem Eifer hat Tom den Stein dann mit verschiedenen Feilen bearbeitet. Das Ergebnis ist eher abstrakt gewesen. Aber zusammen mit Häuschen, das ich mehr schlecht als recht erschaffen habe, hat es für ihn einen Sinn ergeben. Herausgekommen ist aus seiner Sicht eine Art Geschicklichkeitsspiel, bei dem es darum geht, seinen Stein so auf das Hausdach zu legen, dass er nicht herunterfällt. Einfache, aber gute Idee.

Marc wollte lieber ein Schwert aus vorkonfektionierten Teilen machen. Es ging eigentlich nur darum die zwei Teile des Schwert zusammen zu hämmern und das Holz dann zu bearbeiten, dass die Späne und scharfen Kanten verschwinden. Das Hämmern klappte gerade so, aber die Arbeit mit dem Schleifpapier war hervorragend.

Trotz des minimalistischen Ansatzes waren die Ergebnisse wirklich toll. Den Kindern hat es ziemlich Spaß gemacht – und wenn ich ehrlich sein soll: Es war großartig, dass diese Veranstaltung auch mir gezeigt hat, dass ein bisschen Handwerken auf ganz leichtem Niveau überhaupt nicht weh tut.

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Der letzte Weg eines Marienkäfers

Marc hat heute in der Lego-Kiste einen verendeten Marienkäfer entdeckt. Er hat ihm aus Lego-Steinen einen Sarg gebaut. Danach hat er das Ganze in ein Papier gewickelt und einen Grabspruch hinzugefügt. Ganz schön viel Mitgefühl.

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Hilfe, die Schule geht wieder los!

Nein, dieser Aufschrei stammt nicht von unserem Sohn, der am Montag in der 2. Klasse an den Start geht. Er sieht das Ganze durchaus gelassen. Dafür hat der Papa Bammel – spürbar.

In den Fereien herrschte Ruhe. Kein Elternbeiratsabend, keine Sitzung des Fördervereins der Schule. Einfach Ruhe.

Doch jetzt kommen die ersten Mails. Das Planen beginnt. Die Einschulungsfeier der neuen Erstklässler wird von den ehemaligen ersten Klassen gestaltet, Essensspenden, Aufbau, Abbau und so. Dann folgen kurz darauf die ersten Abendtermine. Vorstandssitzungen des Fördervereins, Elternbeiratsabende. Alles sehr wichtig und löblich. Viele Leute schenken den Gremien und dem schulischen Miteinander ihre Zeit. Jeder will für alle nur das Beste. Und dennoch hat man das Gefühl: Irgendwie dreht sich mehr um das Drumherum, als um das, was Schule eigentlich ausmacht.

Ich bin mal gespannt, wie ich in das neue Schuljahr hineinkomme. Um Marc mache ich mir da keine Sorgen.

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