Sprache ist eine komplexe Sache. Wir gehen zwar täglich damit um – und doch hat sie so ihre Tücken. Auch Erwachsenen geht es manchmal so, dass ihnen die richtigen Worte fehlen. Das passende Wort zu finden, ist nicht immer leicht. Da bringt es uns auch nichts, wenn das Wort einem auf der Zunge liegt.

Wie komplex Sprechen und Spracherwerb ist, führen einem natürlich die Kinder eindrucksvoll vor. Von Noras Versuchen habe ich bereits berichtet. Sie ist immer noch auf dem Weg. So richtig ist der Knoten noch nicht geplatzt. Aber es arbeitet wahnsinnig in ihr – und treibt uns so manchmal an den Rand des Wahnsinns.

Die Nächte sind immer noch sehr anstrengend. Das erste Mal beschwert sie sich in der Regel zwischen 0 und 1 Uhr. Eine längere Wachphase legt sie dann zwischen 2 und 4 Uhr ein. In dieser Zeit überfällt sie ein ausgeprägtes Redebedürfnis. Ehrlich gesagt mangelt es ihr zu dieser Uhrzeit an aufmerksamen Zuhörern. Geduldig sagt sie dann aber all die Worte auf, die sie schon einigermaßen beherrscht – eine echte Geschichte wird aber trotzdem nicht draus. „Auto, Oma, Lu, Jaja, Anna, Opa, Mama, Papa, Haus, heiß, Auto, Lu, Jaja, Anna, Butter, Haus…“ So geht es dann in einer Tour.

Irgendwie spürt man, dass ihr das Üben des Sprechens zu dieser Uhrzeit wichtig ist. Sie ist auch gar nicht aus der Ruhe zu bringen. Irgendwann, wenn wir schon lange nicht mehr mitzählen können, wie oft sie einzelne Worte wiederholt hat, dann schläft sie vielleicht auch wieder ein – ohne größere Unruhe zu erzeugen. Und morgens schläft sie sich dann richtig aus. Und wir hoffen weiter, dass sie bald mit sich und ihrer Sprache im Reinen ist und wieder selig durchschlummern kann – und wir mit ihr.

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