Eigentlich wollten wir gar nicht nach Nordhessen, um dort einen etwas ausgedehnteren Ausflug zu machen. Mehr oder weniger ein Zufall hat uns ausgerechnet nach Bad Karlshafen verschlagen, den nördlichsten Punkt Hessens. Fast 300 Kilometer beträgt eine Strecke von daheim. Unterm Strich war die Aktion dann aber doch sehr gelungen.

Die Jugendherberge in Helmarshausen

Die Jugendherberge in Helmarshausen

An einem Tag wollten wir den Ritt hin und zurück dann doch nicht auf uns nehmen. Es wurde mal wieder Zeit, eine Jugendherberge zu bevölkern. In dem Bad Karlshafener Ortsteil Helmarshausen befindet sich eine Jugendherberge der dritten Kategorie. Sie verfügt über 200 Betten. Das Haus hat eine interessante Geschichte. Ursprünglich war es ein Sanatorium für Bergarbeiter. Die Anlage ist in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden. Im Zweiten Weltkrieg ist es zu einem Kinderkrankenhaus umgewandelt worden. In den 70er Jahren stand das Haus drei Jahre leer, bis der Jugenherbergsverband das Haus übernommen hat. Beim Komfort müssen sicher einige Abstriche gemacht werden.

Für die Kinder ist der Aufenthalt in einer Jugendherberge immer etwas Besonderes. Gerade Tom genießt es sehr, sich frei bewegen zu können und zu zeigen, dass er selbstständig ist. Deutlich wird das immer dann, wenn er stolz mit seinem Teller zum Büffet marschiert, um sich doch noch eine Kleinigkeit zu holen. Je mehr Kleinigkeiten, umso häufiger kann man selbstständig sein.

Die Nacht war nicht ganz optimal. Ein Großteil der Familie lag lange wach. Das mag auch mit dieser absoluten Stille zu tun haben. Auch die Lichtverschmutzung ist in dieser Region minimal. Dazu kommt, dass sich der zunehmende Mond schon recht bald vom Himmel verabschiedet hat. Noch nicht einmal irgendwelche Tiere waren in der Nacht zu hören – echt beeindruckend.

Am Nachmittag waren wir noch auf einem Bauernhof mit angeschlossenem Café und vielfältigen Spielmöglichkeiten bis hin zum Minigolf. Ein gefundenes Fressen für die Jungs.

Der Tierpark Sababurg mit Blick auf die Sababurg

Der Tierpark Sababurg mit Blick auf die Sababurg

Höhepunkt sollte aber der Besuch des Tierparks Sababurg werden. Dabei handelt es sich wahrhaft um ein traumhaftes, romantisches Plätzchen. Gerade an diesem Spätsommertag zeigte sich der Zauber auf besondere Art. Wir waren sehr früh am Start. Gegen 9.30 Uhr standen wir an der Kasse. Der Nebel hatte sich noch nicht ganz verzogen. Aber die Sonne setzte mit all ihrer Kraft alles dran, eine klare Luft zu schaffen. Die Tiere waren schon klar zu sehen. Märchenhaft hat sich im Dunst die trutzige Sababurg versteckt gehalten. Tatsächlich können die Kinder mit diesen Schönheiten der Welt nicht unmittelbar etwas anfangen.

Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass die Kinder nicht wirklich begeistert waren – das sollte sich später am Tag dann widerlegen. Nora war zufrieden. Ich musste sie etwa 80 % der Zeit auf meinen Schultern tragen. Der Tierpark gehört zu den größten seiner Art in Deutschland. Da gab es dann einige Kilometer zurückzulegen. Vor allem Tom hat damit dann doch so seine Schwierigkeiten gehabt. Wildschweine, Fischotter, Pinguine: 700 Tiere insgesamt befinden sich auf dem weitläufigen Areal. Wisente und Przewalski-Pferde haben ordentlich Auslauf. Es empfiehlt sich für 1,50 Euro am Eingang einen Bollerwagen mitzunehmen. Dann kann man wenigstens sein Gepäck und das eine oder andere Kind damit transportieren.

Einer der Hauptwege im Tierpark, er wird gesäumt von mächtigen, alten Eichen

Einer der Hauptwege im Tierpark, er wird gesäumt von mächtigen, alten Eichen

Rund drei Stunden waren wir in dem Tiergarten unterwegs. Das ist natürlich viel zu kurz. Es gibt einen Spielplatz, ein Museum und selbstverständlich auch einen Shop. Essen und Trinken kann man mitbringen, man kann sich aber auch vor Ort versorgen. Der Tierpark Sababurg ist eine klare Ausflugsempfehlung – da lohnt sich auch einmal eine längere Anreise.

Dass es den Kindern wohl doch sehr gut gefallen hat, zeigte sich dann am Abend, als Marc und Tom der Nachbarin erzählt haben, welche Tiere sie gesehen haben. Da wussten wir dann doch, dass wir vieles mit unserem Ausflug richtig gemacht haben.

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