MonthDezember 2011

Das Jahr ist am Ende

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke. Schockierend. Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Klar, der Blick auf die Kinder und deren Entwicklung führt einem deutlich vor Augen, dass die Zeit rasend schnell vergeht. Das ist eben immer so – und bei jedem.

Es war ein ereignisreiches Jahr. Für mich persönlich, aber auch für die Familie. Das wird mir erst so richtig klar, wenn ich heute zurückblicke. Irgendwie sind wahnsinnig viele, eigentlich intensive Momente zu sehr an mir vorbeigegangen. Ich habe mich zu viel mit mir selbst beschäftigen müssen. In vielen Situationen war ich nicht so nah an den Kindern dran und bei der Familie, wie ich es hätte sein wollen.

Daraus ergeben sich natürlich Vorsätze für das Jahr 2012. Das wird wieder ein ereignisreiches Jahr mit radikalen Änderungen im Gefüge. Massiv wird der Wiedereinstieg meiner Frau in das Berufsleben. Nora wird den Gang in den Kindergarten antreten. Für alle diese Dinge bin ich zuversichtlich – und doch bleibt ein Rest an Unsicherheit.

Mein Tipp für die Mütter und Väter, die es schon sind oder noch werden wollen. Genießt die Zeit mit den Kindern gerade in der frühen Phase ihres Lebens. Ich habe in diesem Jahr an dieser Stelle nicht alles richtig gemacht.

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Von der Geburt bis zum Tod

Es sind manchmal die unverfänglichsten Situationen, in denen sich tiefsinnige Gespräche mit den Kindern ergeben. Die Kinder ins Bett bringen ist eine absolute Standardsituation. Vor dem Einschlafen wird auch in der Regel etwas vorgelesen. Heute war Marc etwas früher als die anderen fertig. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns gemeinsam in sein Bett gelegt. Ich habe etwas über körperliche Gebrechen geklagt. Und dass diese etwas mit dem Alter zu tun haben und dass es immer schlimmer wird. Sachen, die man so vor sich hinsagt. Irgendwann, habe ich gesagt, sinkt man dann nur noch ins Grab.

An dieser Stelle habe ich seinen Nerv getroffen. „Du musst aber noch 59 Jahre leben!“ Dann wäre ich 100. Das scheint für Marc eine magische Grenze zu sein. Ich will mir Mühe geben und alles dafür tun, habe ich gesagt. Ich habe die Schraube weitergedreht – und weiß nicht, ob das richtig war. „Man lebt, um irgendwann zu sterben.“ Marc ist traurig geworden. „Das will ich nicht. dann will ich gleich gar nicht mehr geboren sein. Das ist doch sinnlos.“ Das hat mich beeindruckt und ich habe mit einem Verweis auf die Gründung einer Familie die Kurve bekommen und, dass das Leben viel Spannendes zu bieten hat.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns heute Abend nicht das letzte Mal über Geburt, Leben und Sterben unterhalten haben. Interessant, dass unser kleines Gespräch ausgerechnet kurz vor Weihnachten stattfand.

Übrigens: Ganz unbeschwert hat sich Tom in unsere Unterredung eingeschaltet. „Bevor man stirbt, kann man doch noch Opa werden.“ Und das stimmt.

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Ein halber Tag im Krankenhaus

Über Krankheiten und andere Dinge, die möglicherweise zu stark die Persönlichkeitsrechte meiner Kinder tangieren, möchte ich mich hier nur in geringem Ausmaß auslassen. Und wenn es heute um das Thema Untersuchung in einem Krankenhaus geht, dann möchte ich nicht all zu sehr ins Detail gehen, um die Rechte von Tom zu wahren. Aber einige Begebenheiten waren dann doch so einschneidend, dass ich es für sinnvoll halte, davon zu berichten.

Ich will auch gar nicht erwähnen um welches Krankenhaus sich handelt – niemand soll sich konkret auf den weißen Kittel getreten fühlen. Ich glaube vielmehr, dass einem solche Dinge in jedem x-beliebigen Hospital widerfahren können.

Der Tag der Voruntersuchung im Vorfeld eines kleinen operativen Eingriffs kann sehr lang werden – das wissen wir mittlerweile. Heute haben wir gut vier Stunden in der Klinik verbracht, was durchaus in Ordnung ist. Tom war sehr tapfer und sehr geduldig.

Erste Station: Das Gespräch in der Fachabteilung. Ein junger Arzt, der gerade seinen Facharzt macht, hat die Anamnese übernommen. Er fragt mich unter anderem, wie schwer und wie groß Tom ist. Ehrlich gesagt: Diese Frage kann ich nicht so einfach auf die Schnelle beantworten. Wir fangen an zu schätzen. „Stell‘ Dich doch einmal hin….Also der Tisch ist ja wahrscheinlich so 80 Zentimeter…sagen wir also 115 Zentimeter.“ Das Gewicht? „So um die 20 Kilogramm.“ Später habe ich in der Abteilung eine Waage gesehen. Die hätte man einfach benutzen können.

„Wird denn auch Blut abgenommen?“ „Das Kind ist gesund, da brauchen wir das eigentlich nicht. Wenn Sie wollen, können wir das machen.“ Ich habe gedacht, dass das für die Narkose notwendig ist…“ „Nicht unbedingt, aber wir können das machen. Dann müssen Sie nachher noch kurz in die Kinderklinik.“

Dann folgt ein Abtasten und eine Ultraschalluntersuchung. „Alles in Ordnung.“ Na, dann ist ja gut. „Ich hole jetzt noch den Facharzt für eine Beurteilung.“ Recht schnell war der Facharzt. „Nach diesem Befund können wir den Eingriff vornehmen, aber wir müssen nicht.“ Ich sage: „Die Entscheidung ist nach einer Vorstellung in Ihrem Hause aber schon gefallen. Morgen ist die OP. Oder was sollen wir machen?“ „Ja gut, dann machen wir die OP.“

Nächste Station: Labor. Untersuchung der Urinprobe und weitere Planung des Tages. Die Arzthelferin am Telefon zur Kinderklinik: „Wir haben einen kleinen Patienten für eine Blutentnahme. Können Sie das machen?…Ach so. Na dann. Auf Wiederhören.“ Die Arzthelferin sucht den Arzt auf. „Kannst Du mir einen Gefallen tun und die Blutentnahme machen?“ „Muss das sein?“ Eine andere Ärztin taucht auf. Er: „Kannst Du bei einem Kind eine Blutentnahme machen? Hast Du das schon einmal gemacht?“ Sie: „Auf keinen Fall. Was ist, wenn der um sich schlägt?“ Also muss der junge Mann in den sauren Apfel beißen. Ich beruhige ihn. „Der Tom macht das schon.“ Lokalanästhetikum. 20 Minuten warten. Mutig schreitet der Mann zur Tat. Tom verzieht kein Gesicht. Ein bisschen Zittern war bei dem Mediziner schon dabei. Alles hat gut geklappt. Tom hat sich über das Pflaster gefreut – und noch ein weiteres für daheim mitbekommen. Ich frage den Arzt: „Und, wie war es?“ Er, erleichtert: „Es war okay.“ Na dann.

Nächste Station: Anästhesie. 45 Minuten Wartezeit. Und da war sie wieder, die Frage. „Wie schwer ist das Kind?“ Ich weiß es immer noch nicht. Ein Anruf, ein Blick in das Untersuchungsheft. „Vor einem Jahr wog er knapp 16 Kilo. Sagen wir 18.“ „Wissen Sie, für die Narkose brauchen wir schon einen einigermaßen genauen Wert.“ „Ja, ich weiß.“ Ich denke mir, dann wäre es doch besser, den kleinen Kerl einmal zu wiegen. Denken darf man ja. Nach einem kurzen Gespräch über schlaflose Nächte mit Kleinkindern – die Ärztin ist erstmals schwanger, ziehen wir wieder los zu der Aufnahme der Fachabteilung, wo wir uns abschließend noch einmal melden sollen. Dort sind aber um 15.30 Uhr schon die Monitore abgebaut. Zum Glück haben wir noch die Arzthelferin von vorhin aufgetrieben.

Morgen geht es dann zur OP.

PS: Auf der Pritsche liegend und unter vier Augen sagte Tom zu mir: „Papa, ich weiß nicht genau, was ich einmal werden will. Bauarbeiter oder Arzt.“ Zuhause klärte er uns schließlich auf. „Ich habe mich entschieden. Ich will Arzt werden.“

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