Am Sonntag haben wir vier Fünftel der Familie Kultur verordnet. Auf dem Programm stand ein Familienkonzert im Staatstheater Darmstadt. „Moldau und Meereswogen“ lautete das Motto.

Das Ganze war natürlich auch ein Experiment. Wir vermuteten, es könnte klappen mit Marc (7) und Tom (5). Smetanas Moldau wurde intensiv von Schülern des Goethe-Gymnasiums in Bensheim besprochen und humorvoll kommentiert. Das hat Marc gut gefallen. Später sollte er sagen, dass das Orchester zu lange gespielt hat. Tom hat sich eigentlich von Beginn an gelangweilt.

Interessant war: Ich hatte das Gefühl, dass ihn die Musik unterbewusst inspiriert. Wenn ich ihm gesagt hätte: „Geh doch auf die Bühne und tanze“, wäre er wahrscheinlich aufgeblüht. Es hat ihn irgendwie geärgert, dass er sitzen musste und seine Kreativität bändigen musste. Als nämlich einer der Jungen auf der Bühne fragte, was die Kinder in einer Passage gehört haben, war er der erste, der sich meldete. Er kam zu allem Überfluss auch noch als erster an die Reihe. Wir haben den Atem angehalten. Und er sagte: „Eine Wiese mit Blumen.“ Als er realisiert hatte, dass das Mikrofon seine Aussage in den ganzen Saal ausstrahlte, schnaufte auch er nach seinem Einsatz tief durch. Später im Auto hat er gesagt, er sei nicht aufgeregt gewesen. Marc war ehrlich und hat gesagt, dass er sich das nicht getraut hätte.

Meine Frau und ich haben das Konzert genossen. Man konnte mal ein bisschen abschalten. Anstrengend war nur, dass wir Tom bei Laune halten mussten. Wie gesagt, es war ein Experiment, das leider in Teilen doch gescheitert ist. Wenn es ein rasches nächstes Mal gibt, werden wir Tom nicht überfordern und ihn zu Hause lassen – und es mit ihm in zwei Jahren wieder probieren.

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