MonthMärz 2012

Rein! Arm! Auf! Da! – der Befehlsjargon des Kleinkinds

Die ersten Worte haben wir aufgeschrieben. Es sind Mama, Papa und ich meine, so etwas wie das Wort „Geil“ identifiziert zu haben. Dann kam schnell das „da“, Ball oder Wau Wau hinzu. Was aber viel besser funktioniert, sind Worte wie „Arm“, was bedeutet: Nimm mich sofort hoch. „Rein“ – was für das Anziehen von Söckchen ebenso gut funktioniert wie für Schlüssel oder auch für Tierfutter, das man im Streichelzoo in die Ziege stopft.

Alfabet. Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de

Alfabet. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

„Mehr“ steht bei uns nicht nur dafür, dass etwas gut geschmeckt hat und nach einem Nachschlag verlangt wird, sondern wird synonym auch für „Schmeckt mir nicht, sofort etwas anderes her“ verwendet. Entzückend sind natürlich „Mama“ und „Papa“, wobei diese Zuordnungen auch schon einmal entweder verwechselt werden oder nach dem Besuch der Oma plötzlich auch Oma Mama heißt.

Die ersten Worte zu begleiten, ist eine wunderschöne Phase. Man freut sich über jedes neue Wort. Die Kanarienvögel sind zwar wahlweise noch „Wau wau“ oder „Piep Piep“, dafür gibt es klare Zuordnungen zu Nase, Ohr, Mütze und Hose. Und zum Bauch (Bau).

Als wir heute beim Bäcker an der Schaufensterscheibe mit dem Kinderwagen vorbeigefahren sind, da hieß es: „Rein“. Und ja – ich habe den Befehl befolgt und ein Rosinenstütchen erstanden. So wie wir viele Befehle befolgen. Mehr – wird gemacht. Rein, rauf, raus, Arm!

Und eine Szene beschäftigt mich schon einige Tage: Wir saßen am vergangenen Sonntag bei einem Vortrag für werdende Eltern und der Kleine war dabei. Alle hörten andächtig zu, nur er halt nicht, denn er wollte aus seinem Wagen „RAUS – RAUS“. Und da schauten die Elternpaare in spe allesamt etwas verstört, wie das Kind denn so einen Lärm machen kann.

Wenn die wüssten…

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Die Toilettenfrage

Es ist nicht ganz ungefährlich, sich öffentlich über das Schulleben zu äußern. Das gilt vor allem dann, wenn die eigenen Kinder voraussichtlich noch rund sieben Jahre die betreffende Schule besuchen werden.

Hier geht es allerdings gar nicht um die Schule, sondern vielmehr um das Thema Erziehung. Nein, dieser Begriff ist ein wenig geächtet. Ich spreche an der Stelle lieber von Wertevermittlung und der Frage, wie ein Zusammenleben überhaupt möglich ist. Und noch hochtrabender: Wie ist Gesellschaft möglich?

Die Schule ist hier also nur ein Ort der Beobachtung. Seit einigen Tagen sind die Toiletten während der Unterrichtszeiten abgeschlossen. Es haben sich Fälle des Missbrauchs der Anlage gehäuft (sic!). Hausmeister und Reinemachefrauen sahen sich nicht mehr im Stande, die mutwillig herbeigeführte Zerstörung und Verschmutzung zu beseitigen. Es wird davon gesprochen, dass alles auf den Toiletten passiert ist, was man sich vorstellen kann aber nicht vorstellen will.

Lehrer und Eltern sind baff. Aber gerade Letztgenannte tragen die Hauptverantwortung für das, was wohl vorwiegend oder ausschließlich auf den Jungentoilette geschieht. Hier kommt für mich das Thema Wertevermittlung ins Spiel. Welche Werte werden den Kindern vermittelt? Werden überhaupt Werte vermittelt? Große Worte können viele der Schüler führen. Macht ausüben und unterdrücken können auch einige perfekt. Gewalt, noch nicht einmal als letztes Mittel, wird auch gern eingesetzt (hier geht es nicht um Raufen sondern um bewusstes Verletzen). Achtung vor dem Eigentum und der Unversehrheit Dritter gehört offensichtlich bei einer ausreichend großen Zahl von Menschen hierzulande nicht mehr zum Wertekanon – und das zeigt sich eben gern bei Kindern und Jugendlichen.

Sicher ist es nicht der Großteil der Kinder, die sich an oben genannten „Werten“ orientieren. Allerdings muss man die Frage stellen dürfen, wie groß der Anteil an Kindern und Familien mit solcher Wertorientierung sein darf, bis Gesellschaft und das Zusammenleben nicht mehr funktioniert.

Einigermaßen moralisch bin ich damit heute leider geworden. Allerdings steckt in dem Beobachteten eine große Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Ein Ansatzpunkt, ein ganz kleiner, aber sicher ein ganz wichtiger: Wir müssen wertschätzend und voller Achtung unseren Kindern begegnen. Nur so ist es möglich, dass sich Kinder auch anderen Menschen und dem Eigentum Dritter entsprechend verhalten.

Ich bin nun gespannt, wie sich dieses ganz spezielle Thema an der Schule entwickeln wird. Hat vielleicht jemand der Leser Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gemacht. Welche Lösungsansätze für dieses ganz spezielle Problem gibt es? Ich freue mich auf Feedback.

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Von Prinzessinnen und Pferden

Ausritt

Eigentlich gibt es bei uns kein geschlechtsspezifisches Spielzeug von Anfang an. Marc war noch ein ganz kleiner Kerl, als wir ihm die erste Puppe gekauft haben. Er sollte ruhig mit allem möglichen spielen, nicht nur mit Autos und Baggern.

Tom haben wir ebenfalls den Zugang zu unterschiedlichem Zeitvertreib ermöglicht. Noch heute werkelt er gern in der Spielküche und bedient uns mit selbstgemachtem Ungenießbarem. Die Puppen waren nur zeitweise von Interesse. Für beide Jungs. Er ist und bleibt offen für alles, wenn er auch den Druck durch seinen großen Bruder deutlich spürt.

Marc ist heute ein echter Jungsspielzeugbespieler. Natürlich wird die meiste Zeit des freien Spiels mit Lego Star Wars verbracht. Videospiele stehen auch sehr hoch im Kurs (gut, dass Papa da schon vorgesorgt hat). Tom ist ein leidenschaftlicher Gesellschaftsspieler. Es fällt ihm ich nicht einmal schwer, Brettspiele mit seiner zweijährigen Schwester zu spielen, die noch sehr häufig eine andere Vorstellung von Spielregeln hat.

Und was ist mit Nora? Nora findet nun wirklich reichlich Spielzeug für Jungs vor. Sie hat davor auch keine Scheu. Aber ihr Umgang mit der Puppe, mit der sie auch nicht wirklich intensiv spielt, hat einen ganz anderen Charakter als der Umgang der Jungs mit der Puppe. Und natürlich ist alles faszinierend, was rosa ist. Und davon haben wir nun wirklich nicht sehr viel. Auch das Wort Prinzessin in ihrer eigenen Sprechweise führt sie häufig im Mund. Sie hat auch Pferde als Tiere erkannt, die ihrer besonderen Zuwendung bedürfen. Am Wochenende hat sie zu unserem Erstaunen eine ganze Pferdekoppel voll dieser Vierbeiner aus Bügelperlen erschaffen. Das Bügeleisen war gefühlt rund um die Uhr im Einsatz. Mal sehen, welche weiblichen Perspektiven sie noch in den weitgehend von Jungs dominierten Alltag einbringt. Da wird noch einiges kommen.

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Telegramme: Nora zieht nach

Lange habe ich nichts mehr über die Sprachentwicklung von Nora geschrieben. Nora ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Das ist ein ganz großartiges Alter (welches Alter ist bei den kleinen Kindern eigentlich nicht großartig, wenn man das Ganze mit ein wenig Distanz betrachtet?). Ihr Wortschatz erweitert sich täglich. Nicht immer geht sie offen mit ihren Kenntnissen um. Aber sie findet doch immer öfter schlagfertige Repliken auf bestimmte Aussagen und in vielen Situationen.

Heute hat Nora mal auf den Tasten der Geschirrspülmaschine herumgedrückt und damit das Programm verstellt. Meine Frau hat es nicht bemerkt. Sie war am Ende des vermeintlichen Spülgangs umso schockierter, als sie feststellen musste, dass das Geschirr noch dreckig und der Spültab zwar schäumte, seine Wirkung aber nicht entfalten konnte. Ihr Gedanke: Die Maschine ist wieder kaputt. Doch beim neuerliche Anwerfen zeigte sich, dass der Geschirrspüler auf Vorspülen eingestellt war. Nora wurde zurechtgewiesen: „Das darfst Du nicht machen. Sonst glaube ich, dass die Maschine kaputt ist.“ Noras Antwort und Lösung bei Problemen mit der Maschine: „Neue Batterien!“

Am Wochenende stand Papa auf der Leiter und rückte mit Säge bewaffnet der Birke vor dem Haus zu Rinde. Irgendwie war mir von beginn an klar, dass es sich hier um ein gefährliches Eingreifen in die Natur handeln würde. Kurz gesagt: Ich habe einen Ast abgesägt, der einen von mir übersehenen Astbestandteil mit sich trug. Dieser war recht spitz und bohrte sich in meine Stirn. Das Ergebnis: eine leichte Blessur und echter, geringer Blutverlust. Beim Essen ist es Nora dann aufgefallen. Ihre Diagnose: „Dirn, Sosse!“ (Übersetzung und Ausformulierung in einen ganzen Satz: „Papa, Du hast Soße auf der Stirn!“)

Erste, zarte Versuche, Telegramme zu senden und damit zu zeigen, dass sie die Welt nicht nur versteht, sondern das Beobachtete sogar in Sprachform gießen kann. Großartig.

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Der Tastator

Vor einigen Monaten ist ein Klavier bei uns eingezogen. Es hat eine vorübergehende Bleibe gefunden – mit der Option sich dauerhaft bei uns einzunisten.

Die Chancen für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung stehen ganz gut. Irgendwie hat es sich schon nach kurzer Zeit zu einer Art Familieninstrument entwickelt.

Piano-Kid

Tom hat sich früher auch schonmal an einen Kawai-Flügel gesetzt. So professionell geht es bei uns noch nicht zu.

Angeschafft haben wir es für unseren Tänzer Tom, der schon im vergangenen Jahr gesagt hat, das er gerne Klavier spielen möchte. Noch kurz vor Weihnachten haben wir uns für ein rund 30 Jahre altes Klavier von Yamaha erwärmen können. Seit einigen Wochen kommt sein Klavierlehrer regelmäßig zu uns ins Haus. Er findet, dass Tom durchaus Talent besitzt. Und tatsächlich merkt man Fortschritte von Woche zu Woche.

Ich glaube bezüglich des Lernens von Musikinstrumenten eher an einen spaßorientierten Ansatz. Ich glaube, wenn die Kinder Spaß am Musizieren haben, dann bleiben sie der Sache irgendwie treu. Niemand muss schließlich Profimusiker werden. Übermäßiges Trietzen ist sicher kontraproduktiv. Das gilt auch für das Lernen im Allgemeinen. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema.

Tom scheint es in jedem Fall Spaß zu machen. Sehr häufig geht er zum Klavier und spielt mal mit der rechten, mal mit der linken Hand seine Songs: Alle meine Entchen; Kuckuck, Kuckuck; Jingle Bells. Noch interessanter ist, dass er auch ans Klavier geht, wenn mal wieder ein bisschen dicke Luft herrscht. Augenscheinlich nutzt er das Instrument auch zum Stressabbau bzw. zum Gedankenwechsel. Das scheint mir ein schöner Nebeneffekt von dem Ganzen zu sein.

Der Rest der Familie ist auch immer wieder einmal am Klavier zu finden. Ein Klavier ist einfach ein wunderbares Instrument. Wer Noten lesen kann, kann schnell mal eine Melodie klimpern. Das kann sogar ich, der ich arg leidlich in früheren Zeiten ein paar Griffe auf der Gitarre gelernt habe. Meine Frau ist auch mehr auf der Gitarre zu Hause. Marc führt diese zarte Tradition fort. Und alle sitzen immer wieder vor dem Töne erzeugenden Nussbaummöbel, um ein bisschen Spaß der anderen Art zu haben.

Damit dürften auf Dauer neben dem Videospielgedudel in unserem Hause auch immer wieder Klaviertöne zu hören sein. Schön.

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