Um den Begriff Vorurteil ranken sich viele Vorurteile. Eines davon ist, dass Vorurteile schlecht sind. Das sind sie natürlich nicht. Vorurteile helfen uns, den Alltag zu meistern. Sie geben Orientierung und Halt. Entscheidungen sind nur mit Hilfe von Vorurteilen und Vorannahmen möglich. Unsere Erfahrung ist ein Schatz an Vorurteilen.

Ein Vorurteil wird zu einem Problem, wenn es zu Intoleranz und unumstößlichen Urteilen führt. Und zwar aus Sicht desjenigen, der das Objekt von Intoleranz und Urteil wird.

Beispiel dafür gibt es natürlich täglich und überall. Im Makrokosmos und im Mikrokosmos. Und es gibt für entsprechendes Verhalten leider keine Altersgrenzen. Und jetzt komme ich zu meiner kleinen Geschichte.

Tom tanzt wahnsinnig gern. Das macht er in einer Tanzschule und im Kindergarten. Gestern nun trat er ein wenig verzweifelt an meine Frau heran. Zwei seiner Freunde haben ihm gesagt, dass Tanzen nur etwas für Mädchen ist. Das hat ihn schwer getroffen, klar. Nun kann man ja sagen: Das ist doch nur ein Geplänkel unter Kindern. Ich finde aber, dass man über so etwas nachdenken und reden kann – auch mit Kindern. Wir haben die Jungs darauf angesprochen und gesagt, dass das doch gar nicht stimmen würde. Da kam der Bumerang dann von dem Vierjährigen zurück – mit einem Grinsen im Gesicht. „Natürlich stimmt das.“

Okay, diskutieren macht keinen Sinn. Leider macht es auch keinen Sinn, mit den Eltern über Werte und Toleranz zu sprechen. Und darüber, dass es negative Vorurteile gibt, die andere verletzen und verärgern.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass man möglichst eine Atmosphäre der Toleranz, Wertschätzung und Empathie in seiner eigenen Familie lebt, damit diese Werte auch bei allen ankommen. Der zweite Punkt ist der, dass man andere Menschen nicht ändern kann. Insofern kann man nur versuchen, seine Kinder stark zu machen und sie zu selbstbewussten Individuen erziehen, die solche Aktionen schadlos wegstecken können und tapfer auf ihrem Weg bleiben.

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