MonthSeptember 2012

Was die Welt verdient

Dialoge während der Autofahrt können manchmal sehr interessant sein. Bei uns geht es in der Regel recht kommunikativ zu. Manchmal sind es Redebeiträge, die, sagen wir mal, nicht zu 100% in die Lebenswelt von Mama und Papa hineinpassen. Allerdings empfiehlt es sich immer, zumindest teilaufmerksam den Ausführungen aus dem Fond zu lauschen.

Die Kinder waren gestern mit mir bei der offiziellen Großveranstaltung zum Weltkindertag in Darmstadt unterwegs. Es gab viel zu erleben. Die Kinder wurden ordentlich aktiviert. Ich habe mit Vertretern vom Kinderschutzbund und anderen über unterschiedliche Themen gesprochen. Das Motto des Tages war sehr schön gewählt: „Zeit für Kinder“. Das ist ja auch eines meiner Themen und es ist gut zu sehen, dass es auch Thema vieler anderer Eltern ist.

Nachdem wir also unser Ständebesuchsprogramm absolviert hatten, ging es wieder nach Hause. Die Stimmung war gut, alle waren etwas erschöpft. So richtig wach wurde ich, als Marc etwas sehr Interessantes sagte. „Papa, die Welt hat es auch verdient, einmal zu sterben.“ Schwere, schräge Gedanken. Aber ich habe natürlich nachgehakt, um mehr zu erfahren. „Die Erde arbeitet schon so viele Jahrmillionen schwer. Wenn Bäume wachsen, ist es so als würden wir Zähne bekommen. Und das tut uns doch auch weh.“ Tom ergänzte: „Und das Gras ist wie die Haare.“ „Vielleicht gibt es ja schon andere Planeten mit Menschen“, sagte Marc dann noch. So komme dann eben jemand anderes an die Reihe.

Irgendwie klingt das Ganze dann doch plausibel. Alles, was Marc sagte, sagte er mit einer großen Ruhe. Es war keine Angst oder Furcht in seiner Darstellung. Jedes Ende beinhaltet einen Anfang. Wenn etwas vergeht, kann Neues entstehen. So kennen wir die Sätze.

Ich war jedenfalls froh, dass ich in diesem Moment nicht nur teilaufmerksam, sondern sehr aufmerksam war. Und dass ich die Ruhe besessen habe, ernsthaft und interessiert nachzufragen. Für mich war das ein wahrlich wertvolles Gespräch, indem ich etwas über die Welt und meine Kinder gelernt habe.

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Etwas zwischen barfuß und Lackschuh

Harald Juhnke stand wie kein zweiter für „Barfuß oder Lackschuh“. Nora steht wie keine zweite für die Frage „Halbschuh oder Sandalen?“

Nora liebt Sandalen. Sie wirken wahrscheinlich femininer. Heute kam sie wieder, die Frage „Halbschuh oder Sandalen?“ Der Herbst naht in großen Schritten, daher stellt sich die Frage eigentlich immer weniger. Doch Nora stellt sie.

„Nein, nicht Halbschuhe!“ An einem frühherbstlichen Morgen, wie es heute einer war, geht das nun wirklich nicht. Aber ich habe schon gemerkt, dass ihr Problem eher grundsätzlicher Natur ist. Mein Entgegenkommen: „Wir kaufen bald neue!“ Da habe ich natürlich den Nerv der kleinen Frau getroffen. Große Augen. „Aber Rosa, nicht Braun.“ Ich gestehe hier öffentlich, dass unsere Kinder gelegentlich wenig getragene Schuhe ihrer Geschwister auftragen. Und Nora hat nun einmal zwei Brüder. „Ja, die nächsten Schuhe sind Rosa.“

Äußerlichkeiten, und da natürlich vor allem Kleidung, haben tatsächlich eine andere Bedeutung für Nora als für ihre beiden Brüder. Sie besteht in der Regel darauf – außer sie vergisst es einmal -, Kleider anzuziehen. Es reicht ihr auch, wenn man etwas kleidähnliches über alles andere drüberzieht. Ihre Begründung: „Im Kindergarten alle Kinder schön.“

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Yoga oder: Die Maus im Haus

Solo habe ich das Bild schon auf Facebook gepostet. Aber ich finde, man kann noch mehr draus machen. Nämlich einen hübschen, kleinen Beitrag auf Passionpapa.de.

Nora ist bekanntlich vor Kurzem 3 Jahre alt geworden. Es wird Zeit, etwas über ihre Geschenke zu sagen. Wir haben von Nachbarn, deren Kinder aus dem Puppenhausalter herausgewachsen sind, ein wunderbares Puppenhaus vererbt bekommen. Das Puppenhaus stand schon länger bei uns im Keller. Es war klar, wenn Nora drei wird, bekommt sie das Haus.

Alles, was fehlte, waren die Möbel und Figuren. Allerdings haben wir da eine hervorragende Versorgungsstation gefunden. Schlafzimmer, Küche und Figuren haben wir dort schon früher besorgt und Nora einfach so zum Spielen gegeben. Mit Wohnzimmer, Esszimmer und Bad ist jetzt alles komplett – und das Haus gab es eben auch noch obendrauf als Geschenk.

Respekt vor der Maus im Haus.

Respekt vor der Maus im Haus.

Tom ist auch ein Puppenhausbespieler. So hat er sich in Zusammenarbeit mit Nora vor allem um die Einrichtung gekümmert. Die Versorgung der Menschen ist die Sache von Nora – und auch deren Unterbringung. Wenn nun also das Haus unbespielt in unserem Haus ruht, nehmen die Figuren eine ganz besondere Position ein. Sie hängen kopfüber an ihren Füßen am Rand des Dachbodenbodens. Als jetzt ein guter Freund zu Gast war, fragte er, von wem denn diese Documenta-Installation sei. Es stimmt, irgendwie hat die Aufhängung etwas mit Kunst zu tun, im Auge des Betrachters.

Noras Begründung ist da viel praktischer. In dem Haus gibt es Mäuse, sagt Nora. Da sollten sich die Menschen lieber in Sicherheit bringen.

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Das Geschwafel von objektiv und subjektiv

Als ich gestern Abend das Haus verlassen habe, war mein Pulli feucht auf der linken Schulter. Marc war eigentlich schon im Bett. Das Zu-Bett-Bringen ist alles andere als optimal verlaufen. Er kam nochmal runter, um mich erneut mit seinem Vorwurf zu konfrontieren. Wir würden immer sagen, dass Tom alles besser kann als er.

Auslöser war ein ganz banales Ereignis. Ich habe bis 20 gezählt, damit sich die beiden rasch ihr Schlafgewand anziehen. Das erste Mal seit gefühlt Jahrzehnten war Tom schneller als Marc. Das habe ich dann auch so erwähnt, okay ich habe es betont, ihn gelobt – und schon setzte der Tränenfluss ein.

Mein erster Gedanke: Es ist objektiv falsch, was Marc da behauptet, das Gegenteil ist der Fall. Ganz objektiv. Und schon arbeitet mein Gehirn an der entsprechenden Argumentationskette ein. Das Gefasel von objektiv und subjektiv, was ein Kind gar nicht verstehen kann. Das Aufzählen von Fällen, in denen es nicht so ist, wie von ihm behauptet. Gegen die Emotion setze ich eine Wand von kognitivem Wahnsinn. Das Ergebnis: Frontalzusammenstoß. Eine verfahrene Situation mit keiner Aussicht auf Lösung. Irgendwann wollte ich dann auch nicht mehr. Ich war auf dem Sprung und schließlich sauer auf Marc, der mich nicht verstehen wollte.

Falsch: Er konnte mich nicht verstehen. Seine Verletztheit, Betroffenheit ist eben nicht objektiv. Sie ist so subjektiv, wie etwas nur subjektiv sein kann. Er hat in diesem Moment diese Empfindung, die er sonst vielleicht auch manchmal hat. Und wenn er diese Empfindung hat, dann habe ich sie ernst zu nehmen. Das erfordert dann eine andere Reaktion. Später sind mir dann erst diese Gedanken gekommen. Einen Tick zu spät. Aber nicht zu spät, um es beim nächsten Mal bei einem der Kinder nicht besser machen zu können. Ich versuche zu lernen, täglich, in jeder Minute.

Kurz bevor ich aus dem Haus ging, kam Marc also noch einmal die Treppe herunter. Mit Vorwürfen. Aber es war auch ein Versöhnungsangebot. Und er hat den ersten Schritt gemacht. Das war ganz groß.

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77 Jahre Abstand

Nora 3

Nora 3

Heute war wieder einmal ein großer Tag. Ich habe ja bereits davon berichtet, dass Nora in den Kindergarten geht. Heute nun ist sie auch passend dazu 3 Jahre alt geworden.

Was soll ich dazu noch sagen? Die Zeit rennt, es ist unglaublich.

Drei Jahre begleitet sie uns nun schon durchs Leben. Das gilt natürlich auch andersherum. Es waren drei großartige Jahre, für jeden einzelnen in unserer Familie, aber auch für das ganze System. Es ist ständig alles im Fluss. Die Komplexität ist mit Noras Geburt deutlich gestiegen, keine Frage. Wir waren und sind froh, dass Kind Nummer drei ein Mädchen geworden ist – und natürlich hätten wir auch einen Jungen genommen und ihn genausigeliebt wie Nora.

Der dritte Geburtstag ist auf jeden Fall ein Anlass, sich mal wieder Gedanken über die Familie insgesamt und jeden einzelnen in der Familie zu machen. Und natürlich soll dieser Tag auch gebührend gefeiert werden. Dieser Geburtstag wird intensiver als die vorherigen von dem Kind erlebt.

Und tatsächlich gab es heute etwas zu Feiern, und zwar auch noch ein anderes wichtiges Jubiläum. Mein Vater ist vorgestern 80 geworden. Die Party war dann für heute angesetzt. Klein-Nora war kurzzeitig in der Gefahr, nicht gebührend gewürdigt zu werden. Aber auch sie hatte in der Gaststätte einen eigenen Geburtstagstisch. Unser Haus haben wir ein wenig mit Girlanden geschmückt. Beim Frühstück und auch schon davor stand Nora im Mittelpunkt. Und trotzdem weden wir irgendwann in den kommenden Wochen noch einmal mit der Familie nur ihren Geburtstag feiern. Das hat sie sich verdient.

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