Die drei Protagonisten des Buches "Kathrinchen Zimtstern"

Kathrinchen Zimtstern, Johann Knatterburg und Arthur Grimmbart - die drei Protagonisten des Buches von Bastian Backstein (Illustration: Gunter Springsguth).

Kürzlich ist ein sehr liebevoll geschriebenes und illustriertes Buch auf den Markt gekommen, das wir Euch besonders ans Herz legen wollen. Es gibt natürlich massenhaft Neuerscheinungen auf dem Kinderbuchmarkt – gerade ist ja erst die Buchmesse in Frankfurt zu Ende gegangen. Aber dieses Buch basiert auf einer ganz besonderen Idee: Es entführt den Leser und die kleinen Zuhörer nämlich in eine fantastische Welt rund um traditionelle erzgebirgische Weihnachtsfiguren. Das macht „Kathrinchen Zimtstern – Die Geschichte vom verschwundenen Engelchen“ natürlich zu einer perfekten Vorweihnachts- und Weihnachtslektüre. Dazu kommt noch, dass die Abenteuer des zauberhaften Wesens in 24 Kapiteln erzählt werden – das kommt Euch doch sicher bekannt vor.

Wir hatten nun die Gelegenheit, mit dem Autor des Buches, Bastian Backstein, zu sprechen. Es geht dabei um die Unterschiede zwischen Afrika und dem Erzgebirge, weihnachtliche Traditionen und den Begriff Heimat.

Bastian Backstein und ein Flachshaarengelchen.

Bastian Backstein mit einem Flachshaarengelchen aus den Werkstätten Flade, Olbernhau.

passionpapa.de: Bastian, was bedeutet Dir Heimat?

Bastian Backstein: Heimat ist für mich das Fleckchen Erde, an dem ich meine Wurzeln habe und das mich in meiner Kindheit geprägt hat. Selbst wenn wir später woanders ein Zuhause finden und uns wohlfühlen, bleibt eine spezielle Verbundenheit und Vertrautheit. Wenn ein Hesse in der Ferne seinen Äppelwoi trinkt oder ich mir als Sachse zu Weihnachten Räucherkerzen anzünde – dann ist das auch ein Stückchen Heimat.

In Hinblick auf das Buch – und für Kathrinchen – würde wohl eine ganz kurze Beschreibung ausreichen: Heimat ist hier der Ort, wo man hingehört und Freunde und Familie hat. Der Interpretation einer Tageszeitung, das es sich bei der Geschichte um eine „Liebeserklärung“ an meine Heimat handelt, würde ich noch hinzufügen wollen, dass es gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an andere Kulturen, fremde Länder und das Reisen ist.

passionpapa.de: Kathrinchen Zimtstern geht ungewollt auf große Reise. Welche Bedeutung hat dieser Kontrast zwischen Erzgebirge und Afrika für das Buch? Inwieweit hat Kathrinchens Reise auch etwas mit Dir und Deinem Leben zu tun?

Bastian Backstein: Die Distanz und die Unterschiede zwischen Afrika und Erzgebirge spielen natürlich eine wichtige Rolle. Ein Erzgebirgsengel im Urwald – das passt für uns erst einmal nicht zusammen. Zunächst genießt Kathrinchen Zimtstern ja das Leben zwischen Palmen und Orchideen – problematisch wird es aber, als es kein Zurück zu geben scheint. Das Engelchen merkt, dass einem das schönste Paradies nichts nützt, wenn man einsam ist. Auch für Johann Knatterburg, den ängstlichen Nussknacker, spielt der Kontrast zwischen den Schauplätzen eine wichtige Rolle. Er muss sich seiner Furcht vor dem Fremden, dem Anderen, stellen und für seine kleine Freundin Neuland betreten.

Ein wichtige Erfahrung aus meinem Leben, die sich in Kathrinchens Reise widerspiegelt, ist der Fakt, dass man – egal, wo man auf dieser Welt ist – Freunde finden kann. Außerdem habe ich die Geschichte in Spanien geschrieben. Das war eine tolle Zeit und anders als Kathrinchen hatte ich auch kein Heimweh – aber im Dezember kam und kam einfach keine Weihnachtsstimmung auf. Eine kleine, augenzwinkernde Hommage an die Erzgebirgstraditionen fiel mir unter diesen Umständen sehr leicht.

passionpapa.de: Du beschreibst in Deinem Buch eine Vielzahl interessanter Charaktere. Es kommen Menschen vor, aber vor allem viele Holzfiguren. In welchen Figuren steckt mehr Menschliches?

Bastian Backstein: Die Holzfiguren Johann Knatterburg, Arthur Grimmbart oder eben Kathrinchen sind die Protagonisten des Buchs – von daher habe ich ihre Charaktere natürlich stärker ausgebaut und mich mit ihrer Entwicklung beschäftigt. Allerdings halte ich die „echten Menschen“ in dem Buch nicht für weniger menschlich. Der berühmte Schatzsucher Professor Schlumann beispielsweise hat zwar nur eine Nebenrolle, aber ich glaube, er ist eine interessante Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen.

passionpapa.de: Warum hauchst Du den Holzfiguren so viel Menschlichkeit ein?

Bastian Backstein: Viele Traditionen stammen aus einer längst vergangenen Zeit und haben auf den ersten Blick nur noch wenig mit der Lebenswirklichkeit von jungen Leuten zu tun. Außerdem kommen Traditionen oft auch sehr ernst und gediegen daher. Ich hatte Lust wieder für etwas mehr Frische bei den erzgebirgischen Holzfiguren zu sorgen. Sie wie Menschen agieren zu lassen – und noch dazu in einer modernen Umwelt – hielt ich den besten Weg. Im Grunde genommen haben die Figuren ja schon an sich etwas sehr Menschliches an sich und man braucht nicht so viel Fantasie, sich ihre Charaktere vorzustellen. Polternde Nussknacker, chillige Räuchermännchen – das lag alles relativ nah – und ich brauchte mir nur noch vorstellen, wie sie sich mit all ihren Schrullen in bestimmten Situationen wohl verhalten würden.

passionpapa.de: Welche Bedeutung haben die traditionellen erzgebirgischen Figuren für Dich ganz persönlich? Welche Erinnerung an diese Figuren sind für Dich ganz besonders präsent?

Bastian Backstein:Für mich gehören Nussknacker und Co. untrennbar mit Weihnachten zusammen. Selbst wenn ich das Fest im Ausland verbringe, was schon öfters vorgekommen ist, gehört mindestens ein Räuchermann mit ins Gepäck.

Besonders präsent sind für mich vor allem zwei Erinnerungen: Die erste beschreibe ich in dem Buch recht ausführlich. Es ist dieser ganz besondere Zauber, den ich als Kind gefühlt habe, wenn man Anfang Dezember die Weihnachtskartons mit den Figuren vom dunklen Dachboden holte und dann damit die Wohnung schmückte. Die zweite ist das wohlige Gefühl, wenn man bei Kerzenschein am Wohnzimmertisch sitzt, sich die Pyramide dreht, der Räuchermannqualm langsam an die Decke zieht – und jemand eine Geschichte vorliest.

passionpapa.de: Welche Botschaft beinhaltet Dein Buch ganz speziell für Kinder, welche Botschaft steckt für Erwachsene darin?

Bastian Backstein: Ich glaube nicht, dass sich die Botschaften an die Kinder sich von denen an die Erwachsenen stark unterscheiden. Eine wichtige Idee hinter Kathrinchens Abenteuer ist, dass Europa von seiner Vielfalt und Buntheit lebt. Und das Wertschätzung eigener Tradition und Offenheit für andere Kulturen kein Widerspruch ist. Ganz salopp hätte ich auch formulieren können: „Kommt raus dem Tal. Keine Angst vor dem Neuen.“ Aber auch: „Vergesst eure Wurzeln nicht!“

Illustration aus dem Buch Kathrinchen Zimtstern von Gunter Springsguth.

Illustration aus dem Buch Kathrinchen Zimtstern von Gunter Springsguth.

Ein paar weitere Botschaften ergeben sich dann doch aus den Charakteren: Der ängstliche Nussknacker Johann Knatterburg, der noch nie eine Nuss geknackt hat, zeigt beispielsweise, dass man auch dann ein Held sein kann, wenn man eher still und zurückhaltend ist. Und Arthur Grimmbart beweist, dass Abenteuerlust keine Frage des Alters ist. Außerdem spielt Freundschaft natürlich eine ganz große Rolle in der ganzen Geschichte – über Ländergrenzen hinweg.

Letztendlich muss ich aber auch feststellen, dass ich beim Schreiben des Buches gar nicht so sehr an Botschaften gedacht habe. Ich wollte vor allem eine Geschichte, die große und kleinen Leser gut unterhält – und eine Weihnachtsgeschichte, die eine gute Adventsstimmung verbreitet, trotzdem nicht allzu kitschig ist und vor allem für Schmunzler sorgt.

passionpapa.de: Wird Kathrinchen Zimtstern ein weiteres Mal auf große Fahrt gehen, oder wird es vielleicht der Pflaumentoffel, Arthur Grimmbart oder einer der Nussknacker sein?

Bastian Backstein: Ob es Kathrinchen oder jemand anderes ist, mag ich nicht verraten. Aber ja: weitere Abenteuer aus der – ich nenne das jetzt mal Backstein-Welt – wird es geben oder besser gesagt gibt es schon. Die Geschichte von Kathrinchen Zimtstern blieb ja relativ lange unveröffentlicht, wanderte aber schon seit 2004 von Grundschule zu Grundschule bzw. wurden von Freunden und Bekannten gelesen. Genau dasselbe geschieht mit einer anderen Geschichte, die es schon gibt. Und das neueste Abenteuer ist gerade erst fertig geworden und steht jetzt kurz vor der Premiere (im kleinen Kreis). Ob es diese Geschichten auch wie „Kathrinchen Zimtstern – Die Geschichte vom verschwundene Engelchen“ in den Buchhandel schaffen, weiß ich noch nicht. Lassen wir uns überraschen.

passionpapa.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Wer Bastian Backstein und Kathrinchen Zimtstern einmal live erleben möchte, hat dazu am 17. November in Bad Nauheim die Gelegenheit. Um 14 Uhr liest der Autor dann in der Buchhandlung am Park, Aliceplatz 3&4, aus seinem Werk vor.

Hier nochmal die wichtigsten Daten zum Buch: „Kathrinchen Zimtstern – Die Geschichte vom verschwundenen Engelchen“; geschrieben von Bastian Backstein, illustriert von Gunter Springsguth, erschienen im Husum Verlag. 120 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 22×22 cm, Preis: 19,95 Euro. http://www.kathrinchen-zimtstern.de

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