Am Ende war es noch das Beste, dass ich geblitzt wurde. In Obertshausen, einem Nest im Rhein-Main-Gebiet, in dem man genau so wenig wie in Heusenstamm oder Dietzenbach tot überm Zaun hängen möchte. Beim Schreiben merke ich oft, dass ich auch noch Stunden oder Tage nach einem Ereignis, emotional tangiert bin.

Der Abend gestern war hart, vor allem für Marc. Er ist Fan von Fortuna Düsseldorf. Er ist in Düsseldorf geboren. Er hat den erfolgreichen Vereinen abgeschworen. „Früher fand ich mal Bayern und Dortmund gut,“ sagt er. Es ehrt ihn und zeichnet ihn aus, dass er nicht mit den Erfolgreichen sein muss. Er ist Fan aus Überzeugung. Er stürzt sich freiwillig in eine emotionale Achterbahn. Bezüglich seiner Fortuna musste er nun ein sehr, sehr tiefes Tal durchfahren. Direkt nach dem 0:2 in der 84. Spielminute gegen den Drittligisten Kickers Offenbach hat er, die Tränen nicht mehr zurückhalten könnend,den Wunsch geäußert, das Stadion umgehend zu verlassen.

Schwer getroffen hatte ihn zuvor schon, dass wir von lauter OFC-Fans umgeben waren und er sich nicht outen durfte. Allerdings haben die Spieler aus Düsseldorf, die eine wirklich indiskutable Leistung abgeliefert haben, auch nicht viel Anlass geboten, sich seinen Gefühlswallungen im Positiven hinzugeben.

Spätestens nachdem ich geblitzt wurde, und wir im Detail erläutert haben, wie es nun mit dem Bezahlen der Ordnungswidrigkeit weitergeht, war die Welt dann wieder einigermaßen in Ordnung. Wir haben uns gemeinsam über die fragwürdigen Standorte der Blitzer lustig gemacht und darüber, dass diese Kameras zu blöd sind Autos von Radfahrern oder Kängurus zu unterscheiden.

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