Schlafspecial Pt. III: Schlafe, wenn die Kinder schlafen…

Der Wecker zeigt 5:15 Uhr an. Viel zu früh. Aus dem einen Kinderzimmer hallt laut: „Papa, der Pilot ist wach, komm her!“ Aus dem anderen Kinderzimmer heißt es lapidar: „Bäääääh.“ Diskutieren hat wenig Sinn. Kinder verstehen nicht, dass die Uhr es noch nicht gestattet, aufzustehen. Der Tag beginnt.

Schlafe, wenn die Kinder schlafen. Foto: Roland Schweins für Passionpapa.de

Schlafe, wenn die Kinder schlafen. Foto: Roland Schweins für Passionpapa.de

Auf geht’s also zu den ersten Ritualen. Schlafsack aus, die kleinen Füßchen in warme Söckchen gestopft und ab zum Frühstück. Der Zweijährige verteilt sein Marmeladenbrot über das komplette Gesicht, während die Flasche für das Baby mal wieder noch viel zu heiß ist und unter lauten Protest mit allen Mitteln der Wahl abgekühlt wird.

Wer jetzt nicht knallwach ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Morgen verläuft wuselig. Doch dann kommt irgendwann der ersehnte Zeitpunkt, wenn auch das Mittagessen aufgemampft ist und es heißt: Mittagsschlaf. Zwei Stunden, in denen man nun die Wahl hat: Wohnung aufräumen, Tagespost bearbeiten, irgendeine wichtige Erledigung machen oder alles liegenlassen und: Selbst schlafen. Denn ein weiser Elternratgeber prägte einst den Spruch: Schlafe, wenn die Kinder schlafen. Das ist auch sinnvoll – nur halt nicht immer möglich. Die zwei Stunden verstreichen wie im Nu. Auf den Mittagsschlaf folgt: Gewusel. Eltern wissen, was damit gemeint ist. Zwei Schränke werden ausgeräumt – und während man die einen Sachen wieder einräumt, werden die nächsten zwei Schränke von ihren Inhalten befreit. Es gibt keine reelle Chance, diesem nachzukommen.

Gegen Abend dann – nach dem gemeinsamen Abendbrot und der obligatorischen Folge „Bob der Baumeister“ geht es erneut in die Poofe – wiederum mit einigen Ritualen und den abschließenden Worten: „Und wenn du dann gleich wieder wach wirst, dann rufst du einfach, dass der Pilot wach ist. Dann kommt der Papa her.“ Die virtuelle Betonung liegt auf dem kleinen aber feinen nuancierten Wörtchen „gleich“.

Die Liste im Kopf ist lang, was man denn jetzt noch so alles tun könnte, wenn man den Kraft hätte. Arbeiten, lesen, Fernsehen – Zeit für sich selbst genießen. Aber spätestens jetzt befolgt man als Eltern junger Kinder ganz automatisch den oben skizzierten Ratschlag: Schlafe, wenn die Kinder schlafen. Und das geschieht auch schon einmal um 21 Uhr – ja sogar um kurz nach Acht.

Gefühlt haben die Kinder ganz schön lang und ausgiebig, wir Eltern aber immer viel zu wenig geschlafen. Das mag auch daran liegen, dass die Kleinen noch nicht wissen, dass man am Wochenende ausschläft. Ein Habitus, der ihnen fernliegt. Denn Kinder sind Spießer, mögen keine Änderungen am Tagesablauf und jede Störung im Rhythmus schlägt auf das zarte Gemüt.

Irgendwie muss man aufpassen, dass man in diesem Spiel nicht zu kurz kommt. Nur wie? Schlaf ist etwas sehr wichtiges. Er wird zum ganz wertvollen Gut, wenn man das zweite Kind hat. Und das hat nichts damit zu tun, dass man die Kinder nicht über alles in der Welt liebt. Kräfte gut einteilen – das ist das Mittel der Stunde. Und morgen, wenn der Mittagsschlaf ansteht, hau ich mich einfach auch mal ein Stündchen auf’s Ohr und lasse den Staubsauger ein gutes Instrument im Schrank sein. Es ist jetzt 20:39 Uhr – ich mache dann für heute mal Schluss. Denn die Kinder nehmen sich schon die Zeit, die sie brauchen. Das versuche ich nun auch. Gute Nacht…

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2 Comments

  1. Ich kann Dir voll und ganz nachfühlen und Du hast es so liebevoll beschrieben. Genialoooo!!!

    Schlafe, wenn die Kinder schlafen – das nehme ich mir auch immer vor, aber es funktioniert so gut wie nie. Ist es doch auch oft die einzige Zeit wo man Dinge erledigen kann.

    Liebe Grüße, Christian

  2. Ja, bis die Taktung stimmt, kann einige Zeit ins Land gehen. Aber guter Schlaf ist essentiell. Auch wenn man meint, man müsste abends noch dies und das machen und braucht dann noch Zeit für sich etc. – alles zu gegebener Zeit richtig, doch der erholsamste Schlaf ist der vor MItternacht. Also, ab und parallel ins Bett.

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