MonthMai 2013

Fußballtage

Das war mal ein richtiges Fußball-Wochenende. Und wenn ich das sage, dann hat wohl vor allem Marc sehr viel Zeit mit dem Papa verbracht. Für den Rest der Familie war das Wochenende etwas ärmer an Höhepunkten. Und weil das so schön einfach ist, schieben wir das Ganze mal aufs Wetter.

Das ist natürlich Quatsch. Ganz im Gegenteil: Insgesamt haben wir uns recht viel Zeit füreinander genommen. Lesen, Basteln, Spielen, alles war dabei, auf den kleinen Zeitinseln zwischen den Fußball-Schwerpunkten.

Den Anfang nahm das Sport-Wochenende bereits am Freitag mit einem Benefiz-Turnier der Grundschulen in Gernsheim. Ich habe davon schon im vergangenen Jahr berichtet. Auch dieses Mal war es für das Gemeinschaftsgefühl ein gute Sache. Sportlich allerdings konnte man da jedoch nichts. An der Bickenbacher Grundschule werden die Plätze in den Mannschaften verlost. Wer will, kann mitmachen, selbstverständlich auch Nicht-Fußballer. Die hat man im Großen und Ganzen bei den anderen gemeldeten Mannschaften vermisst. Ganze Jugendmannschaften der Vereine sind angetreten. Nur selten waren die Mannschaften Klassenstufen übergreifend gemischt. Unterm Strich war es trotzdem okay.

Samstagfrüh war das Wetter bei uns wirklich noch großartig, entsprechend viele Zuschauer waren dann in die Kids-Arena geströmt, um das letzte Heimspiel der F1 zu sehen. Es ging gegen den Angstgegner, die SKG Gräfenhausen. Dabei handelt es sich vor allem um Marcs Angstgegner. Die zwei letzten Spiele in dem Weiterstädter Ortsteil gingen verloren, beide Male hat sich Marc verletzt. Entsprechend groß war die Aufregung vor dem Spiel. Doch dann verlief alles bestens. Ein 5:2-Sieg sprang heraus. Mission erfüllt.

Dass der Fußballtag bis in den späten Abend hinein passiv verlängert wurde, muss ich hier nicht gesondert erwähnen. Über das gemeinte Spiel wurden insgesamt ausreichend Worte verloren. Eine Anmerkung muss ich leider doch machen. Die martialische Startzeremonie war völlig unangemessen. So ein Schwachsinn. Ich habe Marc dann erklärt, dass es sich hier ja nur um ein Fußballspiel handelt und nicht um einen Krieg. Wie man ohne Zwang ein Spiel in dieser Form aufladen muss, ist mir völlig schleierhaft. Hätten die Briten jedes Spiel auf diese Art präsentiert? Ich weiß es nicht.

Kein Fußballwetter

Gut ausgestattet konnte uns das Wetter am Sonntag nichts anhaben.

Gestern war das Wetter dann wirklich obermies. Marc und ich hatten uns fest vorgenommen, auf den Fußballplatz zu gehen. Mein Neffe, Marcs Cousin, ist für das letzte Spiel der Saison aufgelaufen. Es galt, den Abstiegs-Relegationsplatz zu vermeiden. Brav standen wir ordentlich beschirmt am Spielfeldrand und betrachteten die Schlammschlacht mit gutem Ende.

Insgesamt war das dann doch ein gutes Wochenende, auch wenn wir vor allem an Nora gemerkt haben, dass das Wetter den Kindern doch ein wenig aufs gemüt schlägt – aber warum soll das bei den Kindern anders sein als bei uns Großen.

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Die Brötchentüte

Ich trage nun schon seit ein paar Tagen eine Geschichte mit mir rum, an die ich mich im Alltag mit unseren Kindern immer wieder erinnert fühle – und es doch nicht schaffe, immer die richtigen Schlüsse und Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Diese oder ähnliche Sätze kennen sicher alle Eltern: „Es kann doch nicht sein, dass du immer wieder den Becher umschmeißt.“ „Wie kann es sein, dass dir beim Brotschmieren immer das Messer aus der Hand fällt?“ „Wieso stolperst du eigentlich immer über deine eigenen Füße?“

Das Ganze ist ein einziger Hurricane der Entmutigung. Dieses Wort „immer“. Das ständige Abqualifizieren. Diese Signale an die Kinder, dass sie noch unfertige Menschen sind. Eigentlich ist es manchmal ein Wunder, dass sie immer wieder nach einer solchen Niederlage aufstehen und für ihre Würde und ihre Entwicklung (selbstverständlich unbewusst, einfach durch Intuition und Wille) kämpfen.

Es gibt verschiedene Schlüssel auf unterschiedlichen Stufen für uns Eltern aus dieser Spirale der Entmutigung zu entkommen. Und das hat natürlich nur mit uns selbst zu tun. Sehr hilfreich sind Erfahrungen mit sich selbst – und die sich anschließenden Gedankenspiele.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Neulich kam ich also an einem Sonntagmorgen vom Bäcker zurück. Frisch und duftende Brötchen waren in der Papiertüte. Sie kamen frisch aus dem Ofen. „Die Brötchen sind noch ganz warm, lassen Sie die Tüte ein wenig offen.“ Ich habe die Tüte anschließend wirklich sehr vorsichtig transportiert und den Rat der Verkäuferin beherzigt. Ich habe die Tüte am oberen Rand getragen. Die Luft kalt, die Brötchen warm, die Tüte ein wenig feucht. Es kam zur Zerreißprobe. Kurz bevor ich zu Hause ankam. Auf einer Schotterstraße. Ich konnte schnell genug reagieren, meine andere Hand flitzte unter die Tüte. Ich habe es verhindern können, dass die Brötchen im Dreck landen. Ich bin aber auch 42 Jahre alt und weiß einiges von der Welt und den Mechanismen, die ausgelöst werden, wenn eine dünne Papiertüte feucht wird. Wahrscheinlich habe ich ähnlich Situation bereits erlebt, ohne eine „positiven“ Ausgang.

Sofort dachte ich, was wäre deinem Kind passiert? Möglicherweise wären die Brötchen in den Dreck gefallen. Wie hättest Du reagiert? Na, wie hättet Ihr reagiert?

In den meisten Fällen hätten wir wohl unsere Kinder, die sowieso schon von ihrem Malheur geknickt nach Hause gekommen wären, nicht sehr freundlich empfangen. „Kannst  du nicht besser aufpassen?“ „Warum bist du nur so ungeschickt?“ „Immer muss dir so etwas passieren?“ „Ich kann dich ja noch nicht einmal zum Bäcker schicken.“

Das ist brutal.

Leider machen wir uns das zu wenig bewusst. Ich habe überlegt, was ich zu Hause gesagt hätte, wenn mir unser Frühstück in den Dreck gefallen wäre. Ich hätte mich begründen können. Ich bin aber auch der Papa und 42 Jahre alt. Unseren Kindern geben wir in einer solchen Situation häufig keine Chance. Wenn ich mir aber überlege, wie ich mich fühlen würde, wenn mir jemand die eben aufgeführten Sätze an den Kopf wirft, während ich sowieso schon von mir selbst enttäuscht bin, dann wird mir ganz anders.

Es ist großartig, dass einfache Situationen des Alltag so lehrreich sein können. Und jetzt hoffe ich, dass ich durch ständiges Training auch wirklich dazu komme, diese Erkenntnisse auch in die Tat umzusetzen. Das ist harte Arbeit, aber es lohnt sich.

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Toms Berufungen

Ich will natürlich keineswegs jammern mit dem Verfassen dieser Zeilen. Selbstverständlich weiß ich, dass es meine Frau und ich in der Hand haben, was aus unserer Familie wird – und wie groß sie wird. Aber mit unseren drei großartigen und einzigartigen Kindern haben wird schon mordsmäßig Glück. Dafür bin ich dankbar. Es ist klar, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Das ist unumstößlich.

Tom als kleiner Mann

Hier war Tom selbst noch ein ganz kleiner Mann.

Und doch gibt es die Momente, in denen ich mir gut vorstellen könnte, doch noch ein kleines Kind, ein Baby zu haben. (Ich weiß sehr wohl dass das mit vielen Sorgen und kurzen Nächten einhergeht, so richtig sind wir ja schließlich aus dieser Phase noch nicht draußen.) Gerade gestern war wieder ein solcher Moment. Eine ehemalige Kollegin war mit ihrer einjährigen Tochter zu Besuch. Das war sehr unterhaltsam. Die Kleine ist seit wenigen Tage aufrecht unterwegs – unglaublich, dass diese Zeit bei unseren Kindern schon wieder so lange zurück liegt.

Nora und Tom hatten sehr viel Spaß. Klar, auch unsere Beiden haben nicht so viel Erfahrung mit so kleinen Menschen. Aber das Interesse der Kinder untereinander, aneinander war sehr groß. Vor allem Tom ist stark in die Situation eingestiegen. Er hat sich mit Freude ernsthaft mit dem kleinen Mädchen beschäftigt. Die Kleine hat dann nach einiger Zeit sogar die Nähe zu Tom gesucht.

Wenn man Tom fragt, was er werden möchte, sagt er, dass er Erzieher werden will. Kürzlich, als er mit mir zu einer von mir organisierten Vater-Kind-Aktion in der Kita gegangen ist, hat er mich ganz ernst gefragt, warum ich eigentlich nicht im Kindergarten arbeiten würde. Ich fragte zurück: “Glaubst du, dass ich das könnte?” Er gab sich sehr überzeugt: “Ja!”

Am Abend haben wir ihn dann nochmal auf seine “neue Freundin” angesprochen und gezeigt, dass es uns gut gefallen hat, wie er mit dem Kind umgegangen ist. Ganz stolz und mit einem verschmitzten Grinser sagte er schließlich: “Die war halt auch so süß!”

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