Nächtliche Völkerwanderung

Die letzte Nacht war eine besondere Nacht. Seit gefühlt Monaten gab es mal keine nächtliche Völkerwanderung. Kennt ihr das auch, wenn morgens keiner in dem Bett wach wird, in dem er eingeschlafen ist? Das ist bei uns die Regel.

Jetzt stelle ich mir gerade vor, wie manche Leute das hier lesen und denken: „So etwas gibt/gäbe es bei mir nicht!“ Diese Frage ungehört frage ich zurück: „Warum eigentlich nicht?“

Was sagt uns das, wenn unsere Kinder nachts unsere Nähe suchen? Das zeigt doch nur, dass sie genau in diesem Moment das Bedürfnis haben bei uns zu sein. Sollten wir ihnen das absprechen und sie zurückweisen? Sicher, es gibt Nächte, in denen sie auch einmal damit klarkommen müssen, dass das Wünschelternteil passen muss. Dann ist aber doch in der Regel die zweitbeste Lösung möglich.

Selbstverständlich fällt es uns nicht immer leicht, die Sachen zu packen und umzuziehen. Oder Platz für manchmal zwei Kinder in unserem Bett zu schaffen. Aber eigentlich ist es so gut wie immer drin.

„Wie kann man so etwas nur einreißen lassen?“ „So verwöhnt man die Kinder doch nur?“ „Die Kinder gewöhnen sich dran und dann wird man sie nicht wieder los!“ Zugegeben, diese Aussagen sind ein wenig überspitzt, vielleicht. Diese oder ähnliche Aussagen, die man präsentiert bekommt, wenn man das Thema einmal zu Sprache bringt, spiegeln eine Haltung wider, die zum Glück nicht meine ist und zum Glück auch nicht die meiner Frau. Bei dieser Sache ist es sehr wichtig, dass die Eltern hier auf Linie sind. Manchmal kommt man unausgesprochen auf Linie, manchmal muss man diskutieren und einen gemeinsamen Weg finden. Wer das in seiner Beziehung noch nicht versucht hat, dem sei es empfohlen. Es lohnt sich immer wieder.

Sich selbst ein wenig zurücknehmen, nicht aufgeben, das ist extrem hilfreich für die Kinder. Und es dient ihrer Entwicklung. Das ist meine Überzeugung.

Versteht mich nicht falsch. Die letzte Nacht war wirklich erholsam. Das weiß ich zu schätzen. Jede dieser Nächte genieße ich. Aber die anderen Nächte genieße ich ebenfalls – so lange es sie noch gibt.

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2 Comments

  1. Trifft gerade (und auch grundsätzlich) genau meinen Nerv. Meine Kinder suchen meine Nähe, sie tun das, weil sie sie brauchen. Da ist es weniger schlimm, dünn wie ein Hering im eigenen Bett zu liegen, als ihnen das zu verweigern. Und mit Verwöhnen hat das nix zu tun, das sehe ich an meiner grossen Tochter. Denn irgendwann hört das von alleine auf.

    Werde ich teilen! Viele Grüsse, Christine

  2. Schöner Artikel! Wir hatten diese Nacht auch wieder das „Problem“. Unsere Maus hatte wohl schlecht geträumt und scheint jetzt wohl das Gefühl ‚Angst‘ zu kennen. Also haben wir sie bei uns ins Bett geholt und erst einmal beruhigt. Irgendwann ist sie dann bei uns in der Mitte auch eingeschlafen und nach einiger Zeit wieder unruhig hin und her gewandert. Ich habe die dann wieder in ihr Bett gelegt und es war alles gut. Na etwas meckern ist sie dann aber auch wieder friedlich eingeschlafen.
    Auch ich habe die Befürchtung, dass sie sich dran gewöhnen könnte bei uns mit im Bett zu schlafen. Aber im Moment scheinen wir einen guten Mittelweg gefunden zu haben!
    Auf jeden Fall weiss man den Luxus zu schätzen, eine Nacht in Ruhe durchschlafen zu können! 🙂

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