Die Zahnfee-Lüge

Es wird Zeit, mit einer weit verbreiteten Lüge aufzuräumen. Mit einem Hirngespinst, von dem man nicht weiß, wozu es nützt.

Irgendjemand, es ist anzunehmen, dass es Kinder waren (die allerdings ihrerseits einer fixen Idee ihrer Eltern aufgesessen sind), hat unserem Kind den Floh ins Ohr gesetzt, dass es so etwas wie eine Zahnfee gibt. Ich weiß sehr wohl, dass es das Zahnfee-Phänomen in unseren Breiten schon seit geraumer Zeit gibt. Ich will jetzt gar nicht weiter auf die Herkunft dieser Idee eingehen. Und ich könnte jetzt sagen: damals, als ich klein war,…. Aber darum geht es nicht.

Mich nervt, dass ich mich ein Wochenende lang überhaupt mit der Zahnfee-Lüge auseinandersetzen musste.

Der Wackelzahn war eigentlich noch gar nicht so wackelig. Aber in der Hoffnung, die Zahnfee würde auch bei uns vorbeischweben, riss sich Nora mit einiger Gewalt den Zahn heraus. Das habe ich schon mit nicht sicht- und spürbaren Unverständnis quittiert. Strahlend präsentierte sie also ihre Trophäe, voller Hoffnung – die später enttäuscht werden musste.

Klar, der Zahn landete mit einigen Umwegen unter dem Kopfkissen.

Heute dann kam sie schlecht gelaunt in die Küche, warf den Zahn auf den Tisch. Und sagte entsetzt: „Die Zahnfee.“

Es war klar, dass sie nicht kommen würde. Sie hat ihre Chance gehabt, die Fee, die keiner kennt. Und wir hatten den vermeintlichen Spaß am Montagmorgen mit Nora das Thema zu besprechen. Dass es bei uns definitiv keine Zahnfee gibt, nicht für diesen und nicht für die nächsten Zähne. Die emotionale und elterliche Arbeit ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Klar, gehört das im Alltag mit Kindern dazu. Aber es gibt sinnvollere Themen, an den man wachsen kann, als die Zahnfee-Lüge.

Flattr this!

2 Comments

  1. Vermutlich gibt’s für das Kind auch keinen Nikolaus, kein Christkind und keinen Osterhasen. Nichts, woran es glauben darf und was das Kindsein so aufregend und wunderbar macht. Warum gönnt man seinen Kindern nicht die Freude und diese Zeit, in der alles noch ein Wunder ist? Wie verbittert muss man sein, um der Eminung zu sein, dass man auch einem kleinen Kind zwangsweise zeigen muss, wie das Leben wirklich ist… Traurig. Erwachsen werden sie noch früh genug.

  2. Tja, so kann man es auch sehen. Unsere Kinder haben gewusst, dass in dem Turm an der Stadtmauer die Zahnfee wohnt und haben ihre Zähne immer hübsch unters Kopfkissen gelegt. Morgens fanden sie dort auch immer eine Kleinigkeit (und wenn ich Kleinigkeit schreibe, dann meine ich auch eine solche).
    Sie hatten ihren Spaß mit dem Mythos, ebenso wie mit seiner Enttarnung zur gegebenen Zeit. Mich hat es zu einem Gedicht über die Zahnfee angeregt, das ich den Lesern dieses Beitrags natürlich nicht vorenthalten kann: 🙂
    https://www.kidslife-magazin.de/kleinkind-kita/das-gedicht-von-der-zahnfee/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

© 2017 passionpapa

Theme by Anders NorenUp ↑