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Spiel mit dem Feuer

Wer mit Feuer hantiert, sollte dies mit Respekt tun. Ist der vorhanden, geht einiges mit Feuer und Flamme.

Der Beweis gelang am vergangenen Wochenende. Zusammen mit Phillipp Michele, einem kreativen, naturverbundenen, jungen Mann, habe ich als Teamer ein Vater-Kind-Wochenende in der Steinesmühle in Laubach-Münster (Vogelsberg) geleitet. Wie bereits gewohnt, will ich hier die Perspektive des Papas einnehmen. Als Gruppenleiter werde ich in Kürze auf vaterberater.de einige Zeilen schreiben.

Gemeinsam mit Marc habe ich ein recht ungezwungnes und freies Wochenende rund um das Thema „Feuer und Flamme“ erlebt. Die große Aufgabe am Samstag: Feuer machen ohne technische Hilfsmittel. Hauptsächlich die Feuersäge kam zum Einsatz. Und obwohl sich die meisten, vor allem Väter, am Ehrgeiz gepackt sahen, sind wir sang- und klanglos gescheitert. Das Lagerfeuer haben wir schließlich mit einem Magnesiumstift entfacht, einem Gadget für Abenteurer.

Feuerspucken auf die sichere Art

Feuerspucken auf die "sichere" und respektvolle Art.

Höhepunkt des Abends war das Feuerspucken mit einem Gemisch aus Bärlappsamen und Weizenmehl. Sehr spektakulär. Alle durften ran. Die Väter spuckten aus dem Mund, die Kinder aus einem Bambusrohr, in dem ein Stopper aus Papiertaschentuch verhinderte, dass die Bärlappsporen (Vorsicht Feinstaub) eingeatmet werden. Die Teilnehmer, Groß wie Klein, haben beeindruckende Flammen erzeugt. Ich habe mich hinter der Kamera verschanzt und versucht, die richtigen Momente einzufangen. Das heißt im Umkehrschluss: Vor dem Feuerspucken habe ich mich gedrückt. Zu großer Respekt. Marc hatte ihn auch, aber gespuckt hat er trotzdem.

Das Wochenende war intensiv. Es war schön, dass ich mich neben meiner Aufgabe als Teamer voll auf ein Kind konzentrieren konnte. Das haben wir beide sehr genossen – ohne natürlich die Lieben daheim vergessen zu haben. Am kommenden Wochenende geht es weiter, dann ist Tom an der Reihe.

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Ritter Rost und meine Ritter

Kurz vor Ausbruch des Frühlings, eigentlich auf den Tag des Ausbruchs genau, habe ich mir nochmals vorgenommen, mit den Jungs ins Kino zu gehen. Seit einigen Wochen läuft die Verfilmung des Kindermusicals/der Kinderbücher/der Hörspiele mit dem liebenswerten Antihelden Ritter Rost. Ein wandelnder Haufen Schrott, der nicht immer mit bestem Benehmen glänzt. Das mit dem Schrott ist gar nicht so schlimm, da ziemlich viele Schrott-Charaktere unterwegs sind.

„Ritter Rost – Eisenhart und voll verbeult“ ist ein Kinderfilm, ganz klar. Interessant sind dennoch die Reaktionen meiner Kinder. Eigentlich dachte ich, dass der Film für Marc vielleicht etwas langweilig sein könnte, war es aber gar nicht. Er war durchaus zufrieden mit dem Kinobesuch. Tom hingegen fand den Streifen zu traurig. Es geht natürlich um Freundschaft aber auch um Vertrauen und Vertrauensverlust, es geht um Ängste und Sorgen, ein ganz kleines bisschen geht es auch um Ruppigkeit und natürlich um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sowie Gut und Böse. Kinder haben da ganz unterschiedliche Antennen, wir eigentlich auch. Aber bei uns kommt dann doch ganz oft der Verstand und die Erfahrung ins Spiel. Und das verändert die Realität und die Wahrnehmung. Die Kinder spüren das Jetzt, sie sind achtsam und verschwenden weniger Gedanken an das, was war, oder das, was kommt.

Ich habe mir überlegt, welche Filmfigur Tom wohl am nächsten steht. Ich habe auf Burgfräulein Bö getippt. Heute Abend habe ich Tom dann gefragt. Und tatsächlich, Tom hat meine Vermutung bestätigt. Bö ist ein ganz liebenswertes Wesen mit Hang zur Selbstaufopferung. Doch alles lässt sie sich von Ritter Rost dann doch nicht bieten. Mit Ritter Rost hat Tom auch ein wenig gelitten. Vor allem, dass er kurzzeitig teilweise auseinander genommen wurde, hat Tom nicht geschmeckt.

Marc hat sich auf den treuen Begleiter von Ritter Rost, den Drachen Koks, festgelegt. Klar, nicht ganz im Vordergrund aufhalten, aber trotzdem ordentlich cool sein.

Mich hat der Film nur teilweise überzeugt. Die Handlung ist mir zu sperrig, sie wirkt sehr konstruiert – eben auf ein paar Highlights für den Film hingeschrieben. Wahnsinnig viel habe ich auch nicht gelacht – ein bisschen mehr als die Jungs vielleicht. Der Drache mit dem Doppelkopf mit rheinländischem Akzent (unter anderem von Tom Gerhardt gesprochen) war ganz lustig. Besonders gefehlt haben mir ein paar mehr Songs. Wer das Musical/die Hörspiele kennt, weiß, dass sie wirklich sehr geistreich sind – und vor allem den Kindern sehr viel Spaß bereiten. Ich glaube, dass sie den Kindern auch gefehlt haben.

Qualitätszeit mit meinen beiden Rittern war es dennoch – für ein intensives Erleben des Miteinanders ist ein Film und dessen Qualität tatsächlich zweitrangig.

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Das Herz eines Fans

Am Ende war es noch das Beste, dass ich geblitzt wurde. In Obertshausen, einem Nest im Rhein-Main-Gebiet, in dem man genau so wenig wie in Heusenstamm oder Dietzenbach tot überm Zaun hängen möchte. Beim Schreiben merke ich oft, dass ich auch noch Stunden oder Tage nach einem Ereignis, emotional tangiert bin.

Der Abend gestern war hart, vor allem für Marc. Er ist Fan von Fortuna Düsseldorf. Er ist in Düsseldorf geboren. Er hat den erfolgreichen Vereinen abgeschworen. „Früher fand ich mal Bayern und Dortmund gut,“ sagt er. Es ehrt ihn und zeichnet ihn aus, dass er nicht mit den Erfolgreichen sein muss. Er ist Fan aus Überzeugung. Er stürzt sich freiwillig in eine emotionale Achterbahn. Bezüglich seiner Fortuna musste er nun ein sehr, sehr tiefes Tal durchfahren. Direkt nach dem 0:2 in der 84. Spielminute gegen den Drittligisten Kickers Offenbach hat er, die Tränen nicht mehr zurückhalten könnend,den Wunsch geäußert, das Stadion umgehend zu verlassen.

Schwer getroffen hatte ihn zuvor schon, dass wir von lauter OFC-Fans umgeben waren und er sich nicht outen durfte. Allerdings haben die Spieler aus Düsseldorf, die eine wirklich indiskutable Leistung abgeliefert haben, auch nicht viel Anlass geboten, sich seinen Gefühlswallungen im Positiven hinzugeben.

Spätestens nachdem ich geblitzt wurde, und wir im Detail erläutert haben, wie es nun mit dem Bezahlen der Ordnungswidrigkeit weitergeht, war die Welt dann wieder einigermaßen in Ordnung. Wir haben uns gemeinsam über die fragwürdigen Standorte der Blitzer lustig gemacht und darüber, dass diese Kameras zu blöd sind Autos von Radfahrern oder Kängurus zu unterscheiden.

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Nächste(n)liebe

Heute war ich mal wieder mit unseren Kindern allein in der Kirche (hoffentlich fühlen sich die Atheisten unter Euch jetzt nicht allzu peinlich berührt). Mit den Dreien unterwegs zu sein, birgt immer viele Überraschungen. Das ist kein Grund zur Panik. Manchmal aber huscht ein Gedanke durchs Gehirn: „Was wohl heute wieder passieren wird?“

Wir waren knapp dran wie immer, eigenltich waren wir einen kleinen Moment zu spät. Ein Plätzchen gab es in dem Kinderwortgottesdienst gleichwohl noch für uns. Ein exponierte Position hatte wieder einmal unser Tom. An anderer Stelle habe ich schon darüber berichtet, dass er ein – manchmal auch übertriebener – Mitmacher ist. Wenn Fragen in die Runde gestellt werden, ist er eine wahre Wundertüte. Nicht immer können alle Anwesenden das Gesagte nachvollziehen. Es kam sogar schon vor, dass wir ihn ein wenig bremsen mussten, leider.

In diesem Fall hat er sich durch eine räumliche Trennung von mir meinem Einfluss entzogen. Es war auch soweit in Ordnung. Aber dann ging es um die Frage, was man denn unter Nächstenliebe versteht. Das kann je nach Blickwinkel eine schwierige Frage sein. Wie ein Blitz, der ja auch in der Regel von unten nach oben  geht, schnellte Toms hand hoch. Und es folgte eine Antwort, die nicht für jeden gleich schlüssig war. „Nächstenliebe halt“, sagte er. Das zog eine Rückfrage nach sich. „Wie meinst Du das, Tom?“ „Na zuerst kommt die Liebe und danach die Nächstenliebe!“ Okay, das hatten dann auch alle verstanden.

Und selbst wenn Jesus etwas anderes gemeint hat: Die Antwort regt zum Nachdenken an. Ist es nicht wahnsinnig wichtig und wertvoll, wenn nach der ersten Liebe tatsächlich so etwas wie die nächste Liebe kommt? Die Antwort war zwar nicht korrekt, aber mal wieder sehr wertvoll. Wie eigentlich die meisten Überraschungen.

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Gesucht: Die Alternative zum Geschwisterkinderwagen

Die Sache mit dem Kinderwagen ist ja schon eine Wissenschaft für sich. Wir haben Modelle ausprobiert, gekauft, wieder verkauft, Alternativen gekauft und noch immer nicht den perfekten Wagen gefunden. Aber jetzt stellt sich eine ganz neue Herausforderung: Wie denn bitte soll man zwei Kinder transportieren? Die Nummer mit Kinderwagen und Tragetuch ist weder rückentauglich noch für alle Parteien bequem. Der eine kann noch nicht laufen – der andere noch nicht so weit. Außerdem möchte man ja auch einmal wahlweise ein Kind kurz fixieren, um sich dem anderen widmen zu können.

Geschwisterkinderwagen von ABC Design

Geschwisterkinderwagen von ABC Design

Eine erste Recherche liefert magere Erkenntnisse. Da gibt es die Geschwisterkinderwagen. Wer so ein Ding mal im Einsatz gesehen hat, der weiß: Mit der Straßenbahn braucht man überhaupt nicht versuchen zu fahren. Denn wenn einer der zwei für Kinderwagen vorgesehenen Stellplätze belegt ist, dann heißt es: Auf die nächste Bahn warten. Jüngst sah ich eine Frau beim mühsamen Versuch, ihren Geschwisterkinderwagen über den Bürgersteig zu manövrieren. Mal abgesehen davon, dass die Kleinen in so einem Teil aussehen wie gepresste Ölsardinen, scheint dies keine Lösung zu sein. Schließlich geht es nicht um Zwillinge in einem Zwillingswagen, sondern um den Transport von Baby plus Zweijährigem.

Fahrradanhänger und Doppelsitzer zum Schieben von Chariot.

Fahrradanhänger und Doppelsitzer zum Schieben von Chariot.

Eine Alternative, mit der sich einige findige Eltern hervortun, ist der Fahrradanhänger, der zum Doppel-Kinderwagen umfunktioniert wird. Der Vorteil: Man kann das Teil auch nach drei Monaten noch nutzen, wenn man es nicht mehr schiebt, sondern hinter den Drahtesel montiert. Aber auch hier gibt es identische Fragezeichen: Passt so ein Ding in die Straßenbahn? Ist es ausreichend gefedert? Vertragen sich die beiden Minis nebeneinander in einem solchen Gefährt? Momentan herrscht bei uns – wie so oft in Sachen Anschaffungen – etwas Ratlosigkeit. Was nicht in Frage kommt – aber schon im Bekanntenkreis vorgeschlagen wurde: Das Gängelband – verniedlichend auch „Lauflernhilfe“ getauft. Das gab es im Mittelalter und da gehört so eine Hundeleine ehrlich gesagt auch hin.

Und ja: Wir sind für jeden Tipp höchst dankbar.

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Venedig mit Kindern

Venedig per Schiff

Venedig per Schiff

Natürlich, Tiefenentspannung fühlt sich anders an. Aber darum geht es ja auch nicht unbedingt, wenn man sich im Hochsommer für einen Besuch Venedigs entscheidet.

Das Highlight gleich zu Beginn. Die Kinder haben es knapp sechs Stunden mit uns in Venedig ausgehalten – und wir mit ihnen. Trotz des absoluten Touristenwahnsinns haben wir eine sehr schöne Mischung aus Menschenmassen und leeren Gassen hinbekommen.

Es ist schon erstaunlich, wie die Besucher einer Stadt ausschließlich und gezielt die ausgetretenen Pfade suchen und weiter austreten. Interessant ist doch gerade, das ganz normale Leben in einer solche unnormalen Stadt wie Venedig kennenzulernen.

Unser Weg führte uns an einem ganz normalen Supermarkt vorbei, von denen es in Venedig nicht so wahnsinnig viele gibt. Da dort die Preise nicht ganz so exorbitant hoch sind, wie an den „Büdchen“ (so würde man wohl in Düsseldorf sagen), haben wir uns dort mit Getränken eingedeckt. Ich habe mit den Kindern draußen gewartet. Dort standen Paletten voll mit Mineralwasser, die der Chef des Ladens gerade entladen und in das Geschäft verbracht hat. Die Jungs haben spontan mitgeholfen, das Wasser auf einen Wagen umzuladen. Dafür gab es dann für alle drei eine Süßigkeit. Alltagsbegegnungen in Venedig.

Mittägliche Ruhe haben wir dann in dem Stadtteil Canareggio erlebt. Hier und da ist ein Venezianer von A nach B gegangen. Ansonsten hat man nichts von dem geschäftigen Treiben im Viertel San Polo und der Rialtobrücke mitbekommen. Herrlich.

Nora hat sich übrigens im Buggy fahren lassen. Sie war und ist in letzter Zeit nicht so gut zu Fuß und überhaupt gesundheitlich ein bisschen angeschlagen. Nach 2 Stunden Buggy fahren und sich die Treppen rauf- und runtertragen lassen hat sie gesagt, dass sie nicht mehr kann. Mama und Papa konnten aber noch. Zum Glück.

Es war einer der ganz heißen Tage unseres Urlaubs. Auf dem Campingplatz war es unerträglich heiß. Kein Lüftchen war zu spüren. Dafür war es in Venedig wirklich angenehm.

Markusplatz

Markusplatz

Wir haben uns ganz korrekt der Stadt angenähert. Wir sind von Punta Sabbioni mit dem Boot übergesetzt. Stilecht sind wir dann in der Nähe von San Marco gelandet. Das Boot legte leider etwas verspätet ab. Daher waren wir nicht ganz so früh in der Stadt, wie wir uns das gewünscht hatten. An einen Besuch von San Marco war nicht mehr zu denken. Die Schlange, abschreckend.

Die Spannung konnten die Kinder unter anderem deshalb halten, weil sie mit Gondeln- und Löwenzählen beschäftigt waren. Das waren zwei der Aufgaben, die Nadja ihnen gestellt hat. Das war eine gute Idee. Ein solches Rätselprogramm bietet sich sicher auch für andere Städtetrips mit Kindern an. Die Vorbereitung dafür muss gar nicht so aufwändig sein.

Der Rückweg durch die Stadt zum Anleger war dann doch Länger als gedacht. Das war vor allem den Menschenmassen geschuldet. Nadja ist mit der schlafenden Nora vorneweg gezogen, die Jungs im Schlepptau. Nur der älteste Junge konnte an einer besonders vollen Stelle nicht mehr folgen. Wir haben uns tatsächlich verloren. Gut, dass nur ich verlorenen gegangen bin. Ihr Lieben, wenn Ihr an einem Ort wie Venedig im Sommer unterwegs seid, passt 120% auf die Kinder auf. Wir konnten uns zum Glück zusammentelefonieren. Das Schiff habe wir dennoch verpasst.

Das hat dann doch noch für einige Tränen gesorgt. Auch hier: Die Ängste der Kinder muss man absolut ernst nehmen. Vor allem Tom war verzweifelt, dachte er doch, dass wir nun nicht mehr zum Auto kommen, da uns die anderen Boote nicht mitnehmen würden.

Aber das haben sie doch – und wir sind nach einem ereignisreichen und schönen Tag wieder auf dem Campingplatz angekommen.

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