TagAlltag

Telegramm von Nora

Nora: „Papa, kannst Du Zöpfe flechten?“

Ich: „Leider nein!“

Nora: „Und warum kannst du dann Auto fahren?“

Ohne Zöpfe, mit Auto

Ohne Zöpfe, mit Auto

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Die Brötchentüte

Ich trage nun schon seit ein paar Tagen eine Geschichte mit mir rum, an die ich mich im Alltag mit unseren Kindern immer wieder erinnert fühle – und es doch nicht schaffe, immer die richtigen Schlüsse und Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Diese oder ähnliche Sätze kennen sicher alle Eltern: „Es kann doch nicht sein, dass du immer wieder den Becher umschmeißt.“ „Wie kann es sein, dass dir beim Brotschmieren immer das Messer aus der Hand fällt?“ „Wieso stolperst du eigentlich immer über deine eigenen Füße?“

Das Ganze ist ein einziger Hurricane der Entmutigung. Dieses Wort „immer“. Das ständige Abqualifizieren. Diese Signale an die Kinder, dass sie noch unfertige Menschen sind. Eigentlich ist es manchmal ein Wunder, dass sie immer wieder nach einer solchen Niederlage aufstehen und für ihre Würde und ihre Entwicklung (selbstverständlich unbewusst, einfach durch Intuition und Wille) kämpfen.

Es gibt verschiedene Schlüssel auf unterschiedlichen Stufen für uns Eltern aus dieser Spirale der Entmutigung zu entkommen. Und das hat natürlich nur mit uns selbst zu tun. Sehr hilfreich sind Erfahrungen mit sich selbst – und die sich anschließenden Gedankenspiele.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Neulich kam ich also an einem Sonntagmorgen vom Bäcker zurück. Frisch und duftende Brötchen waren in der Papiertüte. Sie kamen frisch aus dem Ofen. „Die Brötchen sind noch ganz warm, lassen Sie die Tüte ein wenig offen.“ Ich habe die Tüte anschließend wirklich sehr vorsichtig transportiert und den Rat der Verkäuferin beherzigt. Ich habe die Tüte am oberen Rand getragen. Die Luft kalt, die Brötchen warm, die Tüte ein wenig feucht. Es kam zur Zerreißprobe. Kurz bevor ich zu Hause ankam. Auf einer Schotterstraße. Ich konnte schnell genug reagieren, meine andere Hand flitzte unter die Tüte. Ich habe es verhindern können, dass die Brötchen im Dreck landen. Ich bin aber auch 42 Jahre alt und weiß einiges von der Welt und den Mechanismen, die ausgelöst werden, wenn eine dünne Papiertüte feucht wird. Wahrscheinlich habe ich ähnlich Situation bereits erlebt, ohne eine „positiven“ Ausgang.

Sofort dachte ich, was wäre deinem Kind passiert? Möglicherweise wären die Brötchen in den Dreck gefallen. Wie hättest Du reagiert? Na, wie hättet Ihr reagiert?

In den meisten Fällen hätten wir wohl unsere Kinder, die sowieso schon von ihrem Malheur geknickt nach Hause gekommen wären, nicht sehr freundlich empfangen. „Kannst  du nicht besser aufpassen?“ „Warum bist du nur so ungeschickt?“ „Immer muss dir so etwas passieren?“ „Ich kann dich ja noch nicht einmal zum Bäcker schicken.“

Das ist brutal.

Leider machen wir uns das zu wenig bewusst. Ich habe überlegt, was ich zu Hause gesagt hätte, wenn mir unser Frühstück in den Dreck gefallen wäre. Ich hätte mich begründen können. Ich bin aber auch der Papa und 42 Jahre alt. Unseren Kindern geben wir in einer solchen Situation häufig keine Chance. Wenn ich mir aber überlege, wie ich mich fühlen würde, wenn mir jemand die eben aufgeführten Sätze an den Kopf wirft, während ich sowieso schon von mir selbst enttäuscht bin, dann wird mir ganz anders.

Es ist großartig, dass einfache Situationen des Alltag so lehrreich sein können. Und jetzt hoffe ich, dass ich durch ständiges Training auch wirklich dazu komme, diese Erkenntnisse auch in die Tat umzusetzen. Das ist harte Arbeit, aber es lohnt sich.

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Normal wie normal, banal wie banal

Heute ist ein großer Tag für unsere Familie, dabei ist es eigentlich so banal wie banal etwas sein kein. Der ganz normale Alltag beginnt nämlich.

Meine Frau hat heute nach rund drei Jahren Pause ihren ersten Arbeitstag. Nora geht in den Kindergarten, Tom darf endlich in der Kita mittags essen (darauf wartet er schon drei Jahre), Marc geht wieder in die Schule und auch für mich gehen drei Jahre Ausnahmezustand zu Ende.

Jetzt bin ich nämlich wieder ungeschonter Teil des Familienlebens. Nachts konnte man sich manchmal rausnehmen. „Ich muss morgen arbeiten, ich kann jetzt nicht aufstehen.“ Das ist nur einer der Sätze, die der Vergangenheit angehören. Jetzt bin auch ich beispielsweisewieder dran, die Kinder in den Kindergarten zu begleiten. Das wirkt sich auf meine Arbeitszeiten aus.

Es ist die Zeit der Umstellungen, auf normal (also so normal wie normal sein kann).

Auf einige Dinge freue ich mich, vor anderen habe ich auch ein bisschen Angst. Das System Familie kommt in Bewegung. Und das wird sicher das eine oder Mal an dieser Stelle Thema werden.

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Erholung, einmal anders gesehen

Urlaub, Zeit der Erholung. Ein komischer Begriff, dieses Erholung. Wer Familie hat, und wer vor allem kleine Kinder hat, weiß, dass es sich hier um einen sehr dehnbaren Begriff handelt. Es soll ja Eltern geben, die partout nicht davon ablassen, unter Erholung zu verstehen, dass sie nichts und niemand in ihrer Ruhe und beispielsweise beim Lesen stören darf. Auch nicht die eigenen Kinder.

Leute, jetzt mal im Ernst: Ich habe sowieso viel zu wenig Zeit für meine Kinder, meine Frau, meine Familie. Dann kann ich mich doch nicht in der Zeit des Jahres, in der ich die meiste Zeit für sie habe, hinstellen und sagen: „Jetzt lasst mich doch bitte in Ruhe!“ Das wäre doch absurd. Und doch wird das Attribut familienfreundlich von Urlaubsanbietern in der Regel damit in Verbindung gebracht, dass die Kinder durchanimiert werden, damit Eltern endlich einmal ihre Ruhe haben. Ein schräges Leben führen wir da manchmal.

Unser Urlaub ist jetzt erstmal rum. Wir hatten drei Wochen intensiv Zeit für- und miteinander. Und das ist nicht immer einfach. Gerade, wenn man wegfährt. Das System muss sich erstmal finden. An einen anderen Ort verpflanzt ist diese Herausforderung noch größer. Entsprechend unentspannt war der Anfang unseres Zelturlaubs in Bibione an der italienischen Adriaküste. Aber machen wir uns nichts vor. Das hat mit den Kindern nur am Rande zu tun. In Wirklichkeit befinden sich die Spannungen in der Beziehung der Eltern.

Auf einige Details des Urlaubs und die Irrungen und Wirrungen sowie Spezialitäten werde ich dann noch in den kommenden Tagen eingehen. Jetzt allerdings, da ich wieder im Zug auf dem Weg zur Arbeit sitze, wird mir klar, wie wichtig diese intensive Auseinandersetzung mit den Kindern in den vergangenen Wochen war. Ich spüre ganz stark, wie sich unsere Beziehungen wieder einmal deutlich gestärkt haben. Die Bindung ist eine ganz andere geworden. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass wir alle die Umstellung jetzt wieder gut verkraften werden und diese qualitativen Veränderungen unserer Beziehungen möglichst lange Bestand haben werden.

So gesehen kann man wohl sagen, dass sich unsere Beziehungen erholt haben. Vielleicht ist das der richtige Erholungsbegriff im Zusammenhang mit Familienurlaub. Vielleicht macht es Sinn, sich darüber einige Gedanken zu machen und daraus die Kraft für die neuen Aufgaben und Herausforderungen des Alltags zu schöpfen.

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Elternzeit für einen Tag

Ganz in Ruhe Lego-Türme bauen: Das geht an echten freien Tag am besten.

Ich werde nicht müde, die Besonderheit ganz banaler Tage zu betonen. Ich hatte gerade wieder einen freien Tag unter der Woche. Solche Tage fühlen sich meist an wie Elternzeit, wenn man nicht gerade zig anderen Verpflichtungen nachgehen muss. Ich hatte wirklich frei – und damit auch wirklich Zeit für die Familie.

Großes Highlight ist für die Kinder und mich der Gang in Schule und Kindergarten. Geschwiegen wird auf dem Weg, den wir in 99% der Fälle übrigens zu Fuß bewältigen, in der Regel nicht. Ganz im Gegenteil. Es kommen Themen und Dinge zur Sprache, über die sonst weniger geredet wird. Das gemeinsame Gehen, und damit irgendwie auch Bewegung, entspannt und macht frei.

Sehr wertvoll ist es auch, den Alltag regelmäßig am eigenen Leib zu spüren. Der Aufwand für Organisation und Administration wird aus der Ferne vom Schreibtisch und Arbeitsplatz allzu oft falsch eingeschätzt. Kinder-Logistik, Nahrungsmittel-Logistik, Termin-Planung: Das ist Projektmanagement pur. Weiterbildung findet hier in der Familie statt.

Am Nachmittag waren die Jungs dann freundemäßig versorgt. Einer war aus dem Haus, der andere spielte mit seinem Freund bei uns – tatkräftig von Mama unterstützt. Da hatte ich wertvolle Zeit mit unserer Kleinsten. Wir haben uns ins Spielzimmer zurückgezogen und Lego-Türme gebaut. Diese intensive Zeit richtig zu nutzen – das ist etwas ganz Großes. Noch spricht Nora ihre eigene Sprache, die wir allerdings mehr und mehr verstehen. Aber sie ist von Beginn an mit einer Mimik ausgestattet, die mehr als hundert Worte sagt. Es ist einfach großartig. An den Wochenenden und den Tagesrandlagen kann man das alles auch erleben. Aber einer ganz normaler banaler Tag ist da doch noch etwas ganz anderes.

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Durchwachte Nacht, durchwachte Nacht

In der vergangenen Nacht habe ich ein weiteres Mal den Weg ins Wohnzimmer angetreten – unsere kleine Tochter im Schlepptau. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie spät es war. Am Wochenende sind die Uhrzeiten irgendwie schon egal. Ich weiß noch, dass ich nicht der erste war, der in dieser Nacht das Vergnügen mit der kleinen Dame hatte. Meine Frau war schon mit ihr unterwegs.

Als ích so mit Nora auf dem Sofa lag, während sie versuchte in den Schlaf zu finden, hatte ich mal wieder Zeit nachzudenken. Ich habe darüber nachgedacht, welche Herausforderungen das Elternsein oder das Vatersein auszeichnen.

Wenn die Kinder krank sind, es ihnen schlecht geht, das sind ganz schwierige Zeiten. Dabei muss es sich gar nicht um ganz schlimme Krankheiten handeln. Ein krankes Kind bringt den dicht getakteten Alltag immer ordentlich durcheinander. Organisation und Plan wird durchkreuzt, aber auch der eigene Geist kann sich nicht mehr richtig auf das Alltägliche konzentrieren. Man wird stark abgelenkt, ist mit seinen Gedanken beim Kind, beim Partner, der beim Kind ist.

Der zweite banale Punkt, über den ich mich hier heute auslassen will, steht teilweise mit dem ersten Aspekt in Zusammenhang. Muss er aber nicht. Unausgeschlafen sein und nachts durch die Wohnung irren ist für mich eine der härtesten Proben als Vater. Man merkt, wie einem Nacht für Nacht die Kraft mehr schwindet. Die Gefühle fahren Achterbahn. Einmal ist es ein Leichtes, Verständnis für das Kind aufzubringen. In einer anderen Nacht wieder wünscht man das Kind zur Hölle. Auch die letzte Empfindung muss man zulassen, finden wir. Deshalb liebt man sein Kind ja nicht weniger.

Kinder sind aus überlebensstrategischen Gründen mit einem unglaublichen Egoismus ausgestattet. Wir Erwachsenen haben gelernt, Rücksicht zu nehmen, auf die eigenen Kinder sowieso. Man muss sich als Vater oder Mutter eben ganz oft zurücknehmen. Macht man ja auch gern. Meistens. nachts nicht immer, manchmal mehr, manchmal weniger. Die kindliche Kraftsaugerei bringt einen gelegentlich an seine Grenzen. Wenn es morgen wird, und man wenigstens ein paar Stunden schlafen konnte, sind die Akkus wieder einigermaßen aufgeladen, bis zur nächsten Nacht.

Banale Dinge mit großer Wirkung. Die Statistik und Meinungsforschung sagt uns immer wieder: Die Männer in festen Beziehungen sind häufig Schuld daran, dass eine Partnerschaft kinderlos bleibt. Die Männer wollen nicht. Männer sind einfach zu bequem. Sie wollen sich offensichtlich weder den Alltag durcheinander wirbeln lassen noch die Nachtruhe rauben lassen.

Da wir hier aber unter anderem auch für eine aktive Vaterschaft werben wollen, muss man natürlich auch erwähnen, dass genau die negativen Dinge auch voller positiven und intensiven Erlebens sind. Ganz großes Kino: Das Spiegeln des Selbst im Kind. Ich bin übrigens kein großer Freund von irgendwelchen Rezeptbüchern, in denen steht, was zu tun ist, um bestimmte (nervende und störende) Eigenschaften der Kinder abzustellen. Wer die Fähigkeit zur Selbstreflexion hat und sich und sein Tun auch immer wieder einmal in Frage stellen kann, der macht schon das Richtige. Und wenn er dann merkt, dass das Verhalten der Kinder ihn unglaublich nach vorne bringen, dann weiß der Vater auch, warum er gern nächstens durchs Haus irrt, wenn es in der konkreten Situation nicht immer so leicht fällt.

Gern würde ich gerade zu diesem sehr persönlichen Thema einmal die Meinung der versprengten Leserschaft lesen. Nur zu, Kommentare sind ausdrücklich gewünscht.

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