TagArzt

Ein halber Tag im Krankenhaus

Über Krankheiten und andere Dinge, die möglicherweise zu stark die Persönlichkeitsrechte meiner Kinder tangieren, möchte ich mich hier nur in geringem Ausmaß auslassen. Und wenn es heute um das Thema Untersuchung in einem Krankenhaus geht, dann möchte ich nicht all zu sehr ins Detail gehen, um die Rechte von Tom zu wahren. Aber einige Begebenheiten waren dann doch so einschneidend, dass ich es für sinnvoll halte, davon zu berichten.

Ich will auch gar nicht erwähnen um welches Krankenhaus sich handelt – niemand soll sich konkret auf den weißen Kittel getreten fühlen. Ich glaube vielmehr, dass einem solche Dinge in jedem x-beliebigen Hospital widerfahren können.

Der Tag der Voruntersuchung im Vorfeld eines kleinen operativen Eingriffs kann sehr lang werden – das wissen wir mittlerweile. Heute haben wir gut vier Stunden in der Klinik verbracht, was durchaus in Ordnung ist. Tom war sehr tapfer und sehr geduldig.

Erste Station: Das Gespräch in der Fachabteilung. Ein junger Arzt, der gerade seinen Facharzt macht, hat die Anamnese übernommen. Er fragt mich unter anderem, wie schwer und wie groß Tom ist. Ehrlich gesagt: Diese Frage kann ich nicht so einfach auf die Schnelle beantworten. Wir fangen an zu schätzen. „Stell‘ Dich doch einmal hin….Also der Tisch ist ja wahrscheinlich so 80 Zentimeter…sagen wir also 115 Zentimeter.“ Das Gewicht? „So um die 20 Kilogramm.“ Später habe ich in der Abteilung eine Waage gesehen. Die hätte man einfach benutzen können.

„Wird denn auch Blut abgenommen?“ „Das Kind ist gesund, da brauchen wir das eigentlich nicht. Wenn Sie wollen, können wir das machen.“ Ich habe gedacht, dass das für die Narkose notwendig ist…“ „Nicht unbedingt, aber wir können das machen. Dann müssen Sie nachher noch kurz in die Kinderklinik.“

Dann folgt ein Abtasten und eine Ultraschalluntersuchung. „Alles in Ordnung.“ Na, dann ist ja gut. „Ich hole jetzt noch den Facharzt für eine Beurteilung.“ Recht schnell war der Facharzt. „Nach diesem Befund können wir den Eingriff vornehmen, aber wir müssen nicht.“ Ich sage: „Die Entscheidung ist nach einer Vorstellung in Ihrem Hause aber schon gefallen. Morgen ist die OP. Oder was sollen wir machen?“ „Ja gut, dann machen wir die OP.“

Nächste Station: Labor. Untersuchung der Urinprobe und weitere Planung des Tages. Die Arzthelferin am Telefon zur Kinderklinik: „Wir haben einen kleinen Patienten für eine Blutentnahme. Können Sie das machen?…Ach so. Na dann. Auf Wiederhören.“ Die Arzthelferin sucht den Arzt auf. „Kannst Du mir einen Gefallen tun und die Blutentnahme machen?“ „Muss das sein?“ Eine andere Ärztin taucht auf. Er: „Kannst Du bei einem Kind eine Blutentnahme machen? Hast Du das schon einmal gemacht?“ Sie: „Auf keinen Fall. Was ist, wenn der um sich schlägt?“ Also muss der junge Mann in den sauren Apfel beißen. Ich beruhige ihn. „Der Tom macht das schon.“ Lokalanästhetikum. 20 Minuten warten. Mutig schreitet der Mann zur Tat. Tom verzieht kein Gesicht. Ein bisschen Zittern war bei dem Mediziner schon dabei. Alles hat gut geklappt. Tom hat sich über das Pflaster gefreut – und noch ein weiteres für daheim mitbekommen. Ich frage den Arzt: „Und, wie war es?“ Er, erleichtert: „Es war okay.“ Na dann.

Nächste Station: Anästhesie. 45 Minuten Wartezeit. Und da war sie wieder, die Frage. „Wie schwer ist das Kind?“ Ich weiß es immer noch nicht. Ein Anruf, ein Blick in das Untersuchungsheft. „Vor einem Jahr wog er knapp 16 Kilo. Sagen wir 18.“ „Wissen Sie, für die Narkose brauchen wir schon einen einigermaßen genauen Wert.“ „Ja, ich weiß.“ Ich denke mir, dann wäre es doch besser, den kleinen Kerl einmal zu wiegen. Denken darf man ja. Nach einem kurzen Gespräch über schlaflose Nächte mit Kleinkindern – die Ärztin ist erstmals schwanger, ziehen wir wieder los zu der Aufnahme der Fachabteilung, wo wir uns abschließend noch einmal melden sollen. Dort sind aber um 15.30 Uhr schon die Monitore abgebaut. Zum Glück haben wir noch die Arzthelferin von vorhin aufgetrieben.

Morgen geht es dann zur OP.

PS: Auf der Pritsche liegend und unter vier Augen sagte Tom zu mir: „Papa, ich weiß nicht genau, was ich einmal werden will. Bauarbeiter oder Arzt.“ Zuhause klärte er uns schließlich auf. „Ich habe mich entschieden. Ich will Arzt werden.“

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Arzt-Telegramm

Die Telegramme, die die Kinder an uns Erwachsene adressieren, können schon ganz schon böse und entwaffnend sein. Da bin ich doch lieber Adressat eines Telegramms, in dem andere die Hauptrolle spielen. Heute: Meine Frau. Absender: Marc Uhrzeit: 7 Uhr

„Papa, warum geht Mama nicht zum Arzt, um lieber zu gucken.“

Wir lernen: Empfange Deine Kinder morgens mit einem freundlichen Gesicht, sonst hagelt es eine Empfehlung, es einmal bei einem Schönheitschirurgen zu versuchen.

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