TagFrühstück

Die Brötchentüte

Ich trage nun schon seit ein paar Tagen eine Geschichte mit mir rum, an die ich mich im Alltag mit unseren Kindern immer wieder erinnert fühle – und es doch nicht schaffe, immer die richtigen Schlüsse und Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Diese oder ähnliche Sätze kennen sicher alle Eltern: „Es kann doch nicht sein, dass du immer wieder den Becher umschmeißt.“ „Wie kann es sein, dass dir beim Brotschmieren immer das Messer aus der Hand fällt?“ „Wieso stolperst du eigentlich immer über deine eigenen Füße?“

Das Ganze ist ein einziger Hurricane der Entmutigung. Dieses Wort „immer“. Das ständige Abqualifizieren. Diese Signale an die Kinder, dass sie noch unfertige Menschen sind. Eigentlich ist es manchmal ein Wunder, dass sie immer wieder nach einer solchen Niederlage aufstehen und für ihre Würde und ihre Entwicklung (selbstverständlich unbewusst, einfach durch Intuition und Wille) kämpfen.

Es gibt verschiedene Schlüssel auf unterschiedlichen Stufen für uns Eltern aus dieser Spirale der Entmutigung zu entkommen. Und das hat natürlich nur mit uns selbst zu tun. Sehr hilfreich sind Erfahrungen mit sich selbst – und die sich anschließenden Gedankenspiele.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Frühstück - ein ganz wichtiger Teil des Tages, vor allem am Wochenende.

Neulich kam ich also an einem Sonntagmorgen vom Bäcker zurück. Frisch und duftende Brötchen waren in der Papiertüte. Sie kamen frisch aus dem Ofen. „Die Brötchen sind noch ganz warm, lassen Sie die Tüte ein wenig offen.“ Ich habe die Tüte anschließend wirklich sehr vorsichtig transportiert und den Rat der Verkäuferin beherzigt. Ich habe die Tüte am oberen Rand getragen. Die Luft kalt, die Brötchen warm, die Tüte ein wenig feucht. Es kam zur Zerreißprobe. Kurz bevor ich zu Hause ankam. Auf einer Schotterstraße. Ich konnte schnell genug reagieren, meine andere Hand flitzte unter die Tüte. Ich habe es verhindern können, dass die Brötchen im Dreck landen. Ich bin aber auch 42 Jahre alt und weiß einiges von der Welt und den Mechanismen, die ausgelöst werden, wenn eine dünne Papiertüte feucht wird. Wahrscheinlich habe ich ähnlich Situation bereits erlebt, ohne eine „positiven“ Ausgang.

Sofort dachte ich, was wäre deinem Kind passiert? Möglicherweise wären die Brötchen in den Dreck gefallen. Wie hättest Du reagiert? Na, wie hättet Ihr reagiert?

In den meisten Fällen hätten wir wohl unsere Kinder, die sowieso schon von ihrem Malheur geknickt nach Hause gekommen wären, nicht sehr freundlich empfangen. „Kannst  du nicht besser aufpassen?“ „Warum bist du nur so ungeschickt?“ „Immer muss dir so etwas passieren?“ „Ich kann dich ja noch nicht einmal zum Bäcker schicken.“

Das ist brutal.

Leider machen wir uns das zu wenig bewusst. Ich habe überlegt, was ich zu Hause gesagt hätte, wenn mir unser Frühstück in den Dreck gefallen wäre. Ich hätte mich begründen können. Ich bin aber auch der Papa und 42 Jahre alt. Unseren Kindern geben wir in einer solchen Situation häufig keine Chance. Wenn ich mir aber überlege, wie ich mich fühlen würde, wenn mir jemand die eben aufgeführten Sätze an den Kopf wirft, während ich sowieso schon von mir selbst enttäuscht bin, dann wird mir ganz anders.

Es ist großartig, dass einfache Situationen des Alltag so lehrreich sein können. Und jetzt hoffe ich, dass ich durch ständiges Training auch wirklich dazu komme, diese Erkenntnisse auch in die Tat umzusetzen. Das ist harte Arbeit, aber es lohnt sich.

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Ein Rapper und der Papst

Als ich heute früh in die Küche kam, saß da schon ein kleiner Rapper mit Mütze auf dem Kopf. „Na Marc, bist Du heute ein Rapper?“ Verdutzter Blick. „Nein, da stehen nur so ein paar Haare ab.“

Ich hatte auf jeden Fall gleich Spaß an diesem Tag. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass er die Schlafantenne mit seiner Maßnahme bändigen konnte. Aber sicher wird ihm noch geholfen, bevor er aus dem Haus geht.

Es ging unterhaltsam weiter – und das stimmte mich wirklich positiv auf den Tag ein. Später, es waren bereits vier Personen am Tisch, kamen Nachrichten im Radio. Es ging zu allererst um den neuen Papst. Gerade wollte Tom sich mitteilen, da fuhr Marc energisch dazwischen und bat um Ruhe. Toms Kommentar: „Jetzt interessiert der sich schon für den Papst.“ Tatsächlich interessiert sich Marc schon seit dem Rücktritt von Benedikt XVI. für das Geschehen im Vatikan – und wahrscheinlich schon länger.

Nun kann der Tag auf jeden Fall kommen. Die ersten, wenn auch kleinen Höhepunkte, verbuche ich schon einmal auf der Habenseite.

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Tom L. spricht erstmals über seine Erfahrungen vor der Geburt

Erfahrungsberichte gibt es eigentlich genug. Wenn sie in der Bild-Zeitung gestanden haben, dann erscheint meist kurze Zeit später noch ein Buch. Die einfachste Form findet sich im Schulalltag der Kleinsten wieder. „Mein schönstes Ferienerlebnis“ oder ähnliches werden auch wir noch mehrfach in irgendwelche Aufsatzhefte gemeinsam mit unseren Lieben hineintexten dürfen.

Es mangelt deutlich an Berichten von Kleinkindern darüber, wie sie ihre Zeit in Mamas Bauch erlebt haben. Gestern Abend war es dann soweit: Tom griff einen Teilaspekt des Lebens im Wasser auf. Und irgendwie lieferte er dabei gleich einen Grund, warum die Babys irgendwann ihre warme Höhle verlassen möchten.

Wir saßen beim Abendessen. Er erzählte (hier die transkribierte Version, das Original ist natürlich deutlich besser): „Als ich bei der Mama im Bauch war, gab es kein Frühstück und kein Abendessen. Da bin ich aus dem Bauch rausgekommen und bin ins Bett gegangen. Dann Frühstück und Abendessen.“

Wir sind gespannt auf weitere Geschichten.

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Zwei Welten

Jeden Morgen prallen beim Frühstück zwei Welten bei uns aufeinander. Unsere Jungs bekommen ihre Toasts – am Wochenende auch qualitativ hochwertigere Backwaren – geschmiert. Für 25% der für den Verzehr vorbereiteten Brote kommen von mir. Meine Frau schmiert also mehr. Das gebe ich zu.

Ohne dass es die Kinder weiter merken würden, prallen diese Welten also beim Schmiervorgang aufeinander. Meine Frau gehört zu den Doppel-Schmierern, während ich das einfache Schmieren bevorzuge. Ich sehe keinen Sinn darin, unter Nutella oder Marmelade auch noch Butter zu schmieren. Es gab eine Zeit, da wir dieses Thema diskutiert haben – immer wieder, wenn es quasi auf dem Tisch lag. Das ist heute nicht mehr so. Ich frage mich, was aus den Kindern wird. Selten fordert Tom Butter ein. Für Marc ist das kein Thema. Welcher Gruppe von Menschen werden sie sich zuwenden? Spannend.

Manchmal thematisieren wir die Art zu frühstücken schon noch – immer dann, wenn ich finde, dass meine Frau sich zuviel auf ein kümmerliches Brot schmiert. Aber auch das wird sicher irgendwann ein Ende haben.

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Café und Kinder 1

Ich habe ja über Twitter und – ein bisschen versteckt – auch hier gefragt, in welchen Kaffeehäusern oder Cafés Frühstücken mit Kindern ein Vergnügen sein kann – einfach weil die Infrastruktur stimmt oder die Atmosphäre einfach kindertauglich ist. Meine Kollegin Annegret hat den ersten Hinweis gegeben. Vielen Dank dafür.

Sie schlägt das Café Bergschlößchen in Bamberg vor. Dort kann man einen herrlichen Blick über die Stadt genießen, einen guten Milchkaffee trinken und dabei den Kindern beim Spielen zusehen. Auch Bobby Cars sollen vor Ort sein. Das klingt gut. Ich denke, es handelt sich hier um eine echte Offline-Empfehlung.

Im Laufe der Zeit möchte ich hier eine Liste von Kaffeehäusern erarbeiten, in denen es besonders Spaß macht , auch mit kleinen Kindern hinzugehen und das Leben zu genießen. Entsprechend würde ich weiter um Vorschläge bitten. Gesucht wird bundesweit.

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Hessentag

Nennt mich Spießer, nennt mich Prol: Ich war heute mit den Jungs am Hessentag in Langenselbold. Das war wirklich sehr schön. Höhepunkt war das Theater im Kinderland. Das Theater Phantasiothek hat „Der Drachenvulkan“ gespielt. Sehr schönes, mysteriöses und dennoch extrem kindertaugliches Stück. Ein echtes Mitmach-Theater.

Sehr gut ist auch angekommen, dass ein Hubschrauber der Bundespolizei vor Ort war. Wir waren zur rechten Zeit da, um einmal in den Helikopter zu steigen. Eine nette Polizistin hat sogar den Tom mit reingenommen und beide Jungs angeschnallt. Für Marc war sogar der Helm drin. Wenn die Bundespolizei einen Helikopter ausstellt, dann ist ein Motorrad allemal vor Ort. Auch da drauf durfte Marc einmal steigen.

Buntes Popcorn, Donuts mit Liebesperlen und die Fahrt auf einem Kinderkarussell standen auch noch auf dem Programm. Da es einigermaßen kühl war, war das Fest noch nicht so sehr überlaufen. Das war sehr gut. So konnten beide Jungs auf einer Rollenrutsche fahren, ohne lang anstehen zu müssen. Den Luftballon für den Luftballon-Wettbewerb wollte der Tom zuerst nicht so recht loslassen. Aber drei junge Punks mit Iro haben ihm den Kniff verraten. Als der Ballon dann abhob, war Tom fast so überrascht wie von dem Auftreten der ungewöhnlichen Jungs.

Überhaupt war das ein runder Tag. Die Nacht war lang und seit Ewigkeiten waren wir wieder einmal frühstücken. Wir waren im Cafe Bellevue in Darmstadt – aus alter Verbundenheit. Mit Kindern kann man da ganz gut hingehen. Allerdings ist es etwas eng. Die Tische sind klein. Es gibt aber einen Kindersitz, ein paar Bücher in einer Kiste und netten Service. Damit ist es dann schon ganz gut. Wer Lust hat, kann hier in den Kommentaren posten, in welchen Kaffeehäusern – wo auch immer –  Kinder gern gesehen sind, bzw. die Infrastruktur stimmt, um dort mit Kindern aufzuschlagen. Ein Mann hat sich heute übrigens einen Tisch weiter weg gesetzt, als wir uns niedergelassen haben. Er wollte wohl in Ruhe Zeitung lesen, oder sich wichtige Gedanken machen.

Highlight für den Marc war in jedem Fall das Mitmach-Theater. Da müssen wir dann wohl wieder einmal hingehen.

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