TagGedanken

Edelstein am Abend

Ganz oft behandele ich hier gar nicht die objektiv ganz großen Dinge. Ja, ich versuche deutlich zu machen, dass selbst in den ganz alltäglichen Begegnungen mit unseren Kindern wahnsinnig viel steckt. Insofern setze ich um, was in dem Elternkurs Kess erziehen als Edelsteinmoment bezeichnet wird. Es geht um einen Moment der ganz innigen Beziehung zum Kind, der durch Achtsamkeit und Zuneigung geprägt ist – und für beide Seiten wertvoll.

Wintertraining

Wintertraining

Gestern Abend habe ich Marc vom Fußballtraining abgeholt. Einmal in der Woche nehme ich mir die Zeit, einen Teil des Trainings der Buben anzuschauen. Interessant: Jetzt nach der Winterpause haben sich alle ziemlich stark weiterentwickelt. Das betrifft vielleicht nicht unbedingt die fußballerischen Eigenschaften. Aber eben das, was dazugehört, um Fußballspielen zu können. Kraft, Körperlichkeit, Beweglichkeit, Konzentration. Schon das allein hat mich sehr beeindruckt.

Noch dem Training war Marc sehr wach. Und er hat mich mit seinen Gedanken überrascht. „Papa, kennst Du das auch? Du wolltest gerade eine Frage stellen, aber in dem gerade laufenden Gespräch wurde die Frage kurz vor dem Moment gestellt, bevor Du gefragt hast. Und obwohl die Antwort schon gegeben wurde, hast Du die Frage trotzdem noch gestellt. Also die Frage ist schon im Gehirn und muss nur noch aus dem Mund raus.“ Das hat mir gut gefallen, ich musste schmunzeln und natürlich sagen, dass ich das kenne. Darüber, vor allem über den konkreten Fall, haben wir dann auf dem Heimweg, den wir in der Regel zu Fuß antreten, wodurch mehr Zeit für Kommunikation bleibt, noch länger gesprochen. Das war für mich ein Edelsteinmoment, der über die kurze Episode hinaus an diesem Abend gewirkt hat.

Flattr this!

Die Zeit als Wert

Es ist natürlich Blödsinn. Aber, wenn ich hier nun sitze und diese Zeilen schreibe, habe ich das Gefühl, dass das Jahr 2013 überfallartig über mich hereingebrochen ist. Ist es natürlich nicht. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die vergangenen zwei Wochen im Rückblick nicht so verlaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe.

Weihnachten war irgendwie doch wieder ziemlich zerfahren, mit all den Aufenthalten bei Familie und Freunden. Und die Zeit nach Weihnachten ist wie im Raketenflug vergangen. Wahrscheinlich bin ich auch unzufrieden mit mir. Ich habe mir weniger Zeit für die Kinder genommen als ich selbst erwartet habe.

Aber stimmt das wirklich? Marc hat am vergangenen Wochenende ein Fußballturnier gespielt, wir waren in Speyer, in der sehenswerten und inspirierenden Ägypten-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz, zum Jahresabschluss am Silvestertag haben wir einen schönen und langen Spaziergang durch unser Dorf gemacht. Zwischendrin haben wir ein paar Stunden mit Mario an der Wii verbracht, haben das eine oder andere Gesellschaftsspiel gemacht, mit Tom habe ich eine Theke für den Kaufladen gebaut.

Ein paar Punkte hätte ich noch für die Liste. Und trotzdem bleibt ein fader Geschmack zurück, wenn ich an die vergangenen Tage denke. Wahrscheinlich hat das doch damit zu tun, dass man an diesen Tagen im Jahr dazu neigt, sich zu viele Gedanken über das Gewesene und Werdende zu machen. Der Geist befindet sich in einem aufgewühlten Zustand. In den Gedankenstrudel wird hineingerissen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Insgesamt bin ich doch froh, dass ich diese Überlegungen anstellen kann. Ich hoffe, dass mich das davor bewahrt, die wichtigsten Menschen um mich herum zu vernachlässigen und zu wenig Zeit mit ihnen zu verbringen.

Damit ist ja auch schon wieder der erste Plan für das frische Jahr gefasst.

Flattr this!

Nächste(n)liebe

Heute war ich mal wieder mit unseren Kindern allein in der Kirche (hoffentlich fühlen sich die Atheisten unter Euch jetzt nicht allzu peinlich berührt). Mit den Dreien unterwegs zu sein, birgt immer viele Überraschungen. Das ist kein Grund zur Panik. Manchmal aber huscht ein Gedanke durchs Gehirn: „Was wohl heute wieder passieren wird?“

Wir waren knapp dran wie immer, eigenltich waren wir einen kleinen Moment zu spät. Ein Plätzchen gab es in dem Kinderwortgottesdienst gleichwohl noch für uns. Ein exponierte Position hatte wieder einmal unser Tom. An anderer Stelle habe ich schon darüber berichtet, dass er ein – manchmal auch übertriebener – Mitmacher ist. Wenn Fragen in die Runde gestellt werden, ist er eine wahre Wundertüte. Nicht immer können alle Anwesenden das Gesagte nachvollziehen. Es kam sogar schon vor, dass wir ihn ein wenig bremsen mussten, leider.

In diesem Fall hat er sich durch eine räumliche Trennung von mir meinem Einfluss entzogen. Es war auch soweit in Ordnung. Aber dann ging es um die Frage, was man denn unter Nächstenliebe versteht. Das kann je nach Blickwinkel eine schwierige Frage sein. Wie ein Blitz, der ja auch in der Regel von unten nach oben  geht, schnellte Toms hand hoch. Und es folgte eine Antwort, die nicht für jeden gleich schlüssig war. „Nächstenliebe halt“, sagte er. Das zog eine Rückfrage nach sich. „Wie meinst Du das, Tom?“ „Na zuerst kommt die Liebe und danach die Nächstenliebe!“ Okay, das hatten dann auch alle verstanden.

Und selbst wenn Jesus etwas anderes gemeint hat: Die Antwort regt zum Nachdenken an. Ist es nicht wahnsinnig wichtig und wertvoll, wenn nach der ersten Liebe tatsächlich so etwas wie die nächste Liebe kommt? Die Antwort war zwar nicht korrekt, aber mal wieder sehr wertvoll. Wie eigentlich die meisten Überraschungen.

Flattr this!

Was die Welt verdient

Dialoge während der Autofahrt können manchmal sehr interessant sein. Bei uns geht es in der Regel recht kommunikativ zu. Manchmal sind es Redebeiträge, die, sagen wir mal, nicht zu 100% in die Lebenswelt von Mama und Papa hineinpassen. Allerdings empfiehlt es sich immer, zumindest teilaufmerksam den Ausführungen aus dem Fond zu lauschen.

Die Kinder waren gestern mit mir bei der offiziellen Großveranstaltung zum Weltkindertag in Darmstadt unterwegs. Es gab viel zu erleben. Die Kinder wurden ordentlich aktiviert. Ich habe mit Vertretern vom Kinderschutzbund und anderen über unterschiedliche Themen gesprochen. Das Motto des Tages war sehr schön gewählt: „Zeit für Kinder“. Das ist ja auch eines meiner Themen und es ist gut zu sehen, dass es auch Thema vieler anderer Eltern ist.

Nachdem wir also unser Ständebesuchsprogramm absolviert hatten, ging es wieder nach Hause. Die Stimmung war gut, alle waren etwas erschöpft. So richtig wach wurde ich, als Marc etwas sehr Interessantes sagte. „Papa, die Welt hat es auch verdient, einmal zu sterben.“ Schwere, schräge Gedanken. Aber ich habe natürlich nachgehakt, um mehr zu erfahren. „Die Erde arbeitet schon so viele Jahrmillionen schwer. Wenn Bäume wachsen, ist es so als würden wir Zähne bekommen. Und das tut uns doch auch weh.“ Tom ergänzte: „Und das Gras ist wie die Haare.“ „Vielleicht gibt es ja schon andere Planeten mit Menschen“, sagte Marc dann noch. So komme dann eben jemand anderes an die Reihe.

Irgendwie klingt das Ganze dann doch plausibel. Alles, was Marc sagte, sagte er mit einer großen Ruhe. Es war keine Angst oder Furcht in seiner Darstellung. Jedes Ende beinhaltet einen Anfang. Wenn etwas vergeht, kann Neues entstehen. So kennen wir die Sätze.

Ich war jedenfalls froh, dass ich in diesem Moment nicht nur teilaufmerksam, sondern sehr aufmerksam war. Und dass ich die Ruhe besessen habe, ernsthaft und interessiert nachzufragen. Für mich war das ein wahrlich wertvolles Gespräch, indem ich etwas über die Welt und meine Kinder gelernt habe.

20120924-092420.jpg

Flattr this!

Die Nachdenklichkeit ist zurück

Das hatte ich lange nicht mehr. Ich mache mir Sorgen um die Kinder. In welcher Welt werden sie groß? Was wird aus ihnen, welche Möglichkeiten werden sie haben? Wie sieht die Welt in 15, 20, 30 Jahren aus.

Als es um die Entscheidung ging, eine Familie zu gründen, habe ich mir schon die Frage gestellt, ob man in diese Welt voller Gewalt, Ungerechtigkeit und Verschmutzung Kinder setzen soll. Wahrscheinlich habe ich mir die Frage nur gestellt, weil es einfach dazu gehört, sich solche Fragen zu stellen, wenn man die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs trifft.

Unter dem Strich ist es natürlich keine ernsthafte. Oft genug habe ich hier dargestellt, wie großartig es ist, Kinder zu haben, an und mit ihnen zu lernen und sich so erst ernsthaft weiterzuentwickeln.

img_4092_ultra_vivid_nachdenken

Und dennoch: Zwischenzeitlich komme ich doch immer wieder ins Grübeln. Diesmal war der Auslöser eine nachdenkliche Bemerkung meiner Frau.

Die Zeiten sind komisch. Am drängendsten erscheint im Moment die Krise Europas und die Überschuldung der wirtschaftlich starken Nationen und Länder (eigentlich ein Hohn, wenn man sich erst die wenig bis gar nicht entwickelten Länder und das Leid der Menschen sieht).

Terror und Krieg sind im Moment medial nicht so präsent. Das lässt leicht Dinge vergessen, die in der Welt sind, auch wenn die Medien ihren Spot gerade nicht darauf richten.

Energiefrage und Klimawandel sind weitere prekäre Themen. Eine Lösung ist nicht wirklich in Sicht, selbst wenn man sich nun von der unkontrollierbaren Kernkraft verabschiedet – und zwar nicht nur in Deutschland.

Dann die Digitalisierung der Welt, die in großen Schritten voranschreitet. Sie hat so viel interessantes und verbindendes zu bieten. Aber sie ist eben auch disruptiv. Keiner weiß in welche Richtung sich das Ganze weiterentwickelt – Fluch oder Segen? Eine Antwort steht aus.

Aber viele Antworten auf zahlreiche Fragen unserer Zeit werden in den kommenden 15, 20, 30 Jahren gegeben. Unsere Kinder werden sich intensiv mit den Antworten auseinandersetzen müssen. Die Atomisierung von Sicherheit, die Veränderung von Lebensabläufen, der demografische Wandel treffen sie mit voller Wucht.

Das sind große Herausforderungen. Das spüren und wissen wir Eltern. Wir tragen dafür Verantwortung, was heute geschieht und morgen als Antwort zur Verfügung steht. Ich habe Angst davor, dass wir daran scheitern, faire Verhältnisse für die Heranwachsenden zu hinterlassen.

Ich bin froh, dass die Kinder da sind. Und doch mache ich mir Sorgen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Den Kindern innere Widerstandskraft mitgeben, das können wir leisten. Ansonsten wird es schwer, in einer immer komplexer werdenden Welt, Ansatzpunkte für Veränderung zu finden. Die Nachdenklichkeit ist zurück. Geht es anderen eigentlich auch so?

Flattr this!

Ich werde Papa…

ich_werde_papaEs lässt sich nicht viel länger verbergen, es gibt einen neuen Lebensabschnitt und ich kann mich nun darauf einstellen: „Ich werde Papa.“ Damit bekommt „Clip“ nun einen Co-Blogger, der ganz vorn beginnt – in einer Zeit, an die sich einige zurückerinnern – oder die sich wiederum andere noch gar nicht vorstellen können. Hier kommt also mein Outing, mein Starter-Beitrag und damit die Teilnahme an meinem dritten Blog, das ich schreibe. Lebensabschnitt 2.0 sozusagen.

Die Reaktionen fallen bislang allesamt positiv aus, es sind aber auch einige dabei, dir mir mindestens zu denken geben. „Genießt die Zeit, ihr werdet nie wieder für euch sein“, sagt der eine. „Tja, dann heißt es ja jetzt Nestchen bauen“, die andere. Einige vermuten einen „Unfall“, andere sind sich sicher, dass „das“ geplant war. Mein Highlight aber bislang lautete: „Dass es aber bloß nicht unehelich wird.“ Fein, fein. War ich doch Messdiener, weiß um diverse Konventionen und Herausforderungen und muss mich erst einmal über ganz grundsätzliche Dinge schlau machen.

Angst vor Schwörern vor der Tür…

Die Frauenärztin verriet uns: Zu 85 Prozent wird’s ein Junge. Das wäre auch meine Präferenz. Ich hoff‘ natürlich, dass im Falle dessen der Junge auch zu 100 Prozent ein selbiger wird. Mich persönlich würd’s freuen, kann ich mir doch Besuche bei Borussia Dortmund, Carrera-Bahn-Kaufen, gemeinsam Basketball zocken oder das erste gemeinsame Bier mit dem Pubertierenden viel besser vorstellen als Barbies, Kleidchen diskutieren, Zickenalarm oder 15-jährige Schwörer, die plötzlich vor der Tür stehen und mit dem 12-jährigen Töchterlein ***ich will’s mir gar nicht ausmalen*** „ausgehen“ wollen. Wobei mir ein Vertauter dann aber auch sagte: „Was meinste, wie schön das ist, wenn das kleine Töchterchen den Papa anhimmelt.“ Nun – davor hab ich eher Respekt, wie soll ich denn da etwas verbieten können?

Noch ein schönes Zitat von meinem Ex-Chef, der gerade zwei weibliche Zwillinge aufzieht: „Jungs kriegen Jungs – und Männer machen Mädchen.“ So langsam füllt sich das Repertoire für ein Gedankenbuch zur Schwangerschaftsvorbereitung für angehende Väter…

Aber egal für welches Geschlecht es sich nun entscheiden wird: Ich freu mich auf die Zeit natürlich sehr. Für mich ist’s alles noch sehr schwer vorstellbar – kaum fassbar – und meistens denk ich mir: „Mann, muss das langweilig sein, wenn man neun Monate lang gar nix sehen kann und gar nicht weiß, wie’s da draußen so abgeht.“

Von der Idee mit Passion Papa und dem Papablog wusste ich schon zu einer Zeit, als ich mich selbst nie als Autor gesehen hätte. Jetzt war’s einer meiner ersten Gedanken, mich hier zu beteiligen und meine Bewerbung wurde angenommen. Merci. Und daher werde ich mit euch in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten hier einige meiner Gedanken teilen – und Passion Papa hoffentlich im ein oder anderen Falle etwas bereichern. Auf jeden Fall freue ich mich über jeden Tipp, hilfreichen Hinweis, denn ich bin ein Neuling in der Sache, ein Rookie, ein Greenhorn, Frischling und absoluter und blutjunger Anfänger. Mit meinen zarten 36 Lenzen*.

Übrigens: Ich brauch noch ein gutes Buch für angehende Väter. Irgendwie häuft sich in unserer Wohnung** ein Turm von Mutter-Büchern und Zeitschriften – selbst die Zeitschrift „Eltern“ ist schon dabei. Aber für mich persönlich fehlt’s noch an Lektüre. Und wenn einer was weiß, freu ich mich über einen Kommentar…

So long…

*noch’n comment: „Naja, das Alter habt ihr ja dafür“
**die es in diese Form noch gar nicht gibt, wir wohnen noch getrennt und sind auf der Suche in Düsseldorf nach einem gemeinsamen Heim und über Hinweise dankbar

Flattr this!

© 2017 passionpapa

Theme by Anders NorenUp ↑