TagGespräche

Edelsteinmomente am Morgen

Heute Morgen war Nora mal wieder besonders gut drauf. Obwohl wir nur wenig Zeit miteinander verbringen konnten, hat sie mit ihren Wortbeiträgen Stoff für zwei Blogposts zusammen bekommen. Fangen wir mit dem ersten an.

Ich war gerade dabei, die beiden Jungs auf ihren Schulweg zu schicken, als Nora Fröhlich grinsend aus der Küche getänzelt kam. „Unser Papa ist der beste Papa der Welt?“ Von den Buben kam kein Widerspruch. Sollte dieser Tag zu einem ganz großartigen werden können? In diesem Moment dachte ich: „Auf jeden Fall!“ Die Jungs gingen ihres Weges. Zum Glück hatte ich dann noch Zeit für unsere kleine Tochter.

Wir verzogen uns ins Bad, anziehen, fertig machen für den Kindergarten. Vor ihr knieend, fiel ihr Blick auf mein Haupthaar. „Papa, hast Du hier eine Glatze?“ Ich deutete auf meine bekannt und mit ihr abgefunden hohe Stirn „Ja, das kann man schon so nennen. Irgendwie ist es eine Art Glatze.“ „Ich meine nicht da, sondern dort!“ Um Gottes Willen, welchen schütteren Teil meines Haupthaares hatte sie nun schon wieder entdeckt?

Zum NachdenkenIch konnte gar nicht weiter darüber nachdenken, da präsentierte sie schon das nächste – irgendwie im Zusammenhang mit dem vorherigen Aspekt stehende – Thema. „Wenn Du gestorben bist, bist Du dann nicht mehr da?“ „Ja, Nora, das ist so, wenn der Papa gestorben ist, dann ist er nicht mehr da.“ „Suchen wir uns dann einen anderen Papa?“ „Es gibt nur einen wirklichen Papa. Aber man kann sich dann so etwas wie einen neuen Papa suchen.“ Nachdenklich gingen wir im Anschluss die Treppe hinunter – und waren uns wirklich ganz, ganz nah. Das war schön. Die Verbundenheit war intensiv zu spüren. Edelsteinmoment.

PS: Meine Frau hat mir später am Tag eine Begebenheit erzählt, die einige Tage zurückliegt. Aber hier auch irgendwie passt. Meine Frau hat Nora gesagt, sie müsse jetzt zur Schule. Nora fragte, wer dort eigentlich der Lehrer meiner Frau sei. „Ich bin in der Schule selbst eine Lehrerin“, sagte meine Frau. Und Nora erwiderte: „Bist Du dann kein Mensch mehr?“ Einfach großartig.

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Ich und das Gefängnis

„Papa, warst Du schon einmal im Gefängnis?“ Ich gebe zu, diese Frage hat mich unvorbereitet getroffen. Entsprechend habe ich reagiert. Ich hoffe, dass ich mich nicht verdächtig gemacht habe. Marc war ebenfalls überrascht, dass ich so vehement erläutert habe, dass ich natürlich noch nicht im Gefängnis gewesen bin. „Hast Du den Eindruck, dass ich mal im Gefängnis hätte gewesen sein müssen?“

„Als Jugendlicher stellt man doch viel Blödsinn an, oder?“ Es müssten ja nicht immer gleich kriminelle Dinge sein, habe ich gesagt. Und dann gab ich zu, dass ich eigentlich immer ziemlich brav gewesen bin – irgendwie bin ich das bis heute ist mir dann aufgefallen, also nochmal so richtig deutlich.

Marc weiß, dass wir oft Krimis schauen. Vielleicht hat das seine Fantasie angeregt. Im vergangenen Jahr war eine in einer kriminologischen Vorlesung bei der Kinderuni in Frankfurt. Vielleicht hat er sich wieder einmal daran erinnert. In der Schule geht es viel um Demokratie und Kinderrechte. Ob es auch um Strafrecht geht, weiß ich nicht.

Aber ich bleibe weiter auf der Hut. Und ich weiß: Auch das wird mich nicht davor bewahren, überraschende Fragen von den Kindern gestellt zu bekommen.

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Edelstein am Abend

Ganz oft behandele ich hier gar nicht die objektiv ganz großen Dinge. Ja, ich versuche deutlich zu machen, dass selbst in den ganz alltäglichen Begegnungen mit unseren Kindern wahnsinnig viel steckt. Insofern setze ich um, was in dem Elternkurs Kess erziehen als Edelsteinmoment bezeichnet wird. Es geht um einen Moment der ganz innigen Beziehung zum Kind, der durch Achtsamkeit und Zuneigung geprägt ist – und für beide Seiten wertvoll.

Wintertraining

Wintertraining

Gestern Abend habe ich Marc vom Fußballtraining abgeholt. Einmal in der Woche nehme ich mir die Zeit, einen Teil des Trainings der Buben anzuschauen. Interessant: Jetzt nach der Winterpause haben sich alle ziemlich stark weiterentwickelt. Das betrifft vielleicht nicht unbedingt die fußballerischen Eigenschaften. Aber eben das, was dazugehört, um Fußballspielen zu können. Kraft, Körperlichkeit, Beweglichkeit, Konzentration. Schon das allein hat mich sehr beeindruckt.

Noch dem Training war Marc sehr wach. Und er hat mich mit seinen Gedanken überrascht. „Papa, kennst Du das auch? Du wolltest gerade eine Frage stellen, aber in dem gerade laufenden Gespräch wurde die Frage kurz vor dem Moment gestellt, bevor Du gefragt hast. Und obwohl die Antwort schon gegeben wurde, hast Du die Frage trotzdem noch gestellt. Also die Frage ist schon im Gehirn und muss nur noch aus dem Mund raus.“ Das hat mir gut gefallen, ich musste schmunzeln und natürlich sagen, dass ich das kenne. Darüber, vor allem über den konkreten Fall, haben wir dann auf dem Heimweg, den wir in der Regel zu Fuß antreten, wodurch mehr Zeit für Kommunikation bleibt, noch länger gesprochen. Das war für mich ein Edelsteinmoment, der über die kurze Episode hinaus an diesem Abend gewirkt hat.

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Was die Welt verdient

Dialoge während der Autofahrt können manchmal sehr interessant sein. Bei uns geht es in der Regel recht kommunikativ zu. Manchmal sind es Redebeiträge, die, sagen wir mal, nicht zu 100% in die Lebenswelt von Mama und Papa hineinpassen. Allerdings empfiehlt es sich immer, zumindest teilaufmerksam den Ausführungen aus dem Fond zu lauschen.

Die Kinder waren gestern mit mir bei der offiziellen Großveranstaltung zum Weltkindertag in Darmstadt unterwegs. Es gab viel zu erleben. Die Kinder wurden ordentlich aktiviert. Ich habe mit Vertretern vom Kinderschutzbund und anderen über unterschiedliche Themen gesprochen. Das Motto des Tages war sehr schön gewählt: „Zeit für Kinder“. Das ist ja auch eines meiner Themen und es ist gut zu sehen, dass es auch Thema vieler anderer Eltern ist.

Nachdem wir also unser Ständebesuchsprogramm absolviert hatten, ging es wieder nach Hause. Die Stimmung war gut, alle waren etwas erschöpft. So richtig wach wurde ich, als Marc etwas sehr Interessantes sagte. „Papa, die Welt hat es auch verdient, einmal zu sterben.“ Schwere, schräge Gedanken. Aber ich habe natürlich nachgehakt, um mehr zu erfahren. „Die Erde arbeitet schon so viele Jahrmillionen schwer. Wenn Bäume wachsen, ist es so als würden wir Zähne bekommen. Und das tut uns doch auch weh.“ Tom ergänzte: „Und das Gras ist wie die Haare.“ „Vielleicht gibt es ja schon andere Planeten mit Menschen“, sagte Marc dann noch. So komme dann eben jemand anderes an die Reihe.

Irgendwie klingt das Ganze dann doch plausibel. Alles, was Marc sagte, sagte er mit einer großen Ruhe. Es war keine Angst oder Furcht in seiner Darstellung. Jedes Ende beinhaltet einen Anfang. Wenn etwas vergeht, kann Neues entstehen. So kennen wir die Sätze.

Ich war jedenfalls froh, dass ich in diesem Moment nicht nur teilaufmerksam, sondern sehr aufmerksam war. Und dass ich die Ruhe besessen habe, ernsthaft und interessiert nachzufragen. Für mich war das ein wahrlich wertvolles Gespräch, indem ich etwas über die Welt und meine Kinder gelernt habe.

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