TagHardrock

Musik-Telegramm

Diesmal hat mir Marc ein Telegramm geschickt. Es ist schon sehr interessant, seine Kinder beim Großwerden zu begleiten. Um harte musikalische Töne kommt keines der Kinder herum, wenn es bei mir im Haushalt lebt oder mit mir Auto fährt. Meistens gefällt ihnen das Vorgesetzte, so lange sie klein genug sind. Intuitiver Geschmack hat etwas mit Gewohnheiten zu tun. Neulich aber manifestierte sich Marcs musikalische Emanzipation erstmals ganz deutlich – in einer völlig unvermittelt über mich hereinbrechende Aussage.

„Du Papa, ich höre jetzt nicht mehr so gerne Hardrock!“

Das ist schade, aber natürlich auch in Ordnung.

Flattr this!

Chickenfoot

Die Begriffe Hardrock und Heavy Metal sowie die sich dahinter befindende Musik sind sehr stark mit den 70er, 80er und 90er Jahren verbunden. Die Stile haben sich weiterentwickelt, neue Begriffe wurden gefunden. Hardrock und Heavy Metal sind Worte aus der alten Welt. Aber auch sie können mit neuem Leben gefüllt werden – ob sie allerdings Digital Natives ansprechen, bleibt fraglich. Etwas ältere Semester können von guten Produkten noch immer gepackt werden. Die wirklich guten Ergebnisse bringe ich auch meinen Jungs näher.

Ein überraschend gutes Album haben ein paar alte Haudegen aus den USA hervorgebracht. Chickenfoot heißt die Band. Mit von der Partie sind Sammy Hagar, Michael Anthony, Joe Satriani und Chad Smith. Die ersten beiden waren einmal eine Hälfte von Van Halen. Sammy Hagar hatte auch schon vor der Van Halen-Zeit eine Stimme mit großem Wiedererkennungswert. Tatsächlich steht sie aber für Van Halen 2, also die Zeit nach David Lee Roth. Entsprechend schwer fällt es dem Quartett, nicht an die guten alten Zeiten zu erinnern.

Dieses Problem ist unter dem Strich wahrscheinlich aber gar nicht so groß. Musikalisch haben wir es hier nämlich wirklich mit dem Feinsten zu tun, was im Genre Hardrock gerade so möglich ist. Wesentlich trägt dazu natürlich Gitarren-Held Joe Satriani bei, der einst als Autodidakt eine solche Klasse erreichte, dass er Gitarristen wie Steve Vai und Kirk Hammett das Schrammeln beibringen durfte. Über die perfekte Rockröhre von Hagar muss man eigentlich auch kein Wort verlieren. Red Hot Chili Peppers-Drummer Chad Smith wirkt im Hintergrund extrem unaufgeregt und klar. Dasselbe gilt für die solide Rhythmus-Arbeit von Michael Anthony am Bass.

Bis auf zwei Titel handelt es sich bei diesem Album um einen rechten Rockhammer. Als Appetizer würde ich „Oh Yeah“, „Get it up“ und „Down The Drain“ empfehlen. Diese Songs zeigen sehr schön, worauf es bei gradlinigen Rock-Hammern ankommt. Die Songs My Kinda Girl und Learning to Fall (die Nummern 8 und 9) fallen etwas ab, finde ich.

Nachdem Marc mittlerweile ein großer Fan von Bon Jovi geworden ist, werde ich ihm künftig beim Autofahren auch mit Chickenfoot beglücken. Mal sehen, ob er diese Songs auch gesanglich interpretieren wird.

Chickenfoot von Chickenfoot bekommt von mir 7 von 10 möglichen Punkten.

Flattr this!

Triff die Vergangenheit

Zwischendurch habe ich immer wieder einmal das Bedürfnis, mich passiv-musikalisch weiterzubilden. Da ich im Moment wieder einige neue – wie sagt man so schön traditionell – Heavy Metal-/Hardrock-Alben höre, habe ich mich bei den entsprechenden Magazinen umgeschaut. Mike Portnoy von meiner Lieblingsband Dream Theater war auf der aktuellen Rockhard-Ausgabe am besten in Szene gesetzt. Also her damit.

Das Durchblättern war wie ein Wandeln in der Vergangenheit. Da blicken einem reihenweise Jungs von den Fotos entgegen, die vor 15 bis 20 Jahren schon genauso aussahen. Ich würde sagen, dass das auf 80% der Buben zutrifft. Ein bisschen Weiterentwicklung gibt es allerdings schon (richtig: 20%).

Die Interviews mit Mike Portnoy und James Labrie habe ich sofort gelesen. Und ich muss sagen: Respekt. Es sind wirklich hochwertige, informative, von Sachkenntnis nur so strotzende journalistische Texte. Ich würde sagen, der Kaufpreis ist allein damit zu 50% gut angelegt.

Dazu kommt der Spaß an häufig gewählten Sprache. Vor allem bei den CD-Reviews zeigen die Wortakrobaten der Redaktion, dass sie neben Phrasen und Floskeln auch zu netten neuen Wortschöpfungen und lustigen Formulierungen in der Lage sind.

Standard ist ja auch eine beigeheftete CD bei solchen Publikationen. Frohen Mutes habe ich sie in den Player geworfen. Ich dachte noch, vielleicht ist ja etwas dabei, wo es sich lohnt, einmal ein ganzes Album zu erwerben. Der Anfang war gut, aber schon bekannt (A Rite of Passage von Dream Theater). Aber dann wurde es mit wenigen Ausnahmen unterirdisch. Ich bin nun wirklich ein Metal-Fan erster Stunde, wenn mich auch schon früher Trash- und Death-Metal nur teilweise zufriedenstellen konnten. Die Titel auf der CD gehören meist zu Alben, die auch im Heft vorgestellt wurden. Ich war etwas schockiert, das sogar der uninspirierte Müll vergleichsweise wohlwollend besprochen wurde. Zu den besseren Acts gehören sicher noch die alten dänischen Haudegen von Artillery. Auch Devildriver mosht noch ganz ordentlich. Von da an wird es eher schwierig. Echt Grütze ist Jorn (Hardrock für einfachste Gemüter), Onheil (der Name ist Programm), Blood Red Throne (Death Metal aus Norwegen) und Ex Deo (pathetischer Death Metal über das Römische Reich).

Wenn man dann in den Kritiken noch lesen muss, dass es auch Leute gibt, die an diesen Bands Spaß haben, will man sich gar nicht vorstellen sie die Mucke der noch schlechter bewerteten Bands ist. Zufrieden bin ich jedoch mit der Erkenntnis, dass in meinem liebsten Musik-Genre die Interpreten, die mir wirklich zusagen, ein überschaubares Grüppchen bilden. Das verhindert blinden Konsum.

Ich werde sicher wieder einmal zu einem solchen Heft greifen. nach der Lektüre denke ich aber auch meine Mutter, schließlich gehörte ich schon mit 14 Jahren zu den Abonnenten des Metal Hammer. Dafür, dass sie das verstanden hat, muss ich heute den Hut ziehen.

Flattr this!

Der Soundtrack zur Krise

Der Titel der Platte macht deutlich: Hier handelt es sich um einen Soundtrack zur Krise. „Black Clouds & Silver Linings“ heißt das neue Album der Progressive-Metal-Combo Dream Theater. Normalerweise ist das Quintett am besten, wenn es hart, schnell und komplex ist. Die beiden ersten Attribute sind in diesem Fall eher die Ausnahme.

Das mag man bedauern, aber man muss eben auch wieder einmal ganz genau hinhören, um die Stärken des Songwritings und der Arrangements zu entdecken. Die klassichen Einflüsse haben im Vergleich zu den Vorgänger-Alben meiner Meinung nach wieder zugenommen. Auffällig sind auch die Remineszenzen an Art Rock a la Yes und Pink Floyd (5 The Best of Times,6 The Count of Tuscany). Dazu kommen noch Zitate aus früheren Scheiben wie bei The Shattered Fortress (4).

Absolute Höhepunkte der Platte sind der Opener (A Nighmare to Remember) und The Shattered Fortress. Nummer 2 (A Rite of Passage) ist ein radiotauglicher Midtempo-Hammer. Wither (3) und The Best of Times lassen es eher ruhiger angehen. Dort erhält das Hymnische für meinen Geschmack etwas zu viel Raum. Der letzte Song (The Count of Tuscany) hat dann wieder das Epische und Abwechslungsreiche, was viele Dream Theater Fans an ihren Helden lieben.

Großartig ist aus meiner Sicht, dass neben der klassisch ausgebildten Stimme von James LaBrie, die auch schon einmal nerven kann, auch Drummer Mike Portnoy wieder ins Mikro gröhlen darf (Beispiel: Mittelteil von A Night to Remember). Das ergibt einen guten Kontrast und unterstützt die Wechsel von langsam und schnell, Moll und Dur, schräg und geradlinig.

Die Keyboards von Jordan Rudess sind ebenfalls wieder herausragend in Szene gesetzt. Die Klangteppiche dienen dem Zusammenhalt der Songstrukturen. Wenn er dann aber einmal losgelassen wird, dann zaubert er auch schon einmal ein derart abgefahrenes Solo aus den Boxen wie in A Rite of Passage. Mike Portnoy und Basser John Myung bilden eine Rhythmus-Einheit, wie sie sich West- und Ostdeutschland vielleicht wünschen, wahrscheinlich aber nie erreichen werden. Gitarrist John Petrucci kann zwar auch futteln – zum Großteil ordnet er sich aber brav den Songs unter. Auffällig sind die Gitarrensounds, die auch an die guten alten Zeiten des Hardrock und des Art Rock erinnern. Er kann’s auch bluesig.

Dass Dream Theater Anhänger dieser Musikrichtungen sind, wird besonders auf der zweiten Scheibe der 3 CD-Special-Edition deutlich. Sechs Cover-Songs hat das Quintett dort draufgepackt. Darunter Titel von Rainbow, Dixie Dregs, Queen und Iron Maiden. Dort manifestiert sich nochmals die ganze Spielfreude der Band, die auch nach 22 Jahren ungemindert scheint. Meine persönlichen Favoriten sind To Tame a Land von Iron Maiden und Stargazer von Rainbow. Die dritte Scheibe beinhaltet nochmal die Songs des neuen Albums als Instrumental-Versionen. Das dürfte vor allem jene freuen, denen James LaBrie und dessen Stimme irgendwann auf den Zeiger geht.

Bis auf Wither kommen die Songs wieder einmal smphonisch daher. Der Opener ist ein Gesamtkunstwerk in über 16 Minuten. The Count of Tuscany schafft es gar auf über 19 Minuten. Wer sich allein diese beiden Titel anhört, der merkt, dass die Krise nur ein Bestandteil des Lebens ist. Der Rest besteht aus Silberstreifen am Horizont.

Auf einer Skala von 1 (unterirdisch) bis 10 (intergalaktisch) bekommt die Scheibe 8 Punkte. Es fehlt mit etwas an Härte – und das Balladeske erhält zu viel Raum.

Flattr this!

AC/DC

Ehrlich gesagt: Obwohl ich Hardrock in den verschiedenen Spielarten liebe, gehört AC/DC nicht gerade zu meinen Lieblingsbands. Die guten Zeiten der Australier sind vorbei. Der Erfolg, den sie mit ihrem aktuellen Album „Black Ice“ haben, kommt für mich überraschend. Sei’s drum.

Da AC/DC eben nicht zu meinen Lieblingsbands gehört und ich noch nicht einmal eine CD oder DVD mein Eigen nenne, scheint Marc einen Narren an der Band gefressen zu haben. Wahrscheinlich lief einmal eine Nummer der DownUnder-Rocker im Radio, als wir im Auto unterwegs waren.

Auf jeden Fall lagen wir heute Abend wieder gemütlich auf dem Bett, wo ich aus dem Buch Achtundzwanzig Lachgeschichten vorlesen sollte. Bevor es aber losging, wollte Marc etwas ganz Wichtiges wissen: „Wann können wir endlich mal wieder AC/DC hören?“ nach kurzer Verwirrung und einer wahrscheinlich unbefriedigenden Antwort („Weiß ich nicht.“) konnte ich die Lesung beginnen.

Flattr this!

© 2017 passionpapa

Theme by Anders NorenUp ↑