TagKindergarten

Tage mit Wert

Ich will weder Jammern, noch Mitleid noch Lob ernten. Aber ein Familie mit drei Kindern hat es schon in sich. Allein der Alltag kommt so dicht daher, dass der vollzeit-arbeitende Mann (in unserem Fall) immer nur staunen kann, wie die Frau (unbeschäftigt oder in Teilzeit) das System im Griff hat. Wer in einer solchen Familienkonstellation kein Organisationstalent hat, der muss sich Organisationsfähigkeiten aneignen. Sonst fliegt einem das System irgendwann um die Ohren.

Daher ist es immer wieder großartig, wenn sich der standardmäßige Geldverdiener gelegentlich einen ganz normalen Tag frei nimmt, um intensiv am Familienleben teil zu haben. Gestern war mal wieder ein solcher Tag voller Action, Staunen und Tatendrang.

Leider klappt es auch außerhalb der freien Tage nur selten die Kinder in Schule oder Kindergarten zu bringen. Gestern war dann für die i-Dötzchen (wie ABC-Schützen, Erstklässler im Rheinland) auch noch ein besonderer Tag. Es ging auf die Eberstädter Streuobstwiesen zum Apfelsaftkeltern. Ein offensichtlich großartiger Schulausflug, von dem alle begeistert zurückkamen. Im Gepäck ein halber Liter Apfelsaft aus eigenhändig gesammelten Äpfeln. Großer Stolz.

Zwischendrin war ich mit der fast 14 Monate alten Tochter beim Musikgarten. Singen, Tanzen und Bewegen mit fünf weiteren Müttern und einer sehr engagierten und gut ausgebildeten Leiterin. Nora war ein bisschen anhänglich. Gefallen hat ihr es sicher – ich will es mir einbilden -, diese Veranstaltung auch einmal mit dem Papa besucht zu haben.

Durch den Besuch eines Kindes aus der Nachbarschaft und die Mittagsruhe von Nora, verging der Nachmittag wie im Flug. Einen Großteil der Zeit verbrachte meine Frau mit dem Mittleren beim Kinderturnen.

Dann: fliegender Wechsel. Mama und Sohn kommen, Papa und Sohn gehen. Fußballtraining. Eine Meute kleiner Fußballerinnen und Fußballer wird von zwei bis drei Trainern gebändigt. Die Eltern zeigen sich mehr oder weniger engagiert – die einen beim Sport des Nachwuchses, die anderen beim Reden, Rauchen, Sekttrinken. Zugegeben, das eine oder andere Wundern findet an einem solchen Tag auch seinen Platz.

Dann geht es nach Hause. Der Geist ist frei. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man seine Lieben dann im Bettchen weiß. So sehen echte Tage mit Wert aus.

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Fastnacht, eine ernste Sache

Kinder diskutieren in der Zeit vor Fastnacht gern darüber, in welcher Verkleidung sie an den tollen Tagen durch die Gegend marschieren wollen. Als Folge solcher Diskussionen sollen schon Freundschaften im Kindergartenalter auf immer und ewig aufgekündigt worden sein.

Marc hat sich diesmal als Sohn eines Videospielefans für den Klempner Mario entschieden. Eigentlich eine ganz lustige Wahl. Einer seiner besseren Kumpel hat diesen Plan mit der besserwisserischen Aussage „So eine Verkleidung gibt es doch gar nicht.“ Marc war verzweifelt. Wir konnten ihm zigmal sagen, dass es natürlich jede Verkleidung gibt – manche gibt es eben nicht zu kaufen, dann muss man sie eben selber machen.

Und tatsächlich: Einige Kinder denken, nur weil es entsprechende Masken nicht im Kaufhaus gibt, existieren auch die entsprechenden Verkleidungen nicht. In Wirklichkeit ist eben manchmal Kreativität und Einsatz gefragt.

Selbst heute, als Mario verkleidet, hat Marc noch befürchtet, dass man ihm sagen werde, eine solche Verkleidung gebe es doch gar nicht. Die Unbeschwertheit ist wie weggeblasen. Der ach so lustige Karneval, eine ernste Sache.

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Kranke Kinder

Ich habe heute mit einem Kollegen gesprochen, der erzählt hat, dass schon vor 15 Jahren und mehr im Kindergarten darüber gesprochen wurde, wie man damit umgehen soll, wenn Kinder krank – vielleicht sogar wissentlich – in die Einrichtung geschickt werden.

Damals gab es wohl Eltern, die zum Schutz der eigenen Kinder erwartet haben, dass die Erzieherinnen die Kinder per Augenschein erfassen sollten, ob kranke Kinder in den Kindergarten gebracht werden. Die Erzieherinnen wollten sich den Schuh nicht anziehen. Es kamen wohl Fragen wie: „Sollen wir den Kindern am Eingang Blut abnehmen?“ Oder: „Sollen wir jedem Kind bei Ankunft erstmal Fieber messen?“

Diese Einstellung der Erzieherinnen, die sowieso ein ganz gutes Gespür dafür haben, war damals richtig und ist es auch heute. Die Verantwortung tragen die Eltern – für ihr Kind und das Umfeld. Eltern, die ihre Kinder wissentlich in den Kindergarten oder die Krippe geben, obwohl sie wissen, dass diese krank – vielleicht sogar ansteckend – sind, handeln unverantwortlich. Punkt.

Wahrscheinlich kommt es regelmäßig zu entsprechenden Verdächtigungen in den Kindergärten der Republik. Selbst wenn man genau weiß, dass Eltern ihren Kindern Fiebersaft oder -zäpfchen verpassen, damit die Erzieherinnen nicht merken, dass das Kind krank ist, fällt es schwer, das Thema anzusprechen.

Dennoch muss man allen Eltern immer wieder ins Gewissen reden, dass sie es nicht tun. Vielleicht bieten sich da Vier-Augen-Gespräche zwischen Erzieherinnen und Eltern oder auch Elternvertretern und Eltern an. Auch in den Elternabenden sollte das Thema wahrscheinlich regelmäßig auf der Tagesordnung stehen.

Am Ende tut man ja dem eigenen Kind nichts Gutes – wenigstens das sollte man wissen und sich selbst dann nicht ganz so wichtig nehmen.

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Autofahrer

Wenn ich über Katzen – und damit eigentlich über deren Halter – schimpfe, dann bin ich auf der sicheren Seite. Ich habe keine Katze, ich will keine Katze. Wenn ich über Autofahrer schimpfe, dann ist das anders. Schließlich bin ich selbst Autofahrer. Damit schimpft man potenziell also aber auch über sich selbst. Also ist immer selbstkritisches Verhalten gefragt.

Jetzt aber geht es mit dem Schimpfen los. Ich wohne ja in einem beschaulichen Dörfchen an der hessischen Bergstraße. Wie fast überall sind die die Straßenränder von stehendem Verkehr üppig belegt. Wenn sich nun Autos auf den Wohnstraßen begegnen, dann kommt es häufig dazu, dass derjenige, der eigentlich warten müsste, über den Bürgersteig bügelt. Da ist es auch völlig egal, wer sich auf dem Bürgersteig befindet. Erwachsene sind wurscht, die sollen gefälligst selber aufpassen. Kinder hat man im Zweifelsfall nicht gesehen.

Leider gibt es keine Bevölkerungsgruppe, die man aus diesem allgemeinen Vorwurf ausschließen könnte. Gerade auch Eltern, die zu Hunderten ihre Kinder in Kindergarten und Schule fahren sind genauso drauf.

Ich hoffe, dass das Formulieren dieser Anklage mich vor diesem Verhalten bewahren möge. Alle anderen dürfen aber auch darüber nachdenken.

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Mitbringtag

Der Mitbringtag ist eine Institution. Es werden regelmäßig irgendwelche Tage im Kindergarten zu Mitbringtagen erklärt. Den Kindern macht es Spaß, ihr Lieblings-Spielzeug oder die weichste Plüschfigur aller Zeiten in den Kindergarten mitzunehmen und den Freunden zu zeigen. So geadelt haben diese Tage sogar für die hart gesottensten Erzieherinnen immer noch Überraschungen parat.

Wenige Tage nach Fasching – ist jetzt auch schon wieder eine Weile her – dachte ich, ich bin beim Film. Ein vierjähriger Stoppelhopser hatte einen perfekt geklonten Helm eines Klonkriegers auf dem Kopf. Dann war da auch noch ein älterer Mann, den ich zuvor noch nie gesehen – schon gar nicht in dem Aufzug. Kurz später stellte sich heraus, dass ein Kind seinen Opa am Mitbringtag in die Kita schleifte. Stilecht trat er als Räuber Hotzenplotz auf, schließlich ist sein Kind in der Räuber-Gruppe. Da waren auch die Erzieherinnen baff.

Ganz nebenbei: Auf einem Foto, geschossen an den tollen Tagen, lunzte aus der hinteren Reihe ein Mini-Darth Vader hervor. Natürlich handelte es sich beim nachgemachten größten Röchler der Film-Geschichte um den Klonkrieger vom Mitbringtag. Beim nächsten Mal wird wahrscheinlich der Geist des Imperators mitgebracht.

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