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„Alles steht Kopf“: Nichts für kleine Kinder (Achtung, Spoiler!)

Kinotag – ein Papa und drei Kinder. Was kann man dieser Tage sehen, wenn man mit drei Kindern ins Kino geht? Selbstverständlich „Alles steht Kopf“ von Disney/Pixar.

Ich habe sehr Positives über den Film gelesen und gehört. Als kleiner Psychologe, der ich auch irgendwo bin, hat mich die Idee im Vorfeld schon ziemlich fasziniert. Das  Problem: Es sind Erwachsene, die als Filmkritiker unterwegs sind und einem den Film schmackhaft machen.

Manchmal frage ich mich, ob alle Filmkritiker, die man so wahrnimmt, keine Kinder haben. Eins ist nämlich klar: Für Kinder unter 6 oder vielleicht sogar 8/10 Jahre ist der Film in jedem Fall ungeeignet. Damit ist die FSK-Empfehlung „Ohne Altersbeschränkung“ ein Witz. Sicher, es kommt keine Gewalt oder ähnliches vor. Aber die Mischung aus Abstraktion und Perspektivwechsel ist für Kinder in keiner Weise nachvollziehbar. Ich würde gern ins Gehirn von Kindern kleiner 8 hineinsehen, wenn sie diesen Film rezipieren. Ich glaube, es herrscht dabei ein ziemliches Chaos. Das erfüllt den Tatbestand der Überforderung.

Das Problem: Der Film ist hochemotional – haften bleiben die negativen Gefühle. Die positiven Wendungen erfordern eine kognitive Verarbeitung durch den Betrachter, ist also etwas für Große. Dass Kummer am Schluss das Zünglein an der Waage hin zum Glück ist, weil sie Riley so sein lässt wie sie ist, kann ein Kind nicht verstehen. Es handelt sich um die Schlüsselszene – für Erwachsene nachvollziehbar.

„Alles steht Kopf“ (im Original „Inside Out“) hat viel Lob geerntet – jedoch nur teilweise zu Recht. Es handelt sich für mich mehr um einen Erziehungsfilm, weniger um einen Kinderfilm. Als Eltern können wir gewisse Dinge für unsere Erziehungsarbeit ablesen. Wenn auch die moralische US-Amerikanische Art etwas stark durchschlägt. Da ich stark mit Erklärungen und Emotionsmanagement im Kino beschäftigt war, konnte ich den Film zudem nicht durchgängig genießen.

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Mit Herrn Nilsson unterwegs

Ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter unserer Familie. Zudem ein sehr gelungenes. Antreiber war ein gewisser Herr Nilsson.

Herr Nilsson ist das Klassenkuscheltier von Tom. Am Freitag kam er schon jubelnd und über beide Backen grinsend auf mich zugestürmt, weil er für dieses Wochenende das große Los gezogen hatte, Herrn Nilsson heim nehmen zu dürfen. Die Aufgabe: Herr Nilsson soll in einem Buch über die Ereignisse des Wochenendes berichten, mit Fotos, als Beweis angereichert, versteht sich.

Einige Ereignisse waren vom Terminkalender vorgegeben, andere wurden geschaffen. Der Freitag startete mit dem Hortfest. Da war ich nicht dabei, im Gegensatz zu Herrn Nilsson. Das muss aber eine sehr gelungene Veranstaltung gewesen sein. Tom ist seit wenigen Wochen im Hort. Und er ist total begeistert, wie auch immer noch von der Schule. Das darf ruhig so bleiben. Der Abschluss des Festes war nicht ganz so erfreulich. Einige Kinder haben ein Wespennest aus einem Baum entfernt und die Insekten dadurch nicht gerade milde gestimmt. Es gab einige Stich, aber insgesamt ging es noch glimpflich aus. Einen gewissen Lerneffekt wird diese Aktion dann auch gehabt haben. Das ist zumindest zu hoffen.

Herr Nilsson im Kino

Herr Nilsson im Kino.

Am Samstag gab es einen Bücherflohmarkt im Bickenbacher Weltladen, auch hier war Herr Nilsson dabei. Am Nachmittag ging es dann ins Kino. Tom hat am Vormittag gefragt, ob wir ins Kino gehen könnten. Er kam nur darauf, weil Herr Nilsson da war. Das glaube ich zumindest. Tatsache ist, dass das Wochenende wegen des Fußballs immer ziemlich auf Marc zentriert ist. Da ist es auch wichtig, den Wünschen und Bedürfnissen der anderen beiden gerecht zu werden, und so habe ich mich überzeugen lassen. Die Wahl fiel auf „Planes“. Mein Fazit, und auch das der Kinder: Mittelmaß. Ein Film, den man nicht gesehen haben muss. Die Grundbotschaft ist in Ordnung und auch kindgerecht. Die Witzigkeit hält sich in Grenzen. Typisch amerikanische Elemente wie der Kriegsveteran Skipper, inklusive Rückgriff auf den Zweiten Weltkrieg, fehlen auch nicht, stören dafür aber. Das Popcorn war okay.

Am Sonntag haben dann meine Frau und ich vorgegeben, wohin es Herrn Nilsson verschlagen sollte. Es ging in den Hessenpark nach Neu-Anspach. Da stieg ein Käsefest mit Kinderbespaßung und anderen Attraktionen. Wir sind dennoch auch in die Ausstellung gegangen, haben uns aber vor allem in der Baugruppe Mittelhessen aufgehalten. Dort gab es schon ausreichend zu entdecken. Es wurde gebuttert, es würden Körbe geflochten, Marc entzifferte Sprüche, die in Sütterlin verfasst waren. Tom und Nora dürften im Bollerwagen fahren. Wenn es jedoch in den alten Häusern etwas zu entdecken gab, sprangen sie aus dem Wagen und enterten die Häuser. An einer Knotenstation machte dann etwas älterer Herr eine kleine Knotenschulung mit Marc. Das ist toll, wenn über mehrere Generationen hinweg Interesse aneinander und an dem besteht, was der andere kann und was ihn ausmacht.

Am frühen Nachmittag haben wir dann den Rückzug angetreten, mit Herrn Nilsson versteht sich. Bilder auswählen, Bilder bearbeiten und Bilder einkleben. Tom hat dann noch einige Abort der Erläuterung hinzugefügt. Na, Herr Nilsson, wie hat es Dir in unserer Familie gefallen

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Ritter Rost und meine Ritter

Kurz vor Ausbruch des Frühlings, eigentlich auf den Tag des Ausbruchs genau, habe ich mir nochmals vorgenommen, mit den Jungs ins Kino zu gehen. Seit einigen Wochen läuft die Verfilmung des Kindermusicals/der Kinderbücher/der Hörspiele mit dem liebenswerten Antihelden Ritter Rost. Ein wandelnder Haufen Schrott, der nicht immer mit bestem Benehmen glänzt. Das mit dem Schrott ist gar nicht so schlimm, da ziemlich viele Schrott-Charaktere unterwegs sind.

„Ritter Rost – Eisenhart und voll verbeult“ ist ein Kinderfilm, ganz klar. Interessant sind dennoch die Reaktionen meiner Kinder. Eigentlich dachte ich, dass der Film für Marc vielleicht etwas langweilig sein könnte, war es aber gar nicht. Er war durchaus zufrieden mit dem Kinobesuch. Tom hingegen fand den Streifen zu traurig. Es geht natürlich um Freundschaft aber auch um Vertrauen und Vertrauensverlust, es geht um Ängste und Sorgen, ein ganz kleines bisschen geht es auch um Ruppigkeit und natürlich um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sowie Gut und Böse. Kinder haben da ganz unterschiedliche Antennen, wir eigentlich auch. Aber bei uns kommt dann doch ganz oft der Verstand und die Erfahrung ins Spiel. Und das verändert die Realität und die Wahrnehmung. Die Kinder spüren das Jetzt, sie sind achtsam und verschwenden weniger Gedanken an das, was war, oder das, was kommt.

Ich habe mir überlegt, welche Filmfigur Tom wohl am nächsten steht. Ich habe auf Burgfräulein Bö getippt. Heute Abend habe ich Tom dann gefragt. Und tatsächlich, Tom hat meine Vermutung bestätigt. Bö ist ein ganz liebenswertes Wesen mit Hang zur Selbstaufopferung. Doch alles lässt sie sich von Ritter Rost dann doch nicht bieten. Mit Ritter Rost hat Tom auch ein wenig gelitten. Vor allem, dass er kurzzeitig teilweise auseinander genommen wurde, hat Tom nicht geschmeckt.

Marc hat sich auf den treuen Begleiter von Ritter Rost, den Drachen Koks, festgelegt. Klar, nicht ganz im Vordergrund aufhalten, aber trotzdem ordentlich cool sein.

Mich hat der Film nur teilweise überzeugt. Die Handlung ist mir zu sperrig, sie wirkt sehr konstruiert – eben auf ein paar Highlights für den Film hingeschrieben. Wahnsinnig viel habe ich auch nicht gelacht – ein bisschen mehr als die Jungs vielleicht. Der Drache mit dem Doppelkopf mit rheinländischem Akzent (unter anderem von Tom Gerhardt gesprochen) war ganz lustig. Besonders gefehlt haben mir ein paar mehr Songs. Wer das Musical/die Hörspiele kennt, weiß, dass sie wirklich sehr geistreich sind – und vor allem den Kindern sehr viel Spaß bereiten. Ich glaube, dass sie den Kindern auch gefehlt haben.

Qualitätszeit mit meinen beiden Rittern war es dennoch – für ein intensives Erleben des Miteinanders ist ein Film und dessen Qualität tatsächlich zweitrangig.

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Unpassende Empfehlungen

Nein, wir brauchen keine voll animierten Filme, die versuchen exakt die Realität nachzubilden. Dafür gibt es Menschen.

Das ist meine Erkenntnis Nummer eins, nachdem ich den Kinosaal verlassen habe. Zur Vorführung kam Tim und Struppi. Marc hat es sich gewünscht, dass wir uns diesen Film im Kino anschauen. Ich habe lange mit mir gerungen, ob das richtig ist. Jetzt weiß ich: Wir hätten uns diesen Film nicht anschauen müssen.

Tim und Struppi ist ab 6 Jahren freigegeben. Ich kann den Film nicht für Kinder dieses Alters empfehlen. Es sei den, sie schauen täglich Filme des Kalibers Star Wars oder Indiana Jones (was natürlich auch überhaupt nicht altersgerecht wäre). Dann dürften sie eher gelangweilt von den rasanten Schnitten, flotten Verfolgungsjagden und dem Gemetzel auf dem Schiff sein.

Die erste Überraschung für mich – aber eigentlich nicht wirklich. Auf die Frage, ob wir den Film in 3D oder normal sehen sollten, sagte er spontan: „Normal“. Das hat mich schon positiv beeindruckt. 3D kennt er vom Nintendo 3DS, das ich einmal testweise im Haus hatte. Spielen im 3D-Modus hat ihn deutlich überanstrengt.

Für mich war diese Entscheidung völlig okay. Schließlich ist das auch eine Geldfrage. Unsere Vorstellung ging als Familienvorstellung durch, obwohl es sich um einen Samstag gehandelt hat. Das Ticket hat 5 Euro gekostet. Pro Kopf. Das war okay. In 3D hätte ich für mich 11,90 Euro und für Marc 8,50 Euro berappen müssen. Das ist ein Preisunterschied.

Im Kinosaal hat man dann gemerkt, wie wichtig es ist, dass die Eltern mit ins Kino gehen. Marc ist 7 und ich musste ihn wahnsinnig häufig in den Arm nehmen, weil er gezittert hat wie Espenlaub. „Mir ist das Ganze zu aufregend.“ und „Ist der jetzt tot?“ waren die häufigsten still gehauchten Sätze von Marc. Hätte ich das Gefühl gehabt, dass Marc einen dauerhaften Schaden davontragen könnte, hätte ich das Kino verlassen. So arg war es unter dem Strich nicht.

Ganz klar ist aber, dass Tim und Struppi kein Kinderfilm ist. Ich habe auch mit einem Mädchen gesprochen, das bereits 11 Jahre alt ist. Es konnte mir nicht sagen, ob der Film animiert war oder von realen Personen gespielt wurde. Diese technischen Spielereien, bei denen immer willenlose Szenen vorkommen, die beweisen sollen wie man die Technik beherrscht, um die Papas zu beeindrucken, kommen beim vermeintlichen Zielpublikum überhaupt nicht an. Die Kinder sind zum Glück nicht so erfahren und damit auch abgestumpft, um hinter die Tricks zu blicken.

Der erste Film, den Marc vor gut zweieinhalb Jahren im Kino gesehen hat, war „Der Mondbär“. Schon dieser Film war für ihn zu aufregend. Obwohl es sich da wirklich um einen kindgerechten Film mit gemächlichen Schnitten und einem einfach Plot gehandelt hat. Damals war mir klar: Allzu häufig werde ich mit meinen Kindern nicht in vermeintliche Kinderfilme gehen. Am Samstag überraschte mich Marc nach Filmende mit der Aussage: „Das nächste Mal gehe ich ins Kino, wenn ich 11 oder 12 bin. Kinder sind manchmal ganz schön weise.

Übrigens: Die Filmvorschauen haben mich geschockt. Demnächst kommen „Der gestiefelte Kater“ und „Artur Weihnachtsmann“ ins Kino. Ein totaler Schwachsinn. Kauft den Kindern lieber ein gutes Buch, was sie im besten Fall selber lesen. Erwachsene können sich diese Film ja gern anschauen – aber den Kindern muss man das nun wirklich nicht antun.

PS: Wir haben trotzdem einen tollen Papa-Sohn-Nachmittag miteinander verbracht. Während der Straßenbahnfahrt dürfte ich dann noch alle Fragen rund um die Handlung des Films beantworten.

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Das Sams am Samstag

Was soll man einem echten Novembertag machen, wenn der Großteil der Familie von  Schnupfenviren geplagt wird? Man bleibt zuhause oder geht Indoor-Aktivitäten nach.

Während Tom also im Schlaf gegen die Viren anging, machten Marc und ich uns auf den Weg ins TAP in Darmstadt. Seit wenigen Tagen haben sie auch das Stück „Das Sams – Eine Woche voller Samstage“ im Programm. Während die meisten anderen Stücke bereits ab 4 Jahren empfohlen werden, ist Paul Maars Werk ab 5 Jahren empfohlen – ich denke, dass das in Ordnung ist.

Die Aufführungen für Kinder sind im TAP immer samstags um 15.30 Uhr und sonntags um 11 Uhr. Stilecht und passend zum Wochentag haben wir nun also den Sonnabend gewählt.

Das Ensemble war in Spiellaune, die Kinder teilweise begeistert. Einmal kam das Sams in den Publikumsraum – da rief ein Kind „Geh auf die Bühne zurück!“ Da war dann vielleicht doch ein bisschen Furcht mit im Spiel.

Die 60 Minuten waren sehr kurzweilig. Ich glaube, Theater ist für Kinder besser zu greifen als Kino. Die echten Menschen, die nur mit Hilfe von Verkleidung an ihrer Identität herummanipulieren, ziehen die Kinder ganz unmittelbar in ihren Bann.

Lustigerweise hat Marc mich bei jedem Szenenwechsel gefragt, ob das Stück schon fertig ist – das erste Mal nach fünf Minuten. Das Ende hat er hoffentlich nicht herbeigesehnt.

Am Schluss stehen die Schauspieler im TAP noch am Ausgang und schütteln den Zuschauern zum Abschied die Hand. Spätestens da dürften die Kinder auch realisieren, dass hinter dem TAP-Sams auch nur ein Mensch steckt.

Mein Prädikat: Absolut empfehlenswert. Tickets am besten telefonisch (06151.33555) reservieren. Tickets können auch im Netz gekauft werden, aber reservieren kostet garantiert keine zusätzliche Gebühr. Erwachsene und Kinder zahlen im Moment jeweils 8 Euro.

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Kino, die erste…

Klar, irgendwann ist immer das erste Mal. So geht Papa eben irgendwann zum ersten Mal mit seinem Sohn ins Kino. Der Termin muss gut gewählt sein. Schlechtes Wetter ist Voraussetzung. Und das hatten wir heute wahrlich. Dazu kommt, dass man natürlich nicht jeden Streifen auf das kindliche Gemüt loslassen will. Schon gar nicht, da man weiß, dass man es mit einem sensiblen Exemplar zu tun hat. Von langer Hand habe ich entsprechend den Film ausgewählt. Der Mondbär sollte es werden – absolutes Einsteigerkino eben.

71 Minuten nicht aufs Klo gehen – wenn möglich. Bauchschmerzen von zu viel Popcorn und die Erkenntnis, dass man den Film am Schluss doch nicht wirklich verstanden hat. Ich habe gerade so die Kurve bekommen. Das ist bei Kinderproduktionen nicht immer der Fall. Wie oft habe ich schon versucht, eine Folge vom Sandmännchen zu begreifen – ohne Erfolg. Wenn man etwas selbst nicht verstanden hat, ist auch schwierig herauszubekommen, ob der Nachwuchs der Story und dem Plot intellektuell gewachsen war.

Heute war es aber so. Der Papa hat verstanden. Wer hat denn den Mond vom Himmel geholt? Schweigen…Wer war denn im Baumstamm versteckt? Schweigen…Hat Dir der Film denn gefallen? Ja…

Eigentlich geht es ja auch darum. Der Film soll unterhalten und Spaß machen. Einige Lacher an Stellen, an denen man selbst nicht gelacht hat, sollen dies wohl dokumentieren. Gut 4,5 Jahre ist mein Sohn bereits. Ich habe das Gefühl, Kino ist dann doch etwas für Größere. Die Animationsfilm-Brocken im Fernsehen mit maximal 25 Minuten Dauer genügen wahrscheinlich. Das Kino ist in der Krise. Da können Eltern offenbar auch nicht viel dran ändern. Ich selbst bin kein Kinogeher, dennoch würde ich meinen Kindern dieses Medium gern nahe bringen. Aber ich denke, ich sollte da noch einige Jahre warten. Der Kika ist zudem mit den GEZ-Gebühren ja schon mitbezahlt.

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