TagKommunikation

Telefon-Gespräche

Telefonieren im anderen Jahrtausend.

Telefonieren in einem anderen, früheren Jahrtausend.

Eine Geschichte ist noch offen. Ich hatte es angekündigt. Nora hat an besagtem Morgen noch ein zweites Thema auf den Tisch gebracht. Auf ihren Einwurf hin entspann sich ein kurzes Telefon-Gespräch.

Nora: „Die Xenia* bekommt jetzt ein Handy.“ (*Name von der Redaktion geändert)

Ich: „Und wie alt ist Xenia? 4?“

Nora: „Nein, 5.“

Ich: „Und was heißt das? Willst du jetzt auch ein Handy?“

Nora: „Ja.“

Ich: *grummel, grummel*

Tom: „Ich wünsche mir ein Handy, wenn ich 11 oder 12 werde.“

Marc: „Ich will erst ein Handy, wenn ich 18 bin, oder so. Wozu brauche ich vorher ein Handy.“

Verrückt irgendwie, da liegen nur wenige Jahre zwischen diesen Dreien und situativ nehmen sie solch unterschiedliche Positionen ein. Selbstverständlich befinden sie sich auf unterschiedlichen Entwicklungsständen, allerdings ist das Ganze doch irgendwie symptomatisch. Mal sehen, wie es aussieht, wenn die Ereignisse dann schließlich eintreffen – und vor allem wann.

Wenn ich jetzt allerdings wertfrei etwas zum Thema „Handys für Kindergartenkinder“ sagen wollte, wäre dies in seiner ganzen Wertfreiheit wahrscheinlich wertend. Und deshalb belasse ich es bei dieser Metaaussage in einem wertfreien Raum, der selbst auch schon die Wertung beinhaltet und niemals wertfrei existieren kann.

PS: Also, Nora bekommt natürlich kein Handy, auch wenn der Druck in der Peer-Group größer wird.

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Die Sprachformerin

Irgendwann bekommen wir sie doch. Die kleine Nora hat uns mit ihren Wortschöpfungen ganz schön beeinflusst. Einige Worte sind in unseren Sprachgebrauch übergegangen. Doch bald ist es Zeit, sich von den Gewohnheiten zu verabschieden.

Ganz besonders hat uns, ich habe darüber berichtet, beeindruckt, dass sie ihren Namenkunde die ihrer Brüder auf ihre eigene Art interpretiert hat. Ma, Doos, Nona. Doos und Nona sind uns im Gebrauch mittlerweile auch ganz geläufig. Und tatsächlich, vor vielleicht zwei Wochen ist ihr das Wort Tom einfach so rausgerutscht. Wir waren natürlich begeistert, was wiederum ein kleines Kind (und in der Regel nicht nur diese) dazu animiert, das von der Umwelt begeistert aufgenommene auch zu wiederholen.

Mittlerweile ist es wahrscheinlich sogar so, dass wir häufiger Doos sagen als sie. Zum Glück hört Tom auf beide Varianten. Auch das Mädchen aus der Nachbarschaft nennt Nora jetzt nicht mehr nur beim Spitznamen. Gerade gestern ist aus Lu eine Lu Isa geworden, mit einer kleinen Pause zwischen den Silben. So langsam gewöhnt sie sich dann doch unsere eigentliche Sprache an.

Ich stelle mir die Frage, warum die kleinen Kinder an ihren Versionen von Worten so lange festhalten, obwohl sie doch hören, was die anderen sagen. Ich glaube in diesem Fall sind richtig und falsch keine relevanten Dimensionen. Es geht mehr darum, ob die Kommunikation funktioniert oder nicht. Und im Fall von Namen müssen die Angesprochenen einfach darauf reagieren, dass sie angesprochen werden. Und wenn das funktioniert, ist der Rest eben egal.

Dass Nora ganz genau versteht, was gesagt wird, zeigt sich beim Schauen der Zeichentrickserie Wickie. Der kleine Wikinger nennt seinen Papa, der eigentlich Halvar heißt, Vater. Für Nora heißt er dann eben auch Vater. Und eigentlich heißt gleich der ganze Film Vater. Und da schließt sich dann der Kreis zu Star Wars. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.

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Harte Telegramme

Wenn ich hier über Reaktionen der Kinder auf unser elterliches Verhalten berichte, birgt das natürlich auch immer Gefahren. Wer sich öffnet, muss sich auch mit Fragen wie „Wie gehen die eigentlich mit ihren Kindern um?“ stellen. Trotzdem will ich es tun, da jeder Leser dieses Blogs auch sehr viele Informationen aus entsprechenden Berichten ziehen kann. Überdies ist es auch unterhaltsam – und viele Leser werden denken: „Gut, dass das nicht nur uns so geht!“

Im Moment herrscht bei uns eine etwas krawallige Stimmung. Marc emanzipiert sich gerade. Er ist jetzt knapp ein Jahr in der Schule. Er befindet sich meiner Meinung nach in einer ersten massiven Ablösungsphase. Das betrifft uns, die Eltern – und da vor allem die Mutter. Aber auch gegenüber seinem kleineren Bruder will er sich mehr und mehr angrenzen. Dadurch gibt es etwas häufiger Ärger zwischen den beiden, als vor einem halben Jahr. Es hält sich aber alles im Rahmen. Die Geschwisterliebe und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist immer noch recht ausgeprägt.

In jedem Fall bekommen wir von Marc recht häufig negatives Feedback auf Dinge, die wir sagen, machen oder tun. So hat der kleine Mann nun meiner Frau ein eindrucksvolles Telegramm geschickt. Die kleine Tochter musste etwas deutlicher darauf hingewiesen werden, dass es nun Zeit wird ins Bett zu gehen und auch dort zu bleiben. Der Ton war noch ruhig aber bestimmt. Allerdings scheint sich bei Marc im Tagesverlauf einiges aufgestaut zu haben. Was ihn schließlich zu der Aussage verleitete: „Wenn Du uns weiter so behandelst, bringst Du uns noch um.“

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Abendlicher Dialog

Abends steigt bei den Kindern häufig die Bereitschaft zur intensiven Kommunikation untereinander. Manchmal zu unserem Leidwesen. Aber eigentlich ist ja ganz schön, wenn die Kinder sich im Bett liegend noch ein wenig austauschen. Da sind sie in der Regel unter sich. Die Erwachsenen geben keine Themen vor, stellen keine Forderungen und überhäufen einen nicht wieder mit Regeln und Vorgaben.

Neulich habe ich mich noch in der Nähe des Kinderzimmers aufgehalten, als die Kinder schon eine Weile im Bett lagen. Plötzlich schlich sich ein durchgängig im Flüsterton gehaltener Dialog durch die Stille. Gestern Abend erinnerte ich mich wieder daran und erzählte meiner Frau davon. Wir mussten Tränen lachen. Das Gespräch war einfach loriotesk.

Tom: „Marc, weißt Du was?“

Marc: „Was?“

Tom: „Marc, weißt Du was?“

Marc: „Was?“

Tom: „Marc, weißt Du was?“

Marc: „Was?“

Tom: „Marc, weißt Du was?“

Marc: „Was?“

Tom: „Marc, weißt Du was?“

Marc (sehr ungehalten, aber immer noch im Flüsterton): „Tom, ich mein‘ ‚Was?‘ und nicht ‚Was?‘!“

Erst danach flüsterte Tom, was er eigentlich wirklich sagen wollte. Der Inhalt ist mir entfallen. Für mich war der Weg das Ziel.

Von ein abend mit 79mm

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