TagLiebe

Papa, rede nicht so viel!

Wir Erwachsenen reden zu viel. Den Spiegel halten uns dann oft die Kinder vor. Und das ist wirklich gut. Vor allem dann, wenn wir daraus lernen.

Neulich hatte ich einen Streit mit Marc. Er hat sich beim Schmutzwäsche entsorgen den Kopf am Waschbecken angehauen. Es hat wohl einigermaßen weh getan. Er hat geweint. Okay, was braucht ein Kind, aber wahrscheinlich auch ein Erwachsener in diesem Moment? Trost und Zuwendung. Was wird nicht benötigt? Kluge Sprüche und gut gemeinte Ratschläge. Davon haben wir aber reichlich. Wohin damit? Raus in die Welt! Das mag manches Mal hilfreich sein, manches Mal ist das Gegenteil der Fall.

So wie hier. Und da hilft es wirklich nicht, wenn es noch so gut gemeint ist. Und im Ton völlig vorwurfsfrei. Es hilft nicht!

Ringen ja, aber nicht so viel reden.

Ringen ja, aber nicht so viel reden.

„Ihr müsst besser aufpassen.“ „Gestern hat Tom sich doch erst den Kopf angehauen. Du hast doch gesehen, dass das eine gefährliche Stelle ist.“ Oft geraten wir in solchen Situationen in einen Redeschwall. Die einen mehr, die anderen weniger.

Was also passierte bei uns? Marc schrie mich an, ich schrie zurück. Wir bewegten uns weg von dem eigentlichen Problem. Schuld an der Eskalation war ausschließlich ich. Eigentlich bin ich mit besten Vorsätzen in die Situation hineingegangen – und dann kam es doch zum Gau. Ich wollte Zuneigung zeigen, Trost spenden. Und das hätte auch geklappt, wenn ich nur den Mund gehalten hätte. Ganz intuitiv wollte ich meine ganze Lebenserfahrung in diesem Moment zum Besten geben. Großer Fehler. Der Abend war für uns beide gelaufen. Am nächsten Morgen haben wir uns versöhnt. Ich habe meinen Fehler eingestanden.

Marc wollte genau das eine, dass ich ihn in seinem Schmerz ernst nehme. Er wollte nichts hören. Was er dann gehört hat, hat seine Schuldgefühle aktiviert. Das seinerseits hat seinen Gerechtigkeitssinn gereizt. „Was will der Mann? Ich habe mir weh getan, will getröstet werden und er überhäuft mich mit Du-Boschaften, die mir die Schuld an der gesamten Situation zuweisen sollen. Das ist nicht gerecht. Jetzt komm endlich deiner väterlichen Pflicht nach und tröste mich. Nutze die Chance zu zeigen, wie sehr du mich liebst und wie sehr du zu mir stehst.“ Das könnte im Schnelldurchlauf in ihm vorgegangen sein. Das Ergebnis habe ich dann präsentiert bekommen und habe falsch reagiert.

Was bleibt? Das nächste Mal werde ich innehalten. Ich werde mir bewusst machen: Hier geht es nicht um Worte. Es geht um nonverbale Kommunikation. Wenn ich irgendwelche gesprochenen Botschaften loswerden möchte, dann kann ich das auch an anderer Stelle tun, zwei Tage später, beim Abendessen. Oder den Schmutzwäschebehälter an einer anderen Stelle unterbringen. Ich habe verstanden. Nächste Herausforderung: Das Gelernte umsetzen.

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Nächste(n)liebe

Heute war ich mal wieder mit unseren Kindern allein in der Kirche (hoffentlich fühlen sich die Atheisten unter Euch jetzt nicht allzu peinlich berührt). Mit den Dreien unterwegs zu sein, birgt immer viele Überraschungen. Das ist kein Grund zur Panik. Manchmal aber huscht ein Gedanke durchs Gehirn: „Was wohl heute wieder passieren wird?“

Wir waren knapp dran wie immer, eigenltich waren wir einen kleinen Moment zu spät. Ein Plätzchen gab es in dem Kinderwortgottesdienst gleichwohl noch für uns. Ein exponierte Position hatte wieder einmal unser Tom. An anderer Stelle habe ich schon darüber berichtet, dass er ein – manchmal auch übertriebener – Mitmacher ist. Wenn Fragen in die Runde gestellt werden, ist er eine wahre Wundertüte. Nicht immer können alle Anwesenden das Gesagte nachvollziehen. Es kam sogar schon vor, dass wir ihn ein wenig bremsen mussten, leider.

In diesem Fall hat er sich durch eine räumliche Trennung von mir meinem Einfluss entzogen. Es war auch soweit in Ordnung. Aber dann ging es um die Frage, was man denn unter Nächstenliebe versteht. Das kann je nach Blickwinkel eine schwierige Frage sein. Wie ein Blitz, der ja auch in der Regel von unten nach oben  geht, schnellte Toms hand hoch. Und es folgte eine Antwort, die nicht für jeden gleich schlüssig war. „Nächstenliebe halt“, sagte er. Das zog eine Rückfrage nach sich. „Wie meinst Du das, Tom?“ „Na zuerst kommt die Liebe und danach die Nächstenliebe!“ Okay, das hatten dann auch alle verstanden.

Und selbst wenn Jesus etwas anderes gemeint hat: Die Antwort regt zum Nachdenken an. Ist es nicht wahnsinnig wichtig und wertvoll, wenn nach der ersten Liebe tatsächlich so etwas wie die nächste Liebe kommt? Die Antwort war zwar nicht korrekt, aber mal wieder sehr wertvoll. Wie eigentlich die meisten Überraschungen.

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Die schweren ersten Tage im Kindergarten

„Ich will nicht Kindergarten, in Bickenbach bleiben!“ Nora klingt sehr verzweifelt, ja verängstigt, wenn sie diese für Erwachsenenohren recht lustige Stellungnahme abgibt.

Für sie ist Bickenbach ihr Zuhause, ihr Heim, ihr Revier. Bickenbach ist das Haus, in dem sie bislang einen großen Teil ihrer Zeit verbrachte, dort fühlt sie sich geborgen – und nur dort. Dass die Kita aus Erwachsenensicht auch in Bickenbach liegt, ist ihr egal. Ihr ist auch egal, dass liebevolle Erzieherinnen sich intensiv um sie kümmern in der Kita. Die ersten Wochen für ein Kind im Kindergarten sind einfach schwierig, vielleicht sogar psychisch brutal.

Ein Glubschi/Glupschi als Freund

Ein Glubschi/Glupschi als Freund

„Ich will nicht Kindergarten, nicht Kindergarten.“ Wieder weint Nora schon kurz nach dem Aufstehen. Was ist ihr Problem (eines ihrer Probleme)? „Angst vor den Kindern!“ Das ist eine ihrer Antworten. Sie hat Angst, sie ist im Stress. Nora wird in zwei Wochen drei Jahre alt. Sie hat also das Kindergarteneintrittsalter erreicht. Sie kann verbal Gefühle erläutern.

Kinder, die schon mit zwölf Monaten oder etwas früher oder eben auch etwas später in die Fremdbetreuung kommen, können das nicht. Die Standardgefühlsäußerungen werden von uns Eltern dann gern mit solchen Sprüchen abgetan: „Da muss sie halt durch. Sie wird sich schon daran gewöhnen. Es geht halt nicht anders.“

Auch Nora wird sich an den Kindergarten gewöhnen. Dennoch müssen wir alles tun, ihre Sorgen und Ängste ernst zu nehmen. Ich will hier ein weiteres Mal ein Plädoyer für die Sicht des Kindes anbringen. Natürlich haben wir als Eltern unser Leben, unsere Verpflichtungen, unsere Zwänge. Wir haben aber auch Freiheiten.

De Kinder benötigen in diesem Prozess unsere Unterstützung, die sich in Liebe, Hingabe und Aufmerksamkeit äußern muss.

Interessanterweise sind dazu auch schon andere, etwas größere Kinder fähig. An dem Tag, als Nora, das erste Mal eine Stunde allein im Kindergarten war, ohne die Präsenz von Mama, hat Marc Nora seine Zuneigung gezeigt, indem er sie gelobt und geherzt hat. Er ging sogar soweit, ihr von seinem Taschengeld ein Glubschi zu kaufen. Nora liebt ihren neuen kleinen Freund. Bisher hat sie sich nicht auf ein Kuscheltier fokussiert. Jetzt hat sie einen kleinen stillen Partner, durch den sie ihre Lieben in fast allen Situationen ganz nah bei sich haben kann.

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