TagMelanie Schön

Ein Leben als intellektuelles Dreieck

Ich bin echt nicht der große Danksager. Aber gerade jetzt habe ich ganz intensiv das Bedürfnis, Dank zu sagen – und zwar in ganz unterschiedliche Richtungen.

An aller erster Stelle steht meine Frau, die mich darin bestärkt hat, die Ausbildung zum GfG-Väterbegleiter in Angriff zu nehmen. Zudem hat sie drei Wochenenden innerhalb von gut zwei Monaten auf meine Anwesenheit verzichtet. Das ist wirklich ganz großartig – und das macht sie auch zu jemand ganz Besonderem.

Dann danke ich natürlich auch meinen Kindern, die es nicht immer gut fanden, wenn ich am Samstagmorgen mit den Worten aus dem Haus gegangen bin: „Ich wünsche Euch einen schönen Tag. Ich komme heute spät nach Hause.“ (Das macht er doch schon an den anderen Tagen der Woche.)

Und jetzt kommt das Trainer-/Leitungsteam. Melanie Schön, Volker Baisch und Ralf Haake haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass nun acht Männer in der Republik mit großer Motivation unterwegs sind, um andere, in der Regel sicher jüngere Männer als sie selbst, auf ihre Rolle als Vater vorzubereiten und sie auch im weiteren Verlauf (also nach der Geburt) zu begleiten.

Schließlich will ich auch den anderen sieben Männern der Pilotgruppe dafür danken, dass eine solch intensive Gruppenerfahrung möglich war. Also: Danke Ismail, Markus, Marc, Thomas, Jürgen, Richard und Heiko. Das war großes Kino. Von uns wird man sicher in Zukunft noch einiges in der Welt draußen spüren.

Das Wochenende war wieder dicht mit verschiedenen Themen gespickt. Ein Großteil der Kollegen hat sich mit Vorträgen und Einheiten eingebracht. Interessant: Es war wirklich jede Einheit authentisch. Jeder der Kollegen war genauso wie er ist.

Ich bin mit dem Thema Paar-Kommunikation in die Bütt gezogen. Schulz von Thun, Transaktionsanalyse, EPL – kein ganz leichter Stoff. Was für echte Kopftypen. Also offensichtlich ein gutes Thema für mich.

Bestätigt wurde das am Sonntag mit einem Test zum Akquisestil. Sechs Kategorien gibt es, ich bin natürlich der intellektuelle Typ, der durch Argumente überzeugen will. Rang zwei in meinem persönlichen Ranking: Das Verkaufen mit Hilfe von Geschichten – eigenen wie fremden. Und auf Platz drei kommt der konfrontative Stil. Auch das kann mich nicht wundern.

Dass dieser Aspekt bei mir und für mich eine Rolle spielen muss, zeigte schließlich eine Übung zu den Konflikttypen nach Crum. Als einziges Dreieck in der Runde stellte ich mich der Kreis-Übermacht. Das Dreieck sucht den Konflikt und will in seinem Ärger verstanden werden – und kann im ungünstigen Fall impulsiv, verletzend und aggressiv sein. Ich führe also ein Leben als intellektuelles Dreieck. Das ist ein wichtiger Erkenntnisgewinn – eine gute Basis zur Veränderung zum Besseren.

Die große Expertise in der Gruppe wurde am Samstagnachmittag evident. Markus hat uns mit seiner ungeheuren Erfahrung als Therapeut Übungen zur Achtsamkeit, Aufstellungen und Genogrammen näher gebracht. Das sind wichtige Impulse, um sich noch intensiver mit sich und seinen Beziehungen zu anderen zu beschäftigen. Überhaupt war diese Ausbildung ganz wichtig für mich selbst. Das gehört zum Reifen dazu – und ist tatsächlich eine wichtige Voraussetzung, um mit anderen Menschen arbeiten zu können.

Jenseits allgemeinerer Themen, ging es aber auch wieder stark um Väter-, Kinder-, Familienthemen. In der Einheit zum Stillen machte Thomas deutlich, welch wichtige Rolle der Vater beim Stillen einnehmen kann und zum Wohle aller Beteiligten einnehmen sollte. Mir wurde aber auch wieder einmal klar, dass es bestimmte Themen rund um die Geburt und die Kindesentwicklung gibt, die sehr sensibel sind und zum Teil zu ideologisch betrachtet und behandelt werden.

Eine ganz besondere Erfahrung war es, Jürgen zum Thema Babymassage zu hören. Er lebt dieses Thema. Er ist intensiv, überzeugend, authentisch. Väter in und um Düsseldorf herum: Wer von Euch ein Baby hat, muss zu diesem Mann. Ein Babymassagekurs bei ihm dürfte Eure Beziehung zum Kind nachhaltig positiv beeinflussen. Und das ist keine platte Werbung, wirklich nicht.

Jetzt gehen wir also in die Welt hinaus und werden alle möglichen Leute davon überzeugen, dass Väterarbeit im Sinne der Väterbegleitung wertvoll ist und weitreichende positive Auswirkungen hat. Wir sind bereit. Und: Es ist tatsächlich möglich, dass Männer zu sich finden und sich persönlich weiter entwickeln können, ohne sich mit Dreck einzuschmieren.

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Ein bisschen Säugling spielen

„Beim nächsten Mal beschmeißen wir uns dann doch noch mit Dreck.“ Natürlich war diese Aussage beim zweiten Ausbildungswochende GfG-Väterbegleiter ironisch gemeint. Wenn man zwei Tage intensiv reflektiert, zuhört, diskutiert, ist der Einsatz von Bewegungselementen und Rollenspielen unbedingt notwendig. So haben wir uns an den beiden vergangenen Tagen zweimal am Boden liegend wiedergefunden. Säuglingssimulation.

Mein Papa hieß Markus. Er hat versucht, mir, sagen wir einmal neun Monate alt, die Jacke anzuziehen. Erster Versuch: Hektisch, keine Kontaktaufnahme zum Kind, den Kommunikationsversuchen ausweichend, ruppig. Irgendwie hat es nicht so recht funktioniert. Einer der Kollegen hat im Anschluss berichtet, er sei als gespieltes Baby regelrecht aggressiv geworden. Anmerkung: Trotz Testosteronanwesenheit kam es zu keinen Handgreiflichkeiten. Zweiter Versuch: Der Vater sucht den Blickkontakt, sagt, was er als nächstes macht, er lobt und motiviert. Tatsächlich: Es funktioniert reibungsloser. Der Säugling, also ich, fühlt sich deutlich besser, angenommen, verstanden, integriert. Faszinierend: Obwohl es deutlich eine Rollenspielsituation von sehr kurzer Dauer ist, merkt man den Unterschied, selbst wenn man nur ganz kurz und gar nicht so wahnsinnig intensiv in sich hineinschaut.

Die zwei Tage waren sehr intensiv. Am Samstag wäre ich fast im Zug eingeschlafen. Diesmal ging es mehr um Wissensvermittlung, denn um Reflexion. Aber wieder waren alle Elemente vertreten. Methodisch war es äußerst abwechslungsreich. Die Teilnehmer haben sich mit Vorträgen eingebracht. In der kleinen Gruppe sind wahnsinnig viele Kompetenzen gebündelt.

Inhaltlich ging es um Elternzeit und Elterngeld, die Zeit im direkten Anschluss an die Geburt (Babyblues und Wochenbett), Babyhandling, die Entwicklung des neuen Erdenbürgers im ersten Lebensjahr – und ganz wichtig das Thema Bindung. Die Bedeutung der Bindung von Eltern und Kind für die weitere Entwicklung des Menschen bis hin in das Erwachsenenalter ist immens. Hier gibt es noch viel zu lernen, umzusetzen und vermitteln. Ich glaube, dass dieser Bereich wirklich sehr wichtig für unsere spätere Arbeit mit den Vätern ist. Reflexion hatte vor allem ihren Raum beim Thema Übergang vom Paarsein zum Elternsein. Auch hier muss ich, wie im ersten Modul bei anderen Themen, noch ein bisschen bei mir forschen.

Nach den ersten beiden Modulen wird sich nun langsam herauskristallisieren, wie sich unsere Angebote ausgestalten lassen. Jetzt geht es ans Strukturieren und die Konzeptentwicklung. Die Angebote wollen am Markt platziert werden. Die Berufung, werdenden und jungen Vätern den Einstieg in die neue Phase des Lebens zu erleichtern, will sich im wahren Leben manifestieren. Mein Ziel unter vielen anderen (was übrigens auch für diesen Blog gilt): Ich will das Positive an der Vater- und Elternschaft hervorheben. Es ist einfach unglaublich erfüllend, diesen Wandel in seinem Leben zuzulassen.

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Auf dem Weg zum Väterbegleiter

„Ich hab‘ ein bisschen die Befürchtung, dass es hier zugeht wie in einem Männerseminar, bei dem man in den Wald geht und sich mit Dreck beschmiert.“ Zum Glück hat sich diese in der Auftaktrunde von einem Teilnehmer geäußerte Befürchtung nicht bestätigt. Hinter einer Gruppe von acht Männern zwischen Mitte 30 und Ende 40 liegt das erste Ausbildungswochenende zum GfG-Väterbegleiter. Und ich mittendrin.

Acht Männer mit unterschiedlichen Biographien auf dem Weg zu einem Zertifikat, das ihnen die Fähigkeit bescheinigt, Männer auf ihre Vaterschaft vorzubereiten und zu begleiten – bis über den Geburtstermin hinaus. Die Gruppe ist eine Pilotgruppe. Eine solche Ausbildung hat es bisher nicht gegeben.

Anfangs war ich auch hin und hergerissen. Sollte ich mich in ein solches Abenteuer stürzen? Die Familie wird drei Wochenenden ohne mich auskommen. Qualitätszeit mit Frau und Kindern müssen geopfert werden, um die Ausbildung abzuschließen. Das Verständnis der Kinder dafür muss ich nicht erwarten. Meine Frau jedoch trägt das Ganze mit – und hat mich sogar darin bestärkt, diese Ausbildung zu beginnen. Großartig.

Nach dem ersten Wochenende ist mir klar, dass ich davon profitieren werde – und meine Familie auch. Es ist etwas ganz anderes, sich theoretisch mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen oder es in einer Gruppe zu tun. Das ist einfach so.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vor allem die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Rolle in der Familie oder eben auch während der Schwangerschaften und Geburten aber auch mit der Bedeutung, die der eigene Vater für einen Vater hat, war sehr lehrreich, beeindruckend und Augen öffnend.

Mir ist klar geworden, dass ich einige Gespräche mit meinem Vater führen sollte, wenn ich einige Dinge, die mich angehen, besser verstehen möchte. Bei der Reflexion der eigenen Erfahrungen ist mir klar geworden, dass ich mich nicht mehr ausreichend an alle Details der Schwangerschaften erinnern kann. Da ist einiger Austausch mit meiner Frau nötig. Und den Kindern will ich bewusster Zeit widmen. Die spärliche Zeit mit den Kindern vor allem unter der Woche muss noch mehr Qualitätszeit werden als bisher. Das heißt: Die volle Aufmerksamkeit gehört im direkten Kontakt dem Kind. Da dürfen Smartphones, Bücher und Zeitungen keinen Raum mehr haben. Wenn die Kinder auch mit anderem beschäftigt sind, vielleicht. Wenn sie aber die Aufmerksamkeit brauchen, dann bekommen sie diese auch. Punkt.

Die GfG-Väterbegleiter-Ausbildung ist ein Angebot der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) in Zusammenarbeit mit der Väter gGmbH. Melanie Schön und Volker Baisch haben an dem ersten Wochenende sehr gute Arbeit geleistet. Die Gruppe ist super. Ich bin immer noch beeindruckt. Und gespannt auf die weiteren Termine.

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