TagMesser

Spitze Gegenstände

Alles was gefährlich ist – so scheint es – übt bei Zweijährigen eine unglaubliche Faszination aus. Das beginnt beim Backofen, den man ja probiert anzufassen, obwohl es verboten ist. Und es geht weiter über jegliche Form von Messern. Küchenmesser, Brotmesser, Heckenschere, Rasierklingen, Apfelschälmaschine. Überall dort, wo der Gegenstand spitz wird, da leuchten die Augen und es heißt: „Einmal die Schere haben!“

Messer, Gabel, Schere, Licht... Foto: segovax / Pixelio.de

Messer, Gabel, Schere, Licht... Foto: segovax / Pixelio.de

Aber was ruft diese Begeisterung hervor? Längst legen wir zum Mittagessen ein Kindermesser dazu, damit der Kleine selbst sein Fleisch schneiden kann. Das „Verbotene“ kann es also nicht sein. Gewiss – einige Dinge sind tabu. Etwa der Handrasierer oder das scharfe Fleischmesser. Und dennoch: Gibt es auf dem Balkon zwei Plastik-Schüppchen und eine spitze Metallschaufel für die Balkonblumen, so können wir sicher sein, dass letztere zum Objekt der Begierde avanciert.

Scheren sind ein Riesenthema. Und Bügeleisen – aktuell noch genannt „Gügeleisen“. Wer dies kurz haben darf, muss von unendlichem Glück beseelt sein. Allein: Wenn die Schere dann einmal bei der Pediküre zum Einsatz kommt, dann ist der Coolness-Faktor doch ganz schnell dahin. Und vor dem Thema Kerze, da herrscht dankenswerterweise noch eine gehörige Portion Respekt.

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Küchengeräte = Spielzeug = Fun!

Warum ersteigere ich eigentlich die schönsten Legos auf eBay, bereite diese liebevoll in der Waschmaschine auf, trockne und poliere sie anschließend, sortiere die Steinchen nach Farben und führe diese liebevoll in Spielboxen mit dem aktuellen Stand zusammen? Manchmal ist dieses Gebaren, dass dem Spaß des Kindes dienen soll, gefühlt sinnlos.

Schnullersuppe.

Schnullersuppe - köstlich.

So sind doch Küchengeräte viel interessanter. Gleich, ob man sich an den Küchenschubladen die Finger klemmen kann oder der Dosenöffner auch scharfe Kanten hat – am besten ist es doch, wenn man wie Mama oder Papa einen Topf aus dem Schrank holt, eine Zwiebel reinpellt, die Schale sorgfältig auf dem kompletten Küchenboden verteilt, einige Knoblauchzehen mit dem Pfannenwender bis hinten unter dem Schrank platziert, die Nudeln („Ludl“, Anm. d. Red.) aus dem Apothekerschrank dann gleichmäßig zerhackt und sowohl im Topf als auch daneben platziert.

Einige Highlights: Wenn man schon die Steckdosen nicht nutzen darf, so kann man wenigstens die Stecker von Rührgerät und Kaffee-Röster in die Schranktür-Ritzen einpflanzen. Dass es dabei zu Kratzern kommt, ist ja eher witzig als hinderlich.

Angesagt ist auch Schnullersuppe. Schmeckt vorzüglich.

Wusstet ihr, dass man mit Kartoffeln an der Wand malen kann?

Recht schwierig zu ergattern und zu hüten wie ein Schatz, den man gefunden hat: Ein Messer. Das kommentiert man mit „Messer spitz“, aber natürlich auch mit einem „Messer lieb“.

Es wird schon deswegen niemals langweilig, eine komplette Schublade auszuräumen, weil die Dinge dann anschließend wieder in neuer Konstellation darin weilen. Und das passiert ganz automatisch. Irre.

Interessant: Hochwertiges Porzellan trashen. Das ist sinnvolle Vorbereitung auf den Polterabend, der ja alsbald anstehen könnte, schließlich fehlt noch jedes Gefühl für Zeit – für heute, gestern und morgen. Doof ist nur, wenn Papa den Teller nicht wieder heile machen kann, selbst wenn er es grad‘ soll. Dann heißt es auch schonmal: „Bäääää“.

Wir müssen uns im Ernst fragen: Wozu also um Himmels Willen Spielzeug? Wir haben doch Küchengeräte…

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