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In eigener Sache: Passionpapa sitzt ab morgen im Bundestag

Es war mal an der Zeit, etwas anderes zu machen. Meine engsten Freunde sind seit einiger Zeit informiert – meine Arbeitskollegen natürlich auch, einige haben mir abgeraten, aber ich habe mich zu dem Schritt entschlossen – und nun gibt es kein zurück: Plenarsaal, Arbeit im Parlament, Gespräche im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder die MdB-Diskussion im Deutschen Bundestag – all das wird für mich neu sein. Passionpapa-Autor Roland goes Bundestag. Auf Einladung des Bundestags-Abgeordneten Andreas Rimkus begebe ich mich auf eine so genannte „Tagung für politisch Interessierte“ und düse in die Hauptstadt Berlin.

Das Programm klingt staubtrocken. Und das war abzusehen. Warum ich das mache? Weil ich mir selbst ein Bild verschaffen möchte. Politiker gleich welcher Partei – so meine Meinung – denken und agieren in Legislaturperioden und Wählerstimmen. Ich habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Fragen gesammelt – bei Freunden, in unserer Kita, bei Arbeitskollegen. Und ich verspreche mir von dieser Fahrt, in die ich vier Tage investiere, eines: Antworten.

Die Positionen des einladenden Politikers klingen vielversprechend. Rimkus von den Sozialdemokraten will mehr Kitas aufbauen, das Betreuungsgeld abschaffen und zwei Milliarden Euro an Steuergeldern in die Kinderbetreuung stecken. Allein in NRW sollen 16.000 neue Kitaplätze entstehen. Das kündigt er im Video an, das ich mir zu meiner Vorbereitung angeschaut habe:

Es gibt eine Diskussion mit dem Bundestagsmitglied – und da werde ich mal nachfragen, was er davon schon realisieren konnte. Außerdem interessieren mich weitere Dinge – zum Beispiel, warum das Essen in Kitas aus Großküchen kommt und nicht frisch gekocht wird. Oder warum Erzieher in einem so engen Tarifkorridor bezahlt werden. Oder wie die Politik die Zukunft der Kitas in pädagogischer Hinsicht fördern will. Natürlich das Verhältnis von Erziehern zu Kindern – insbesondere im U3-Bereich. Oder, oder, oder.

Und ich hoffe, dass ich einige Statements mitbringen kann. Das Programm ist stündlich getaktet. Ich habe keine Ahnung, ob ich Zeit zum Bloggen finden werde oder im Anschluss an die Reise eine Zusammenfassung schreibe, aber ich will es versuchen. Also: Wenn ihr noch Fragen habt, dann schreibt sie in die Kommentare, ich trage sie vor. In Diskussionsrunden oder beim Mittagessen, bei dem hoffentlich auch die Referenten am Start sind… Bis später! Off to Berlin.

Update: Tja, als Papa ist man halt zuerst Papa und dann kommen die anderen Dinge. Ich musste die Reise abbrechen, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach einem schönen Abend und einem tollen Austausch mit anderen Papas ist heute vor Start des offiziellen Programms etwas dazwischengekommen. Und daher sitze ich schon wieder im ICE zurück nach Düsseldorf, während die Teilnehmer der Reisegruppe den Plenarsaal entern. Meine Fragen werde ich nicht stellen können, gehe aber davon aus, dass die anderen Eltern dies tun werden. Vielleicht gibt es irgendwann einen neuen Anlauf…

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Die Nachdenklichkeit ist zurück

Das hatte ich lange nicht mehr. Ich mache mir Sorgen um die Kinder. In welcher Welt werden sie groß? Was wird aus ihnen, welche Möglichkeiten werden sie haben? Wie sieht die Welt in 15, 20, 30 Jahren aus.

Als es um die Entscheidung ging, eine Familie zu gründen, habe ich mir schon die Frage gestellt, ob man in diese Welt voller Gewalt, Ungerechtigkeit und Verschmutzung Kinder setzen soll. Wahrscheinlich habe ich mir die Frage nur gestellt, weil es einfach dazu gehört, sich solche Fragen zu stellen, wenn man die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs trifft.

Unter dem Strich ist es natürlich keine ernsthafte. Oft genug habe ich hier dargestellt, wie großartig es ist, Kinder zu haben, an und mit ihnen zu lernen und sich so erst ernsthaft weiterzuentwickeln.

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Und dennoch: Zwischenzeitlich komme ich doch immer wieder ins Grübeln. Diesmal war der Auslöser eine nachdenkliche Bemerkung meiner Frau.

Die Zeiten sind komisch. Am drängendsten erscheint im Moment die Krise Europas und die Überschuldung der wirtschaftlich starken Nationen und Länder (eigentlich ein Hohn, wenn man sich erst die wenig bis gar nicht entwickelten Länder und das Leid der Menschen sieht).

Terror und Krieg sind im Moment medial nicht so präsent. Das lässt leicht Dinge vergessen, die in der Welt sind, auch wenn die Medien ihren Spot gerade nicht darauf richten.

Energiefrage und Klimawandel sind weitere prekäre Themen. Eine Lösung ist nicht wirklich in Sicht, selbst wenn man sich nun von der unkontrollierbaren Kernkraft verabschiedet – und zwar nicht nur in Deutschland.

Dann die Digitalisierung der Welt, die in großen Schritten voranschreitet. Sie hat so viel interessantes und verbindendes zu bieten. Aber sie ist eben auch disruptiv. Keiner weiß in welche Richtung sich das Ganze weiterentwickelt – Fluch oder Segen? Eine Antwort steht aus.

Aber viele Antworten auf zahlreiche Fragen unserer Zeit werden in den kommenden 15, 20, 30 Jahren gegeben. Unsere Kinder werden sich intensiv mit den Antworten auseinandersetzen müssen. Die Atomisierung von Sicherheit, die Veränderung von Lebensabläufen, der demografische Wandel treffen sie mit voller Wucht.

Das sind große Herausforderungen. Das spüren und wissen wir Eltern. Wir tragen dafür Verantwortung, was heute geschieht und morgen als Antwort zur Verfügung steht. Ich habe Angst davor, dass wir daran scheitern, faire Verhältnisse für die Heranwachsenden zu hinterlassen.

Ich bin froh, dass die Kinder da sind. Und doch mache ich mir Sorgen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Den Kindern innere Widerstandskraft mitgeben, das können wir leisten. Ansonsten wird es schwer, in einer immer komplexer werdenden Welt, Ansatzpunkte für Veränderung zu finden. Die Nachdenklichkeit ist zurück. Geht es anderen eigentlich auch so?

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Dann wandern Sie doch aus, Frau Weiguny!

Ich finde es wirklich großartig, wenn sich Akademiker dafür entscheiden, auch mal mehr als ein oder gar zwei Kinder in die Welt zu setzen. Ich finde es auch großartig, dass Bettina Weiguny von der FAS drei Kinder hat. Gefallen kann mir nicht, dass die FAZ seit Monaten, ja eigentlich seit Jahren, gegen das Elterngeld wettert.

Frau Weiguny lässt sich darüber aus, dass es Leute gibt, die sich mit den 3600 Euro (in einzelnen Fällen kommen übrigens noch Zulagen hinzu) zwei Monate Urlaub in weit entfernten Destinationen gönnen. Ich finde das auch nicht sinnhaft, allerdings hätte ich mir solche Eskapaden auch nicht leisten können. Normal verdienende Menschen mit einem spießigen Leben wie ich, müssen nämlich Rücklagen bilden. Dazu kommen noch die Gehaltseinbußen durch Reduzierung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld (falls vorhanden). Dem zu versteuernden Einkommen wird das Elterngeld auch noch hinzugerechnet, Frau Weiguny. Dann ist die Belastung für die armen Steuerzahler, die die Familien an dieser Stelle unterstützen, auch nicht mehr ganz so arg.

Natürlich haben wir unser drittes Kind nicht wegen des Elterngeldes bekommen. Da bin ich völlig bei der Autorin des FAS-Beitrags „Elterngeld zeugt keine Kinder“. Wenn das Elterngeld aber dazu beiträgt, dass das Klima pro Kind in unserer Gesellschaft besser wird, dann lohnt es sich allemal. Es ist doch immer noch so, dass der Großteil der Arbeitgeber es nicht so gern sieht, wenn seine männliche Fachkraft um die Auszeit bittet. In der Wirtschaft, die ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, herrscht Familien- und Kinderfeindlichkeit. Wie kann man dieses Thema denn in den Griff bekommen, FAZ, FAS und Frau Weiguny?

Und dabei sind es gerade auch Menschen mit Familie, die eine große Leistungsbereitschaft haben und sehr produktiv sind. Leider kann man das nicht in Zahlen fassen wie das Elterngeld und die Kosten, die die arme Gesellschaft zu schultern hat, um etwas wie Familie zu fördern.

Frau Weiguny ist nicht mehr bereit, den gut Verdienenden ihren Urlaub nach Niederkunft zu finanzieren. Da bleibt nur Auswandern oder weiter Stimmung gegen das Elterngeld zu machen, bis sich eine Regierung findet, die es wieder abschafft. Ich glaube, wir haben andere, dringlichere Probleme

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Herdprämien-Fail

Diese CDU hat Probleme: Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in eine Kita schicken, sollen ein Betreuungsgeld (Herdprämie)erhalten, weil die Abschiebe-Eltern einen totalen Vorteil haben, da sie die Betreuungskosten steuerlich geltend machen können.

Der Koalitionspartner FDP hat dazu keine Lust – und agiert damit ausnahmsweise einmal korrekt. Da man nicht schon wieder die frische Koalition belasten möchte, zeigen sich die Christdemokraten kompromissbereit. Die Zuwendungen sollen in schweren Fällen – Familie ist beim Jugendamt einschlägig bekannt – in Form von Gutscheinen erfolgen. In unbedenklichen Fällen soll das Geld direkt ausbezahlt werden. So einen Schwachsinn, der politisch denkenden Hirnen entspringt, muss man erstmal verdauen – da kann einem schon schwindlig werden.

Auf der einen Seite hat man erkannt, dass es durchaus Sinn macht, die Kinder früh in ein integriertes Bildungssystem einzuschleusen. Auf der anderen Seite will man den vermeintlich bestraften Eltern eine Belohnung dafür geben, dass sie ihre Kinder diesem Bildungssystem vorenthalten.

Wie löst man dieses Dilemma? Man schafft ein bürokratisches Konstrukt, das in jedem Fall mehr kostet als es bringt. Liebe Politiker in Berlin: Steckt die Kohle lieber in das Bildungswesen. Die Schulen brauchen mehr Geld, der Lehrerberuf muss wieder attraktiver werden, die Klassen müssen kleiner werden, mehr Männer müssen als Erzieher in die Kitas und als Lehrer in die Grundschulen. Das sind die drängenden Probleme. Hohles Gelderverschieben bringt da gar nichts. Nachhaltigkeit gibt es in der Politik in der Regel nur in Sonntagsreden -schade. Vielleicht sollten die Partner der verantwortlichen Politiker ein Betreuungsgeld dafür erhalten, dass sie letztere nicht auf die politische Bühne lassen und in der Küche einsperren.

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