TagQualitätszeit

Erholung, einmal anders gesehen

Urlaub, Zeit der Erholung. Ein komischer Begriff, dieses Erholung. Wer Familie hat, und wer vor allem kleine Kinder hat, weiß, dass es sich hier um einen sehr dehnbaren Begriff handelt. Es soll ja Eltern geben, die partout nicht davon ablassen, unter Erholung zu verstehen, dass sie nichts und niemand in ihrer Ruhe und beispielsweise beim Lesen stören darf. Auch nicht die eigenen Kinder.

Leute, jetzt mal im Ernst: Ich habe sowieso viel zu wenig Zeit für meine Kinder, meine Frau, meine Familie. Dann kann ich mich doch nicht in der Zeit des Jahres, in der ich die meiste Zeit für sie habe, hinstellen und sagen: „Jetzt lasst mich doch bitte in Ruhe!“ Das wäre doch absurd. Und doch wird das Attribut familienfreundlich von Urlaubsanbietern in der Regel damit in Verbindung gebracht, dass die Kinder durchanimiert werden, damit Eltern endlich einmal ihre Ruhe haben. Ein schräges Leben führen wir da manchmal.

Unser Urlaub ist jetzt erstmal rum. Wir hatten drei Wochen intensiv Zeit für- und miteinander. Und das ist nicht immer einfach. Gerade, wenn man wegfährt. Das System muss sich erstmal finden. An einen anderen Ort verpflanzt ist diese Herausforderung noch größer. Entsprechend unentspannt war der Anfang unseres Zelturlaubs in Bibione an der italienischen Adriaküste. Aber machen wir uns nichts vor. Das hat mit den Kindern nur am Rande zu tun. In Wirklichkeit befinden sich die Spannungen in der Beziehung der Eltern.

Auf einige Details des Urlaubs und die Irrungen und Wirrungen sowie Spezialitäten werde ich dann noch in den kommenden Tagen eingehen. Jetzt allerdings, da ich wieder im Zug auf dem Weg zur Arbeit sitze, wird mir klar, wie wichtig diese intensive Auseinandersetzung mit den Kindern in den vergangenen Wochen war. Ich spüre ganz stark, wie sich unsere Beziehungen wieder einmal deutlich gestärkt haben. Die Bindung ist eine ganz andere geworden. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass wir alle die Umstellung jetzt wieder gut verkraften werden und diese qualitativen Veränderungen unserer Beziehungen möglichst lange Bestand haben werden.

So gesehen kann man wohl sagen, dass sich unsere Beziehungen erholt haben. Vielleicht ist das der richtige Erholungsbegriff im Zusammenhang mit Familienurlaub. Vielleicht macht es Sinn, sich darüber einige Gedanken zu machen und daraus die Kraft für die neuen Aufgaben und Herausforderungen des Alltags zu schöpfen.

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Plan verfehlt und Ziel erreicht

Zwischenzeitlich war ich wirklich enttäuscht und auch ein bisschen sauer. Mein Osterurlaub ist vorbei – und natürlich ist er irgendwie zwischen den Fingern zerronnen. Ich wollte eigentlich nicht nur aufräumen, putzen und handwerken. Ich wollte etwas mit den Kindern, mit der Familie unternehmen. Ab nach draußen, Ausflüge machen – Aktion eben.

Tatsächlich hat das Wetter nicht wirklich dazu eingeladen. Aber gestern war zudem die Erstkommunion von Marc – und gab es eben noch einiges zu tun. Meine Frau hat die Vorbereitungen organisiert – und mich natürlich und auch zu Recht voll eingeplant.

Und trotzdem blieb auch Zeit für die Kinder – eingeplant, aber auch einfach genommen. Und ich muss sagen, dass es auch ohne größere Aktivitäten eine intensive Zeit mit ihnen war. Das übersieht man leicht, wenn man sauer ist, dass man sich die Zeit nicht so frei ausgestellten kann, wie man es möchte.

Wenn ich also diese negativen Emotionen wegradiere, dann bleibt ganz viel übrig. Lesen, Daddeln, Lego bauen, Bügelperlen stecken, Reden, Kuscheln, Quatsch machen, Streiten und auch Fernsehen. In diesen alltäglich Dingen steckt wahnsinnig viel. Das deutlichste Feedback einer solchen gemeinsamen Zeit kommt von Nora. Die Beziehung zu ihr hat sich in dieser zehntägigen Elternzeit nochmals deutlich verbessert und verfestigt. Ich bilde mir ein, aber das bestätigt auch meine Frau, dass sie sich in dieser Zeit auch sprachlich wieder ein Stück weiterentwickelt hat.

Alltag und viel Zeit miteinander verbringen heißt aber auch mehr streiten als sonst. Wer viel Zeit mit den Kindern verbringt, ist eben auch häufiger im Clinch mit ihnen. Es ist gut, dass man an solchen ganz normalen Tagen erleben kann, wie schwierig es oft für den ist, der den Großteil der Zeit mit den Kindern verbringt. An solchen Tagen kommt der Partner dann ein bisschen aus der Schusslinie – und das ist ganz gut so.

Meine Lehren aus den vergangenen zehn Tagen: Ich muss nicht immer etwas mit den Kindern unternehmen, um ihnen ganz nah zu sein und an ihrem Leben teilzuhaben und Impulse zu setzen. So toll es ist, in Urlaub zu fahren und Ausflüge zu unternehmen: Am Ende kommt es darauf an, dass man Zeit mit den Kindern verbringt, für sie da ist. Ein anwesender Vater zu sein, das ist der Schlüssel für eine gute Beziehung zum Kind.

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Befreiende Rodelpartien

Eine von vielen Rodeleinlagen.

Eine von vielen Rodeleinlagen.

Etwa 50 Rodelpartien später war klar, von körperlicher Erholung konnte nach unserem Kurzurlaub im Schnee nicht die Rede sein. Es war eigentlich ziemlich anstrengend. Mein lädierter Bewegungsapparat hat ordentlich etwas zu tun bekommen. Das Stapfen durch den Schnee, auf unebenem Boden und glattem Geläuf strapaziert Körperbereiche, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und immer wieder ging es bergauf, Nora auf dem Schlitten im Schlepptau, manchmal auch einen der Jungs.

Ganz bewusst haben wir das Auto weitestgehend stehen gelassen. Wenn man schon Stunden im Freien verbringt, muss man sie nicht unbedingt selbst mit Abgasen belasten. Dass das am Ende nicht wirklich hilft, da die meisten anderen Holländer (aber nicht nur die) das anders sehen, vesteht sich von selbst.

Knapp fünf Tage waren wir also in Schonach im Schwarzwald. Mir gelingt es nicht, vom ersten Moment im Urlaub zu sein, wenn ich im Urlaub bin. Da geht es mir sicher wie den meisten anderen. Irgendwie müssen sich die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern erst einpendeln. Ein System lässt sich eben nicht unabhängig von der Umwelt und den Umständen verpflanzen. Wenn nur fünf Tage zur Verfügung sind, dann muss sich das System schon arg flott an die neuen Gegebenheiten anpassen. Das hat es versucht. Es gab Reibungen – sie haben schließlich Wärme erzeugt, ohne sich zu überhitzen.

Am Ende und mit einem bisschen Abstand muss dann sogar auch ich Urlaubsmuffel zugeben, dass unsere Rodelpartien neben den körperlichen Anstrengungen eine befreiende Wirkung hatten. Eine Befreiung vom Alltag. Als weitere Belohnung gab es ganz enge Erfahrungen mit den Kindern. Es war eine intensive Zeit. Zeit, die man im Block ganz anders nutzen kann, als im Alltag, wo sich die Qualitätszeit mit den Kindern auf wenige Zeit-Inseln innerhalb einer Woche konzentrieren. Ein Mehr dieser Zeit wäre notwendig, um sich und das System Familie in der Balance zu halten. Diese Erkenntnis bleibt neben vielen schönen Erinnerungen an einen kurzen und dennoch sehr wertvollen Urlaub.

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Auf dem Weg zum Väterbegleiter

„Ich hab‘ ein bisschen die Befürchtung, dass es hier zugeht wie in einem Männerseminar, bei dem man in den Wald geht und sich mit Dreck beschmiert.“ Zum Glück hat sich diese in der Auftaktrunde von einem Teilnehmer geäußerte Befürchtung nicht bestätigt. Hinter einer Gruppe von acht Männern zwischen Mitte 30 und Ende 40 liegt das erste Ausbildungswochenende zum GfG-Väterbegleiter. Und ich mittendrin.

Acht Männer mit unterschiedlichen Biographien auf dem Weg zu einem Zertifikat, das ihnen die Fähigkeit bescheinigt, Männer auf ihre Vaterschaft vorzubereiten und zu begleiten – bis über den Geburtstermin hinaus. Die Gruppe ist eine Pilotgruppe. Eine solche Ausbildung hat es bisher nicht gegeben.

Anfangs war ich auch hin und hergerissen. Sollte ich mich in ein solches Abenteuer stürzen? Die Familie wird drei Wochenenden ohne mich auskommen. Qualitätszeit mit Frau und Kindern müssen geopfert werden, um die Ausbildung abzuschließen. Das Verständnis der Kinder dafür muss ich nicht erwarten. Meine Frau jedoch trägt das Ganze mit – und hat mich sogar darin bestärkt, diese Ausbildung zu beginnen. Großartig.

Nach dem ersten Wochenende ist mir klar, dass ich davon profitieren werde – und meine Familie auch. Es ist etwas ganz anderes, sich theoretisch mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen oder es in einer Gruppe zu tun. Das ist einfach so.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vater und Sohn im Schnee. Von einer schlechten Vorlage erstellt.

Vor allem die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Rolle in der Familie oder eben auch während der Schwangerschaften und Geburten aber auch mit der Bedeutung, die der eigene Vater für einen Vater hat, war sehr lehrreich, beeindruckend und Augen öffnend.

Mir ist klar geworden, dass ich einige Gespräche mit meinem Vater führen sollte, wenn ich einige Dinge, die mich angehen, besser verstehen möchte. Bei der Reflexion der eigenen Erfahrungen ist mir klar geworden, dass ich mich nicht mehr ausreichend an alle Details der Schwangerschaften erinnern kann. Da ist einiger Austausch mit meiner Frau nötig. Und den Kindern will ich bewusster Zeit widmen. Die spärliche Zeit mit den Kindern vor allem unter der Woche muss noch mehr Qualitätszeit werden als bisher. Das heißt: Die volle Aufmerksamkeit gehört im direkten Kontakt dem Kind. Da dürfen Smartphones, Bücher und Zeitungen keinen Raum mehr haben. Wenn die Kinder auch mit anderem beschäftigt sind, vielleicht. Wenn sie aber die Aufmerksamkeit brauchen, dann bekommen sie diese auch. Punkt.

Die GfG-Väterbegleiter-Ausbildung ist ein Angebot der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) in Zusammenarbeit mit der Väter gGmbH. Melanie Schön und Volker Baisch haben an dem ersten Wochenende sehr gute Arbeit geleistet. Die Gruppe ist super. Ich bin immer noch beeindruckt. Und gespannt auf die weiteren Termine.

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