TagSchulreife

Zahnlos am Fußballplatz

Die Überschrift deutet auf brutales Geschehen auf dem grünen Rasen hin. Keine Sorge: Darum geht es nicht. Die Ereignisse, die hier geschildert werden, haben mit Körperkontakt nichts zu tun.

Es geht um Zähne. Ich merke im Moment ganz besonders, dass Zähne ein Symbol für Vergänglichkeit sind. Es heißt ja, wer von Zähnen träumt, muss irgendwie in Kontakt mit Tod und Verderben kommen. So langsam verstehe ich, warum es wohl tatsächlich einen Zusammenhang gibt.

Da ist zum einen Nora, die immerhin schon zwei Zähne hat und mit einer Reihe weiterer kämpft. Bekommt ein Baby Zähne, ist es irgendwie kein richtiges Baby mehr. Die Eltern realisieren: Die Babyzeit ist vorbei, passé. Das kommt so nicht wieder (außer man bekommt noch ein Baby). Wenn dann beim größeren Kleinkind die Milchzähne ausfallen, ist die nächste Stufe erreicht. Die Lücke führt es einem vor Augen: Hier ist jemand, der ist auf dem besten Weg, sein eigenes Leben zu führen. Nicht umsonst wird ein Zusammenhang zwischen dem Verlust der Milchzähne und der Schulreife hergestellt.

Marc hat schon zwei zweite Zähne, seit gut einem Jahr. Er war noch kein 5 Jahre alt, als er seine ersten Zähne verlor. Er ist ein Frühzahner. Ich habe mich an dieser Stelle diesem Thema schon einmal gewidmet. Seit einigen Wochen hat nun auch der erste Schneidezahn oben Anstalten gemacht, seinen angestammten Platz verlassen zu wollen. Das Gewackel wurde stärker, am Mittwoch nun hat dann auch Marc seine vielleicht erste Vergänglichkeitserfahrung gemacht.

Die heiße Phase begann damit, dass Marc nicht mehr wirklich im Stande war, Nudeln mit Hackfleischsoße zu essen. Das Zahnfleisch hat schon leicht geblutet. Da hat es ihn umgehauen. Er musste sich erstmal hinlegen. Meine Frau hat Joghurt organisiert – nach einer kurzen Ruhepause hat er sich dann sich an die Tomatensoße getraut.

Später am Tag stand dann Fußballtraining auf dem Plan. Als ich nach Hause kam, hat er mir die Geschichte persönlich erzählt, wie sein Zahn ausfiel.

Er hat gesagt. „Mein Zahn ist beim Fußball ausgefallen.“ Er wirkte bereits sehr gefasst, als er auf seine Zahnlücke zeigte. Ich: „Hast Du den?“ Marc: „Der Zahn ist auf den Rasen gefallen.“ Ich: „Hast Du den Zahn?“ Marc: „Der Zahn hat ganz doll gewackelt, dann ist er auf den Rasen gefallen.“ Ich: „Hast Du den Zahn?“ Marc: „Ja. Er lag auf dem Boden.“ Ich: „Du hast ihn also aufgehoben?“ Marc: „Nein, als der Zahn ausgefallen ist, habe ich erstmal geweint.“ Ich: „Und wo ist der Zahn.“ Marc. „Den hat die Mama.“ Ich: „Hat der Wolfgang (Anm: der Trainer) den Zahn aufgehoben?“. Marc: „Ja.“

Also das mit dem Weinen kann ich echt gut verstehen. Trotzdem ganz schön tapfer.

Flattr this!

Schulanmeldung, die 2.

Manchmal wundert man sich nur, manchmal muss man sich auch ärgern – und oft ist der Übergang vom einen zum anderen fließend.

Marc ist ein Kannkind und schon in der Schule angemeldet. Die Vorstellung an der Schule bei der Schulleiterin hatten wir schon im September, auch die schulärztliche Untersuchung haben wir schon im Januar hinter uns gebracht. Alles soweit okay und akzeptiert – von allen Seiten.

Jetzt allerdings habe ich erneut ein Anschreiben des Schulamts im Fach von Marc im Kindergarten gefunden. Da seine Schulpflicht im Sommer 2011 beginnt, sollten wir doch im März in der Schule vorstellig werden.

Ich bin ja durchaus für Datenschutz – allerdings war mir bislang nicht bekannt, dass sogar innerhalb einer Behörde keine Daten fließen dürfen. Die Anschreiben wirken immer hoch technisch. Sie scheinen von einem Drucker zu stammen, der an einem Rechner hängt, welcher wiederum in einem Netz werkt und so Zugriff auf zentrale Datenbanken hat. Der Schein trügt ganz offensichtlich.

So kann man sich nun über das Chaos ärgern, dass in solchen Behörden herrscht. Auch die Umweltbelastung durch sinnloserweise ausgedrucktes Papier ist ein Ärgernis. Genauso störend ist aber auch, dass sich wohl niemand über Prozesse und Effizienz Gedanken macht. Schade eigentlich.

Inhaltlich gibt es auch noch etwas anzumerken: Die Schulämter haben offenbar beschlossen, dass die Kinder nun schon 15 Monate vor dem Einschulungstermin zu Vorstellung in die Schule kommen können. Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist. Sicher: Es gibt so die Möglichkeit früher einzugreifen, wenn in der Entwicklung der Kinder etwas schief läuft. Allerdings können meines Erachtens nicht ernsthaft Hochrechnungen erstellt werden, inwieweit sich das Kind in den folgenden Monaten noch entwickeln wird, um die Schulreife schon zu diesem Zeitpunkt festzustellen. Auch die schulärztliche Untersuchung soll wohl vorgezogen werden. Eine Ärztin, die solche Untersuchungen durchführt, hat mir gesagt, dass es selbst ein halbes Jahr vor der Einschulung schwierig sei, den Entwicklungsstand aus medizinischer Sicht abschließend zu beurteilen.

Eltern sollten mit vielen Dingen ihre Kinder betreffend sicher viel entspannter umgehen. Aber das Thema Schulreife ist sehr emotional besetzt. Mit dieser neuen Strategie wird der Druck auf Eltern und vor allem Kinder unnötig erhöht.

Bei beiden Themen habe ich einen Gang zurück geschaltet – und wundere mich einfach weiter, vielleicht geht es anderen ja genau so.

Flattr this!

© 2019 passionpapa

Theme by Anders NorenUp ↑